Heraldo de Mexico
+++ Sportzeitung für Mexico +++

Nullnummer mit Feuer: Guadalajara verzweifelt an Chetumals Betonmauer

Wenn ein 0:0 mit 17:4 Torschüssen endet, dann weiß man, dass mindestens eine Mannschaft einen Heiligenschein verdient hat - und das war an diesem 30. Spieltag der 1. Liga Mexico ohne Frage Atletico Chetumal. Vor 53.064 Zuschauern stemmten sich die Männer von Trainer Bastian Roemmler gegen die "Diablos Guadalajara" mit einer Mischung aus Glück, Schweiß und wohl auch göttlichem Beistand.

Vom Anpfiff weg war klar, wer hier das Zepter schwang. Guadalajara spielte, kombinierte, flankte - und scheiterte. In der 2. Minute eröffnete Cameron Cabell den Reigen der vergebenen Chancen, und es sollte nicht seine letzte bleiben. Der bullige Linksaußen durfte sich im Laufe der Partie als tragischer Held fühlen: ganze fünfmal zog er ab, keinmal zappelte das Netz. Nach dem Spiel grinste er gequält: "Ich hätte heute auch mit verbundenen Augen treffen müssen. Aber anscheinend hat das Tor mich persönlich beleidigt."

Chetumal dagegen verlegte sich früh aufs Kontern, wobei "Kontern" ein großes Wort ist. Vier mickrige Torschüsse in 90 Minuten, das war eher Schadensbegrenzung mit gelegentlichen Ausflügen Richtung Mittellinie. In der 18. Minute versuchte Innenverteidiger Eskil Dahlstrom (!) sein Glück aus 30 Metern - der Ball flog auf direktem Weg in die Arme von Diablos-Keeper Hanson Wendell, der vermutlich froh war, auch mal etwas zu fangen.

Guadalajara drückte, guckte, verzweifelte. Nelson Figo prüfte Chetumals Torwart Callum Greenwald gleich dreimal, Antonio Pascual donnerte in der 11. und 66. Minute knapp vorbei, und Cesc Carvalho zirkelte den Ball in der 34. Minute so knapp über die Latte, dass mancher Fan im Gästeblock schon jubelte. "Wir haben alles richtig gemacht, außer den Ball reinzuschießen", murmelte Trainer Ralf Mr später und rieb sich die Schläfen. "Vielleicht sollten wir nächste Woche auf Handball umstellen - da ist das Tor größer."

Chetumal verteidigte mit allem, was Beine hatte. Cyril Houziaux, der rechte Verteidiger, ließ sich in der 74. Minute zu einer Gelben hinreißen und sah vier Minuten später auch noch Gelb-Rot. Dass die Gastgeber zu zehnt über die letzten zwölf Minuten kamen, war fast schon ein Wunder. "Er hat ihm nur freundlich auf die Schulter geklopft", meinte Coach Roemmler mit einem sarkastischen Lächeln. "Leider etwas zu grob."

Die Diablos witterten ihre Chance, warfen alles nach vorne - und trafen weiter nur den Frust. Alain Marchand zielte in der 75. Minute aus 20 Metern, Greenwald fischte den Ball sensationell aus dem Winkel. In der Nachspielzeit setzte Figo noch einen Schuss ans Außennetz. Danach blieb den Gästen nur der Frust und den Zuschauern das erleichterte Aufatmen eines 0:0, das sich für Chetumal anfühlte wie ein Sieg.

Statistisch gesehen war das Spiel eine einseitige Angelegenheit: 56,8 Prozent Ballbesitz für Guadalajara, 17 Torschüsse, dazu eine Zweikampfquote von 56 Prozent - und trotzdem kein Treffer. Atletico Chetumal kam auf magere 43 Prozent Ballbesitz, aber unendlich viel Herz. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Roemmler. "Und das haben wir so gut gemacht, dass wir fast gar nicht mehr aus der eigenen Hälfte rauskamen."

In der 70. Minute brachte der Coach mit Mikhail Kalaschnikow und Evan Millington zwei frische Beine - und vermutlich auch ein wenig Hoffnung. Aber gegen das druckvolle Angriffsspiel der Diablos blieb nur das Prinzip "Beton anrühren". Der junge Kalaschnikow sagte nach dem Spiel, halb stolz, halb ironisch: "Ich bin reingekommen, um die rechte Seite dichtzumachen. Hat funktioniert - ich hatte keinen Ballkontakt."

Auch taktisch blieb Chetumal defensiv diszipliniert: kein Pressing, viel Geduld, am Ende mit Mann weniger sogar aggressiv im Verteidigen. Guadalajara dagegen hielt bis zur letzten Minute an seiner ausgewogenen, aber ineffektiven Offensivtaktik fest - fast schon stoisch.

Als Schiedsrichter Torres schließlich abpfiff, jubelte das Publikum, als hätte Chetumal gerade das Finale gewonnen. Die Spieler fielen sich in die Arme, während die Diablos ratlos auf den Rasen starrten. "Manchmal ist Fußball einfach ungerecht", sagte Cabell, "und heute war er’s sogar zweimal."

So bleibt das Fazit: Chetumal verteidigt sich ins Glück, Guadalajara spielt sich ins Leere. Ein 0:0, das niemanden begeistert und doch jeden erzählte, warum dieser Sport so geliebt wird - weil selbst totale Dominanz keine Garantie für Tore ist.

Und irgendwo in Chetumal wird heute Abend ein Torwart namens Callum Greenwald mit einem breiten Grinsen einschlafen - vielleicht träumt er sogar von einem Ball, der wieder und wieder an ihm abprallt.

01.01.643988 06:03
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Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme
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