// Startseite
| Jamaica News Bulletin |
| +++ Sportzeitung für Jamaica +++ |
|
|
|
Manchmal sagt das Ergebnis alles - und manchmal gar nichts. Das 0:0 zwischen Clarendon Sporting und Fire-House FC am 8. Spieltag der 1. Liga Jamaica war so ein Fall. 40.000 Zuschauer im Clarendon-Stadion sahen zwar keine Tore, dafür aber ein Spiel voller kleiner Dramen, gelber Kartons und vergeblicher Großchancen. Fire-House FC, trainiert vom stets leidenschaftlichen Dottore Caballero, kam mit offenem Visier. Schon in der 5. Minute prüfte Oscar Zahinos den Heimkeeper Dylan Allington, der mit einer Tigerreaktion klärte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Zahinos später, "aber dann dachte ich: Ach, warum nicht mal draufhalten?" - der Ball landete trotzdem in den Händen des Torwarts. Clarendon Sporting begann taktisch ausgewogen - ganz so, als wolle man den Gegner erst mal müde spielen. Mit 55 Prozent Ballbesitz kontrollierten sie das Geschehen, ohne jedoch wirklich gefährlich zu werden. Ein bisschen so, als hätten sie ein Handbuch mit dem Titel *"So hält man den Ball, ohne zu treffen"* studiert. Fire-House dagegen schoss aus allen Lagen: 14 Torschüsse zu 4, doch das Netz wollte einfach nicht zappeln. Julian Arredondo, der Mittelstürmer von Fire-House, war der lebende Beweis, dass man auch ohne Torerfolg zum Publikumsliebling werden kann - wenn man nur oft genug daneben schießt. Drei Mal in der ersten Halbzeit, jedes Mal knapp vorbei. In der 31. Minute rauschte sein Schuss Zentimeter über die Latte, in der 42. wieder knapp links vorbei. "Ich hätte wohl eine andere Schuhmarke wählen sollen", lachte er nach Abpfiff. Clarendon hatte seine besten Momente zwischen der 55. und 60. Minute, als Jake Washington und Marcel Amyot nacheinander Abschlüsse fanden. Washington zwang Torwart Anders Sundström zu einer artistischen Parade, Amyot verzog aus spitzem Winkel knapp. "Wenn der reingeht, sprechen wir heute über ein anderes Spiel", knurrte Clarendons Co-Trainer - dessen Name nicht verraten werden wollte, "weil ich sonst wieder Kaffee ausgeben muss." Das Spiel wurde ruppiger, als Fire-House-Verteidiger Salvador Barbosa in der 35. Minute Gelb sah - und in der 79. mit Gelb-Rot endgültig Feierabend hatte. "Ich wollte doch nur den Ball treffen", verteidigte sich Barbosa, während er in die Kabine trottete. "Leider war der Ball auf einem anderen Platz." Sein Trainer Caballero winkte ab: "Er ist jung. Also, jünger als ich. Das erklärt vieles." Trotz Unterzahl blieb Fire-House gefährlich. Charles Chamberlain, eingewechselt in der 55. Minute, hatte in der 91. Minute den Siegtreffer auf dem Fuß - wieder war es Allington, der Clarendon rettete. Der Keeper, sonst eher ein ruhiger Typ, brüllte danach so laut, dass selbst die Balljungen kurz salutierten. Die Zahlen sprachen am Ende für Fire-House: mehr Schüsse, bessere Zweikampfquote (55 Prozent) und den Eindruck, dass sie mit elf Mann wohl gewonnen hätten. Aber Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb. Für Clarendon war es der Punkt des Pragmatismus - für Fire-House einer der verpassten Chancen. In der Mixed Zone wurde noch lange diskutiert. "Ein 0:0, das sich anfühlt wie ein 3:3", meinte Clarendons Linksverteidiger Ryan Hennessy mit einem Augenzwinkern. Dottore Caballero hingegen schob die Sonnenbrille hoch und sagte nur: "Wir haben den Ball geliebt, aber er wollte uns nicht zurücklieben." Vielleicht war das auch die treffendste Zusammenfassung dieses Abends: ein Spiel voller Leidenschaft, Einsatz - und einer gehörigen Portion Tragikomik. Die Fans gingen zufrieden, zumindest die Neutralen. Die einen sahen eine Abwehrschlacht, die anderen ein Offensiv-Drama ohne Happy End. Und irgendwo in der Kabine von Clarendon Sporting soll Torwart Allington leise gesagt haben: "Manchmal ist Null die schönste Zahl." Vielleicht hatte er recht. Denn wer so oft geprüft wird und trotzdem die Null hält, darf sich auch mal wie ein Sieger fühlen - auch wenn auf der Anzeigetafel nichts als Nullen stehen. Das Fazit dieses Fußballabends? Ein Remis mit Stil, Schweiß und ein bisschen Wahnsinn. Oder, um es mit den Worten eines alten jamaikanischen Reporters zu sagen: "Wenn du kein Tor siehst, musst du wenigstens eine Geschichte sehen." Und Geschichten gab es in Clarendon an diesem Abend genug. 10.04.643987 01:50 |
Sprücheklopfer
Wichtig ist, dass er nun eine klare Linie in sein Leben bringt.
Lothar Matthäus zum Kokaingeständnis von Christoph Daum