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Ein 0:0 kann vieles sein - langweilig, taktisch geprägt oder schlicht ein Festival verpasster Chancen. Die Partie zwischen Estella Roha und Real Caracas am 18. Spieltag der 1. Liga Venezuela war ein bisschen von allem. 31.077 Zuschauer im Estadio Roha sahen am Sonntagabend ein intensives, aber torloses Duell, das in den letzten Minuten beinahe explodierte - und zwar weniger wegen fußballerischer Brillanz, sondern wegen Nuno Marques’ hitzigem Temperament. Von Beginn an legte Estella Roha los, als wolle man der Statistik-Abteilung beweisen, wer hier Herr im Haus ist. Schon in der 6. Minute prüfte Miguel Canton den Gästekeeper Sergio Cortes mit einem satten Rechtsschuss. "Ich hab’ gedacht, der Ball ist drin - bis Cortes plötzlich da war, wie ein Gummimann", grinste Canton später. Sein Trainer, der sich über den vergebenen Treffer nur kurz ärgerte, murmelte trocken: "Wenn wir jedes Mal jubeln würden, wenn Miguel schießt, wären wir alle heiser." Die Hausherren dominierten das Geschehen mit 53 Prozent Ballbesitz und elf Torschüssen, doch Real Caracas hielt zäh dagegen. Besonders der junge Agemar Manuel zeigte, warum er als Hoffnungsträger gilt: Bereits in der ersten Minute zwang er Estellas Keeper Mario Soverato zu einer Glanztat. "Ich wollte gleich ein Zeichen setzen", sagte der 20-Jährige, "aber der Torwart hatte wohl andere Pläne." Die erste Halbzeit verlief wie ein Boxkampf ohne Knockout. Lasse Lange und Damian Ze Castro sorgten mit drei Schüssen in Serie zwischen der 25. und 35. Minute für Daueralarm im Strafraum von Caracas. Doch Cortes, der Keeper mit der Ruhe eines Schachspielers, pflückte alles souverän herunter. Auf der anderen Seite lauerte Francisco Gallardo, doch seine Abschlüsse in der 50. und 60. Minute landeten genau in den Armen von Soverato. Trainer Eiko Henke von Real Caracas blieb an der Seitenlinie erstaunlich gelassen. "Wir wollten heute sicher stehen. Offensiv? Ja, irgendwann vielleicht", witzelte er nach dem Spiel. Seine Mannschaft spielte exakt so, wie sie eingestellt war: ausgewogen, sicher, ohne großes Risiko. Kein Pressing, keine wilden Offensivläufe - einfach gepflegter Minimalismus. Dann kam die 79. Minute - und mit ihr das Drama. Lasse Lange, bis dahin einer der Aktivposten bei Estella, sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen. Nur vier Minuten später verlor sein Teamkollege Nuno Marques die Nerven. Nach einem harmlosen Zweikampf wollte er offenbar klären, ob man eine Rote Karte auch ohne Foul bekommen kann - durch zu intensives Diskutieren. Schiedsrichter Hernan Velasquez zeigte tatsächlich Rot. "Ich hab’ nur gefragt, ob er sicher ist", protestierte Marques nach Abpfiff, "aber anscheinend war er das." Die Schlussphase wurde so zur Geduldsprobe für die Gastgeber. Mit zehn Mann war plötzlich Defensive angesagt. Miguel Canton versuchte es noch einmal in der 88. Minute mit einem verzweifelten Distanzschuss, den Cortes abermals entschärfte. Und in der 89. Minute durfte sogar Rechtsverteidiger Antonio Vidigal sein Glück versuchen - ein Versuch, der mehr an ein Rugby-Kick erinnerte als an einen Torschuss. Nach 90 Minuten blieb die Anzeigetafel stur bei 0:0. Die Zuschauer pfiffen zunächst, applaudierten dann aber fair - wohl auch, weil sie wussten, dass sie zumindest Dramatik und Emotionen geboten bekommen hatten. "Mit einem Mann weniger war das am Ende reiner Überlebenskampf", gab Estellas Kapitän Mateo Galindo offen zu. "Aber immerhin haben wir keinen gefangen." Trainer Henke auf der anderen Seite nahm den Punkt mit einem Schmunzeln: "Ein 0:0 ist wie ein Espresso ohne Zucker - bitter, aber manchmal genau richtig." Auch wenn die Statistik zugunsten von Estella Roha sprach - 11:7 Torschüsse und leichtes Plus im Zweikampf - fehlte beiden Teams die finale Idee. Vielleicht, weil beide in ihrer taktischen "BALANCED"-Wohlfühlzone blieben: kein Pressing, kein Risiko, aber auch kein Torjubel. Und so endete ein Spiel, das keineswegs schlecht war, sondern einfach zu höflich, um einen Sieger zu küren. Es hatte alles, was man an Südamerika liebt: Leidenschaft, Hitzigkeit, fragwürdige Entscheidungen - und am Ende ein Ergebnis, das niemandem wirklich hilft. Oder, wie Estellas Torwart Soverato es lakonisch zusammenfasste: "Manchmal hält man alles, und trotzdem fühlt es sich an wie eine Niederlage. Aber gut - wenigstens die Null steht." Vielleicht bringt der nächste Spieltag wieder Tore. Oder wenigstens weniger Diplomatie auf dem Rasen. 26.08.643987 01:15 |
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