// Startseite
| Heraldo de Mexico |
| +++ Sportzeitung für Mexico +++ |
|
|
|
Es gibt Spiele, die an einen guten Espresso erinnern - kurz, kräftig, mit Nachgeschmack. Und dann gibt es Spiele wie dieses am 24. Spieltag der 1. Liga Mexico, bei dem Guerreros Laguna und Atletico Chetumal zwar 90 Minuten lang rührig arbeiteten, aber der Zucker vergessen wurde. 0:0 hieß es am Ende vor 43.500 Zuschauern im Estadio Corona, und man hatte nicht das Gefühl, dass noch jemand auf Nachschlag gehofft hätte. Dabei fing alles durchaus vielversprechend an. Schon in der 4. Minute prüfte Javier Gallego den gegnerischen Keeper Callum Greenwald mit einem satten Linksschuss. "Ich dachte, der geht rein - bis ich gemerkt habe, dass er gar nicht ins Tor wollte", witzelte Gallego später mit einem Schulterzucken. Nur zwei Minuten später versuchte es Verteidiger Nelson Peyroteo, offenbar inspiriert vom Offensivdrang des Nebenmanns. Der Ball segelte allerdings in einer Höhe, in der sonst nur Satelliten verkehren. Atletico Chetumal übernahm danach das Kommando - zumindest statistisch. 16 Torschüsse insgesamt, 51 Prozent Ballbesitz, und ein Andrew Neville, der zwischen der 7. und 90. Minute gefühlt im Alleingang eine Schussstatistik für die Geschichtsbücher sammelte. Der rechte Flügelstürmer versuchte sich ganze siebenmal, scheiterte aber jedes Mal am glänzend reagierenden Joseba Cunha im Tor der Guerreros. "Ich hätte ihm irgendwann fast freiwillig den Ball reingelassen, damit er aufhört", scherzte Cunha nach dem Abpfiff, während Neville kopfschüttelnd danebenstand: "Der Ball war verflucht, ehrlich." Die erste Halbzeit verlief ansonsten nach dem Motto: viel Einsatz, wenig Ertrag. Beide Teams spielten in einer ausgeglichenen, taktisch disziplinierten Formation - "balanced", wie die Statistik trocken notierte. Dafür gab’s aber Emotionen. In der 43. Minute holte sich Atléticos Rechtsverteidiger Oscar Galindez die erste Gelbe Karte des Abends ab, nachdem er Diego Mourino rustikal daran erinnerte, dass Fußball ein Kontaktsport ist. Nach dem Pausenpfiff - Van Nistelrooy trank in der Coaching Zone demonstrativ Wasser, Roemmler kaute Kaugummi mit der Entschlossenheit eines Mannes, der ein Tor herbeibeten will - änderte sich am Bild wenig. Chetumal presste nun etwas höher, Laguna blieb gelassen. In der 63. Minute prüfte Juanito Vasquez mit einem wuchtigen Linksschuss die Stabilität des Fangnetzes, und in der 73. Minute zielte Gallego erneut knapp vorbei. Der Ballbesitz blieb nahezu ausgeglichen, 49 zu 51 Prozent, doch die Effizienz beider Mannschaften erinnerte an zwei Künstler, die mit leeren Farbkanistern malen wollten. Ein wenig Farbe kam durch die Zweikämpfe hinein: Duarte Vasco sah in Minute 72 Gelb, kurz vor Schluss dann auch Diego Mourino - der sich in der Nachspielzeit offenbar dachte, er müsse wenigstens die Statistik bereichern. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", grinste er nach dem Spiel. Trainer Ruud van Nistelrooy nahm es sportlich. "Wir wollten ruhig bleiben, nicht die Nerven verlieren. Das haben wir geschafft. Vielleicht zu gut", sagte er mit einem gequälten Lächeln. Sein Gegenüber Bastian Roemmler dagegen wirkte fast zufrieden: "Wir haben Chancen kreiert, wir haben das Spiel kontrolliert. Nur das Tor hat gefehlt - also das Wichtigste. Aber hey, Details!" Selbst die taktischen Momentaufnahmen des Spiels zeigen: Beide Teams blieben über 90 Minuten bei einer ausgewogenen Ausrichtung. Erst in der Schlussphase wagte Chetumal mit aktivem Pressing noch einmal alles - und hätte beinahe belohnt werden können, als Neville in der 90. Minute noch einmal abzog. Doch wieder war Cunha zur Stelle, der mit seiner Ruhe und seinen Reflexen zum stillen Helden des Abends wurde. Nach dem Schlusspfiff klatschten die 43.500 Zuschauer höflich. Nicht begeistert, aber respektvoll - immerhin hatten sie ein Spiel gesehen, das zwar keine Tore, aber reichlich Einsatz bot. Ein Zuschauer fasste es treffend zusammen: "Das war wie ein gutes Buch ohne Ende - spannend, aber man wartet ewig auf die letzte Seite." Vielleicht war das 0:0 genau das Ergebnis, das dieses Spiel verdiente: zwei Teams, die sich neutralisierten, ein Torwart, der zum Publikumsliebling wurde, und zwei Trainer, die hoffen, dass ihre nächste Begegnung etwas weniger "balanced" verläuft. Und so ging man auseinander - van Nistelrooy mit gesenktem Kopf, Roemmler mit einem Satz, der hängen blieb: "Manchmal ist ein Punkt eben auch ein kleiner Sieg." Klingt gut. Aber schöner wäre es, wenn beim nächsten Mal einer den Ball auch wirklich ins Netz zimmert. 23.06.643993 09:48 |
Sprücheklopfer
Spielerfrau.
Mehmet Scholl auf die Frage nach seinem Lieblingsberuf