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North York Stars holen Pokal nach Elfmeter-Drama gegen Okanagan Bulls

Es war kein Abend für schwache Nerven im North York Stadium. 59.000 Zuschauer sahen ein Pokalfinale, das alles bot, was der Fußball braucht - ein früher Treffer, ein später Ausgleich, Krämpfe, Tränen und am Ende ein Elfmeterschießen, das in die Vereinschronik der North York Stars eingehen dürfte. Nach 120 Minuten stand es 1:1, nach Elfmetern hieß der Sieger schließlich 5:4. Trainer Jokel Kuss rannte jubelnd über den Rasen, während sein Gegenüber Markus Merk die Hände über dem Kopf zusammenschlug.

Begonnen hatte alles so verheißungsvoll für die Stars. Schon in der 12. Minute war das Stadion ein Tollhaus, als Carlos Tonel nach feinem Zuspiel von Andrew Haddock den Ball mit einem satten Rechtsschuss ins linke Eck jagte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Tonel später. "Wenn du triffst, sieht’s immer nach Absicht aus." Die Bulls wirkten danach zunächst geschockt, kamen aber mit zunehmender Spieldauer ins Rollen.

Statistisch deutete ohnehin vieles auf die Gäste hin: 20 Torschüsse, knapp 52 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe - alles spricht für Okanagan. Aber Fußball ist bekanntlich kein Statistikseminar. Die Stars verteidigten kompakt und lauernd, ganz wie es Kuss angeordnet hatte: "Wir wollten sie laufen lassen, bis sie müde werden. Hat ja fast geklappt - bis zur 91. Minute."

Denn da kam der große Auftritt von Francisco Butragueno. Der bullige Linksaußen der Bulls hatte schon einige Male vergeblich abgezogen, doch diesmal traf er nach Vorlage von Roberto Ferrer. Ein Schuss, wie er in Lehrbüchern beschrieben wird - trocken, flach, unhaltbar. 1:1, Nachspielzeit, und plötzlich war die Luft wieder elektrisiert.

In der Verlängerung wurde es wild. Callum Eliot, der Mittelstürmer der Stars, musste in der 101. Minute verletzt raus. "Ich hab gehört, es hat geknackt", sagte er später mit einem gequälten Lächeln. Ersatzmann Christiano Ferron kam rein - und sollte später zur Schlüsselfigur werden. Die Bulls drückten weiter, Butragueno, Ferrer und Bethune feuerten aus allen Lagen, doch Torwart Samuel Edwards, gerade einmal 20 Jahre alt, hielt, was zu halten war. "Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Hände habe", witzelte er nach dem Spiel.

Dann kam das Elfmeterschießen, das in North York noch lange Gesprächsstoff bieten wird. Haddock, der Vorbereiter des frühen 1:0, begann - und verschoss prompt. "Ich dachte, der Ball wäre drin, bis ich merkte, dass er im Oberrang landete", gab er zerknirscht zu. Die Bulls gingen durch den jungen Christian Lockwood in Führung, doch Ferron, der eingewechselte Stürmer, glich aus. Danach folgte ein Nervenkrimi: Tonel traf, Vandermark traf, Arrieta traf - während auf Seiten der Bulls sowohl Butragueno als auch Ferrer scheiterten.

Als der letzte Elfmeter verwandelt war, stürmten Fans über die Absperrungen, Bengalos leuchteten, und Trainer Kuss wurde kurzerhand unter einer Bierdusche begraben. "Ich hab’s kommen sehen", lachte er später, vollkommen durchnässt. "Aber wenn man seit 15 Jahren auf diesen Pokal wartet, riecht selbst Bier nach Rosenwasser."

Markus Merk zeigte sich als fairer Verlierer. "Wir haben ein großartiges Spiel gemacht, aber am Ende zählt, wer seine Nerven behält. Heute waren es sie", sagte der Coach der Bulls und schüttelte dabei Tonel die Hand.

Das Spiel hatte alles, was einen Pokalabend magisch macht: ein frühes Tor, heldenhafte Paraden, Drama in der Nachspielzeit und schließlich ein emotionales Elfmeterschießen. Und obwohl die Bulls statistisch überlegen waren, krönten sich die Stars dank Nervenstärke und einem überragenden Keeper Samuel Edwards zu verdienten Pokalsiegern.

Auf der Pressekonferenz sagte Kuss abschließend, halb ernst, halb schmunzelnd: "Ich hab den Jungs vor dem Elfmeterschießen gesagt: Wenn ihr trefft, gibt’s Montag frei. Vielleicht war das die eigentliche Taktik."

Man kann ihm kaum widersprechen. Die North York Stars haben den Pokal - und wohl auch den sympathischsten Trainer der Saison.

26.09.643993 01:55
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Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
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