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Es war ein Abend, an dem in North York die Luft nach Drama, Schweiß und ein bisschen nach Wunderkerzen roch. 40.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen ihre Stars im Achtelfinal-Rückspiel der Copa Libertadores mit 2:1 gegen Capibaribe Recife gewinnen - und das nach einem Start, der eher nach brasilianischer Samba als nach kanadischer Ordnung aussah. Trainer Roberto Carlos - ja, genau der Roberto Carlos, der so hart schießt, dass Torhüter Albträume kriegen - hatte seine North York Stars offensiv eingestellt. "Wir wollten Druck machen, von Anfang an", erklärte er später mit dem Grinsen eines Mannes, der weiß, dass seine Strategie gerade aufgegangen ist. Doch zunächst jubelten die Gäste. In der 20. Minute schickte Fabio Peyroteo eine butterweiche Flanke von rechts in den Strafraum, wo Gabriel Larsson mit der Eleganz eines Balletttänzers und der Wucht eines Presslufthammers zum 0:1 einköpfte. Torwart Sebastien Frey streckte sich vergeblich - die Capibaribe-Bank tanzte, Trainer Opa Jokel ballte die Fäuste. "Da dachte ich, das läuft heute", meinte Jokel später lakonisch. Es lief dann aber nicht. Nur neun Minuten später antworteten die Stars. Andrew Haddock, der linke Mittelfeldmotor mit der Frisur eines 80er-Jahre-Rockers, eroberte den Ball, zog zwei Gegenspieler auf sich und legte quer zu Matteo Villapiana. Der 31-Jährige nahm Maß und zimmerte den Ball flach ins Eck - 1:1. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Villapiana nachher, "und gehofft, dass Roberto mich nicht anbrüllt, falls ich das Stadiondach treffe." Das Spiel blieb offen, Recife hatte etwas mehr Ballbesitz (51,4 Prozent), die Stars aber den klareren Zug zum Tor. 11 Torschüsse zu 5 sprechen eine deutliche Sprache. Besonders aktiv: Luís Nunez, der zwischen der 15. und 20. Minute gleich dreimal abzog - allerdings ohne Ertrag. "Wenn man so oft schießt, muss irgendwann einer rein", murmelte er später in der Mixed Zone. Heute eben nicht. Kurz vor der Pause wurde es ruppiger. Rafael Baro sah für ein rustikales Einsteigen Gelb, und Trainer Roberto Carlos schüttelte nur den Kopf. "Das war kein Foul, das war kanadisches Fairplay", witzelte er danach, wohlwissend, dass der Schiedsrichter das anders sah. Die zweite Hälfte begann so, wie sie enden sollte - mit einem Torjubel der Hausherren. In der 48. Minute setzte sich Rodion Arschawin auf rechts durch, flankte präzise, und Jannik Singer köpfte den Ball wuchtig unter die Latte. 2:1 für North York - das Stadion bebte. Singer, sonst eher der leise Arbeiter im Mittelfeld, rannte jubelnd zur Trainerbank und rief: "Ich hab’s euch gesagt!" Später erklärte er: "Keine Ahnung, was ich da gesagt habe. Ich hatte kurz Blackout vor Freude." Recife versuchte, sich zurück ins Spiel zu kämpfen, blieb aber harmlos. Gabriel Larsson prüfte Frey noch einmal in der 81. Minute, Paulo de Almeida setzte kurz vor Schluss einen Schuss knapp über die Latte - das war’s. "Wir waren zu brav", seufzte Jokel. "North York war giftiger, galliger - einfach besser." Die Stars spielten die letzten Minuten clever herunter. Kein wildes Pressing, keine Hektik - einfach nordamerikanische Coolness. Der Ball lief, der Gegner lief hinterher. Als der Schlusspfiff ertönte, rissen die Fans ihre Schals in die Höhe, und Roberto Carlos klatschte jeden seiner Spieler ab, als hätten sie gerade den Titel geholt. "Wir sind noch lange nicht durch", mahnte er im Interview, "aber heute haben wir gezeigt, dass wir Charakter haben." Man nahm es ihm ab - auch, weil seine Mannschaft an diesem Abend tatsächlich wie ein Team mit Charakter spielte: bissig, zielstrebig und mit einem Schuss Wahnsinn. Capibaribe Recife dagegen wirkte am Ende müde, fast resigniert. "Vielleicht war es die Kälte, vielleicht die Hotdogs", meinte Gabriel Larsson augenzwinkernd. "Aber eins ist sicher: Die Stars haben uns heute überstrahlt." Ein Abend, der in North York noch lange besungen werden dürfte - vielleicht nicht mit brasilianischer Leichtigkeit, aber mit umso mehr Herz. Und während draußen die Fans noch feierten, sagte ein älterer Herr im Stadionkiosk trocken: "Wenn Roberto Carlos so weitermacht, muss man bald Eintritt zahlen, nur um ihn an der Seitenlinie zu sehen." Kanadischer Pragmatismus trifft südamerikanische Leidenschaft - am Ende siegt, wie so oft, der, der mehr will. Und an diesem Abend wollten die North York Stars alles. 23.10.643987 16:44 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat