Jamaica News Bulletin
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Nervenkrimi in Jamaikas 1. Liga: Bull Bay und Falmouth trennen sich 2:2

Wenn 68.947 Zuschauer in Kingston gleichzeitig aufstöhnen, dann ist das kein tropisches Unwetter - dann ist Fußballzeit. Am 25. Spieltag der 1. Liga Jamaikas lieferten sich Bull Bay und die Falmouth Villagers ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Emotionen, fragwürdige Entscheidungen und vier Tore, die auf beiden Seiten für Freudenschreie und Verzweiflung sorgten. Am Ende stand ein 2:2, das keiner so richtig einordnen konnte - zu wild war das, was zwischen Anpfiff und Abpfiff geschah.

Schon in der ersten Minute ließen die Villagers keinen Zweifel daran, dass sie mit voller Offensive angereist waren. "Wir wollten Bull Bay gleich den Wind aus den Segeln nehmen", erklärte Gästetrainer Hermann Tüllinghoff später. Seine Männer setzten sofort auf hohes Pressing und lange Bälle, und tatsächlich war das Heimteam zunächst beeindruckt von so viel Angriffslust. In der 22. Minute belohnten sich die Gäste: Mario Zaera, der unermüdliche Antreiber im Mittelfeld, zog aus gut 20 Metern ab - zack, 0:1. Der Ball klatschte an den Innenpfosten, Torwart Amaury Dieguez hechtete vergeblich, und Zaera grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber ich sag’s keinem."

Bull Bay schüttelte sich kurz, Trainer Sports Mann gestikulierte wild an der Seitenlinie, als wolle er seine Spieler persönlich über das Feld schieben. Und tatsächlich kam Bewegung ins Spiel. Nach ein paar verunglückten Angriffen über links war es in der 43. Minute Marcio Nani, der nach Vorlage des aufgerückten Innenverteidigers Julian Kaufmann zum 1:1 traf. "Ich hab Julian nur zugerufen: ’Mach den Ball scharf!’ - und er hat geliefert", lachte Nani, als hätte er gerade einen Zaubertrick verraten.

Mit 1:1 ging es in die Pause - eine gerechte Zwischenbilanz in einem Duell, das an Intensität kaum zu überbieten war. Beide Teams hatten bis dahin je sechs Torschüsse abgegeben, der Ballbesitz war mit 50:50 fast mathematisch gerecht verteilt.

Nach der Pause ging es munter weiter. Bull Bay kam mit breiten Schultern zurück, spielte nun mit mehr Geduld, suchte seine Chancen über die Flügel. In der 70. Minute war es dann Otto Dahlstrom, der nach herrlichem Pass von Jakub Lukes den Ball trocken ins Netz setzte. 2:1 für Bull Bay - das Stadion tobte, die Fans tanzten auf den Rängen, und Trainer Mann rief seinem Assistenten zu: "So wollte ich das seit Wochen sehen!"

Doch wer dachte, das Spiel sei entschieden, hatte die Rechnung ohne Finlay Hannigan gemacht. Der 33-jährige Routinier der Villagers, sonst eher der ruhige Typ, lauerte in der 74. Minute genau dort, wo man als Stürmer stehen muss. Nach Vorlage von Zaera bugsierte er den Ball mit der Pike ins Tor - 2:2. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball zu mir durchrutscht. Und dann war er da", grinste Hannigan später, als wäre das alles selbstverständlich gewesen.

Die Schlussphase war ein offener Schlagabtausch. Beide Teams suchten den Sieg, beide Keeper - Dieguez auf der einen, Ferrer (später ersetzt durch den 18-jährigen Laurent Bouchard) auf der anderen - hielten, was zu halten war. In der 85. Minute sah Falmouths Connor Fairchild Gelb, nachdem er etwas zu leidenschaftlich in einen Zweikampf gegangen war. "Er hat nur meine Frisur getroffen", witzelte Bull Bays Juanito Mendez danach.

In der Nachspielzeit hatte Jakub Lukes noch die große Chance zum 3:2, doch sein Schuss aus 20 Metern segelte knapp über die Latte. "Ich dachte, der Ball sei drin. Und dann war er’s nicht. Typisch", murmelte Lukes kopfschüttelnd.

Am Ende blieb es beim 2:2 - statistisch ein Patt, emotional ein Feuerwerk. Beide Teams hatten je zwölf Torschüsse, der Ballbesitz lag bei 49,8 zu 50,2 Prozent, und trotzdem fühlte sich keiner so richtig als Gewinner. "Das war kein Punktverlust, das war ein Charaktertest", fasste Falmouth-Coach Tüllinghoff zusammen. Sein Gegenüber Sports Mann sah’s ähnlich, aber mit einer Spur Ironie: "Wenn wir noch ein drittes Tor machen, gewinnen wir vielleicht. Aber man soll ja nicht zu gierig werden."

Das Publikum verabschiedete beide Mannschaften mit Applaus, und irgendwo unter den Fans soll einer gesagt haben: "Wenn jedes Unentschieden so aussieht, will ich nie wieder ein 5:0 sehen."

Ein gerechtes Remis also, das niemanden wirklich glücklich machte - aber alle bestens unterhielt. Und das ist im Fußball manchmal mehr wert als drei Punkte.

25.06.643993 14:00
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Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer
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