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Musgrave schockt die Bulls - Quebec zieht ins Pokalfinale ein

59000 Zuschauer im Okanagan-Stadion hatten sich auf einen heißen Pokalabend eingestellt - und sie bekamen einen, wenn auch anders, als die meisten gehofft hatten. Die Okanagan Bulls dominierten phasenweise, kombinierten gefällig und hielten den Ball, als wäre er in ihrem Eigentum eingetragen. Doch am Ende jubelten die Quebec Blues - dank eines linken Verteidigers, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich gar nicht zum Toreschießen da ist.

Die erste Halbzeit war ein Lehrstück in Geduld - oder in Schlaflosigkeit, je nachdem, auf welcher Tribünenseite man saß. Die Bulls hatten mehr vom Spiel, 54 Prozent Ballbesitz, schossen aus allen Lagen, aber selten mit echter Gefahr. Philippos Alexiou zog in der 18. Minute aus der zweiten Reihe ab, der Ball rauschte knapp über die Latte. "Ich dachte schon, der Wind trägt ihn rein", grinste er später selbstironisch. Antonio Arrondo versuchte es drei Minuten später - wieder drüber.

Die Quebec Blues dagegen wirkten, als hätten sie sich vorgenommen, das Spiel gemütlich anzugehen. Defensiv, diszipliniert, mit gelegentlichen Nadelstichen. Tom Brees prüfte Bulls-Keeper Marcio Futre früh (8.), Kobe Piersens scheiterte kurz vor der Pause gleich doppelt (40. und 44.). Trainer Lutz Lindemann schien zufrieden: "Wir wussten, dass die Bulls Druck machen würden. Wir haben einfach gewartet, bis sie müde werden."

Nach dem Seitenwechsel setzte sich das Bild fort: Okanagan rannte, Quebec stand. Francisco Butragueno hatte zwischen Minute 58 und 77 gefühlt ein Dauerabo auf Abschlüsse - vier Torschüsse in 20 Minuten, aber kein Treffer. Die Zuschauer begannen sich an den Kopf zu fassen, besonders, als Vincent Travassos in der 81. Minute den Ball aus fünf Metern am Tor vorbei schob. "Ich hab den Pfosten noch zittern sehen", meinte er später kleinlaut.

Dann kam die 84. Minute, die das Stadion verstummen ließ. Die Blues bekamen einen Freistoß an der linken Seite, Fabio Makukula flankte halbhoch in den Strafraum, und ausgerechnet Paul Musgrave, der linke Verteidiger, stieg am höchsten und köpfte den Ball ins rechte Eck - 0:1! Der Jubel im Gästeblock war ohrenbetäubend, die Bulls-Verteidigung erstarrte. "Ich weiß gar nicht, warum ich da vorne war", lachte Musgrave nach dem Spiel. "Vielleicht, weil ich dachte, jemand muss’s ja machen."

Trainer Markus Merk der Bulls wirkte nach dem Abpfiff wie jemand, der gerade eine verlorene Wette einlösen muss. "Wir haben alles probiert - kurz, lang, hoch, flach. Nur ins Tor wollten wir den Ball nicht bringen", seufzte er. Seine Mannschaft hatte am Ende 14 Torschüsse - einen weniger als die Blues. Eine gelbe Karte für Adriano Quevedo (47.) und später auch für Alexiou (66.) zeigten immerhin, dass man sich kämpferisch nicht hängen ließ.

Die Quebec Blues mussten derweil selbst einen Schreckmoment verkraften: In der 77. Minute verletzte sich Linksverteidiger Matthijs Coster bei einem Zweikampf unglücklich am Knöchel. Ersatzmann Sergio Espinosa kam rein - und sah von der Bank, wie Musgrave nur wenige Minuten später das entscheidende Tor erzielte. Lindemann kommentierte trocken: "Vielleicht war das unser Glückswechsel. Ich sollte öfter Linksverteidiger tauschen."

Die letzten Minuten waren ein einziger Sturmlauf der Bulls. Futre rannte mit nach vorne, Alexiou dirigierte wie ein Kapitän auf einem sinkenden Schiff, und Travassos versuchte es sogar mit einem Fallrückzieher. Aber der Ball wollte einfach nicht rein. Quebecs Torwart Jerome Leachman parierte, was zu parieren war, und ließ sich nach dem Schlusspfiff in die Arme seiner Mitspieler fallen.

"Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", sagte Lindemann später. "Wir haben gearbeitet, nicht gezaubert." Sein Gegenüber Merk fasste es mit feinem Sarkasmus zusammen: "Manchmal gewinnt der, der weniger Ball hat - und mehr Glück."

Die Statistik gab ihm recht: 54 Prozent Ballbesitz, aber 0 Tore. Quebec dagegen mit 46 Prozent und einem ganz großen Moment.

Als die Flutlichtmasten langsam erloschen, blieb den Bulls nur der Applaus des Publikums - und das Bewusstsein, an einem jener Abende verloren zu haben, an denen Fußball seine Ironie auslebt.

"Wir hätten noch drei Stunden spielen können", murmelte Butragueno beim Verlassen des Rasens. "Aber wahrscheinlich hätten wir dann das Flutlicht getroffen - und nicht das Tor."

Ein bitteres Halbfinale für die Bulls. Für die Blues dagegen das Ticket ins Pokalfinale - und eine Geschichte, die Paul Musgrave wohl noch seinen Enkeln erzählen wird.

20.12.643987 15:10
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