Heraldo de Mexico
+++ Sportzeitung für Mexico +++

Monarcas Colima trotzt dem Sturm: 1:0-Sieg gegen UD Atlante

Ein einziges Tor, 37.847 Zuschauer, und ein Abend, der eher nach Nervenkitzel als nach Schönheitspreis roch - Monarcas Colima hat am vierten Spieltag der 1. Liga Mexico UD Atlante mit 1:0 besiegt. Ein Spiel, das zeigte, dass Ballbesitz keine Tore garantiert und Effektivität manchmal einfach schöner ist als jede Statistik.

Das Tor des Tages fiel früh: In der 9. Minute stand Sergio Barbosa dort, wo ein Stürmer stehen muss - mitten im Chaos. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Jens Markussen, der vermutlich gar nicht so weit schießen wollte, landete die Kugel über Umwege bei Barbosa. Der 33-Jährige nahm sie volley, halb mit Absicht, halb aus Verzweiflung - und plötzlich zappelte das Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Barbosa später, "aber dann dachte ich: Ach, schieß halt." Ein Motto, das man sich in Colima offenbar auf die Fahnen schreiben könnte.

Danach war’s mit der Herrlichkeit vorbei. Atlante, trainiert vom wortgewaltigen Till Lindemann, übernahm das Kommando. 55 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse, aber null Ertrag - das Drehbuch eines tragikomischen Abends. Rhys Fryer prüfte Colimas Keeper Raul Villar schon in der ersten Minute, Rui Teixeira verfehlte kurz darauf um Zentimeter. Doch Villar, 22 Jahre jung und so gelassen wie ein alter Bücherwurm, hielt alles, was auf ihn zuflog. "Ich hatte das Gefühl, sie könnten noch drei Stunden schießen - der Ball wollte einfach nicht rein", sagte der Torhüter hinterher mit einem verschmitzten Lächeln.

Lindemann, der an der Seitenlinie mehr schwitzte als seine Spieler, gestikulierte wild, murmelte ins Headset und warf zwischendurch einen Blick gen Himmel - vielleicht auf der Suche nach göttlicher Unterstützung. "Wir haben alles versucht, außer das Tor verschoben", knurrte er nach Abpfiff. "Und am Ende jubelt der, der einmal richtig trifft." Eine bittere, aber treffende Analyse.

Colima dagegen verteidigte mit allem, was Beine hatte. Jens Markussen, der Vorlagengeber, wuchs über sich hinaus und grätschte sich mit nordischer Präzision in jedes Duell. Linksaußen Cristobal Galvao arbeitete mehr nach hinten als nach vorne, und selbst Barbosa fand sich in der 75. Minute am eigenen Strafraum wieder - ein Bild, das man sonst nur aus Märchen kennt. Der Trainer der Monarcas - der sich nach dem Spiel lieber im Hintergrund hielt - soll laut Teamumfeld in der Kabine süffisant gesagt haben: "Wir haben heute das gemacht, was nötig war. Und das war: gar nichts mehr riskieren."

Atlante rannte weiter an, besonders Helmut Fritz, der in der zweiten Halbzeit gleich viermal zum Abschluss kam (56., 67., 73., 94. Minute). Seine Abschlüsse waren aber so unglücklich wie ein Regenschirm im Sturm: immer irgendwie da, aber nie wirklich hilfreich. Rui Teixeira versuchte es in der Nachspielzeit noch zweimal, beim letzten Versuch in der 95. Minute rief ein Fan aus der Kurve: "Rui, nimm doch mal die Brille ab!" Ein Satz, der das Spielgefühl Atalantes an diesem Abend perfekt zusammenfasste.

Die Statistik sprach klar für die Gäste - 15:6 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, bessere Zweikampfquote. Doch auf der Anzeigetafel stand nur dieses schlichte, unerbittliche 1:0. "Das ist Fußball", meinte Vicente Morais, Colimas Mittelfeldmotor, nach dem Spiel. "Du kannst schön spielen, schnell spielen oder viel spielen - aber nur das Tor zählt. Und das hatten wir." Ein Satz, der irgendwo zwischen Weisheit und Schadenfreude pendelte.

Als der Schlusspfiff ertönte, fiel der Jubel in Colima entsprechend ekstatisch aus. Barbosa wurde von den Fans gefeiert, Villar bekam eine Bierdusche, und Lindemann stapfte grimmig Richtung Kabine. Ein Reporter fragte noch, ob ihm das Spiel gefallen habe. Seine Antwort: "Es war… interessant." Mehr Sarkasmus passte in drei Silben wohl kaum.

Am Ende bleibt ein Spiel, das mehr Fragen als Antworten hinterließ - etwa, wie Atlante so viel Aufwand für so wenig Ertrag treiben konnte, und wie Colima mit so wenig Aufwand so viel Wirkung erzielte. Aber Fußball wäre kein Fußball, wenn Logik eine Rolle spielen würde.

Und so leuchtet über Colima ein 1:0, das man getrost als "Arbeiterergebnis" bezeichnen darf - vielleicht nicht poetisch, aber verdammt effektiv. Und irgendwo, ganz leise, hört man Barbosa kichern: "Ich dachte, der Ball sei schon draußen…"

06.01.643994 15:58
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager