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Es war der Auftakt, den sich die 27.540 Zuschauer im vollbesetzten Strandvallen-Stadion gewünscht hatten - zumindest, wenn man kein Fan gepflegter Defensivarbeit ist. Mjällby BK und Ersboda BK trennten sich am ersten Spieltag der 1. Liga Schweden mit einem schillernden 2:2, das alles bot: jugendliche Unbekümmertheit, defensive Slapstickmomente und zwei Teams, die offenbar dachten, das Mittelfeld sei nur eine Durchgangsstation. Mjällby-Trainer Lasse Fredericson hatte vor dem Anpfiff noch betont, man wolle "ruhig, kontrolliert und geduldig" beginnen. Nach 14 Minuten war davon nichts mehr zu sehen. Der 19-jährige Halvard Lindström, der aussieht, als hätte er gerade erst den Schulabschluss gefeiert, schob nach einem feinen Zuspiel des Routiniers Iban Martins eiskalt zum 1:0 ein. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Lindström später. "Wenn man so jung ist, denkt man nicht viel nach - und das war wohl ganz gut so." Ersboda brauchte eine Weile, um den Rückstand zu verdauen. Trainer Piel Juergen schrie an der Seitenlinie so laut, dass die Ersatzspieler instinktiv Deckung suchten. Doch kurz vor der Pause war sein Team da: In der 45. Minute bediente der flinke Jack Maxwell den bulligen Adam Hoskins, der aus kurzer Distanz zum 1:1 einschob. "Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir nicht zum Zuschauen gekommen sind", erklärte Hoskins mit breitem Grinsen. Fredericson dagegen murmelte beim Gang in die Kabine: "Das war unnötig wie ein Knoten im Schnürsenkel." Die zweite Halbzeit begann so, wie die erste aufgehört hatte - mit Offensivdrang auf beiden Seiten. Mjällby hatte mehr Ballbesitz (fast 60 Prozent) und schob das Spiel nach vorne, als hätte man eine innere Uhr, die nur auf Angriff programmiert war. 14 Torschüsse am Ende sprechen Bände. Der Lohn kam in Minute 61, als Innenverteidiger Liam Lindström, offenbar inspiriert vom Tor seines jüngeren Bruders, nach einer Ecke von Domingo Gutierre artistisch zum 2:1 einköpfte. "Ich wollte dem Kleinen zeigen, dass ich’s auch noch kann", sagte Liam lachend. Bruder Halvard konterte trocken: "Er hat’s immerhin beim zweiten Versuch getroffen." Doch während Mjällby noch jubelte, lauerte Ersboda auf den nächsten Konter. Und der kam - in der 68. Minute. Urban Karlson, gerade erst für den verletzten Kevin Engel eingewechselt, zog von rechts in den Strafraum und schlenzte den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins lange Eck. 2:2. "Ich war noch gar nicht richtig warm", sagte Karlson später, "aber der Ball lag so schön da - da sagt man nicht nein." Juergen brüllte vor Freude, Fredericson schüttelte nur den Kopf. "Der Fußballgott hat heute wohl beide Teams gemocht", knurrte er. Danach entwickelte sich ein Schlagabtausch, bei dem Mjällby dominierte, aber Ersboda die gefährlicheren Konter setzte. Halvard Lindström hatte noch zwei große Chancen in der Nachspielzeit (92. und 95.), scheiterte aber jeweils am glänzend reagierenden Torhüter Jesper Karlson. "Er hat einfach die längeren Arme", witzelte Lindström, während Torwart Karlson trocken konterte: "Oder er die kürzeren Beine." Statistisch gesehen hätte Mjällby den Sieg verdient gehabt - mehr Schüsse, mehr Ballbesitz, leicht bessere Zweikampfquote (51,6 Prozent). Doch Ersboda hielt mit Leidenschaft und einem Schuss Chaos dagegen. "Wir spielen offensiv, egal was passiert", erklärte Juergen mit einem Schulterzucken. "Manchmal klappt’s, manchmal eben nicht - heute beides." Im Stadion feierten die Fans beider Lager das Remis, als wäre der Titel schon vergeben. Vielleicht, weil man spürte, dass hier zwei Teams auf Augenhöhe agierten - das eine taktisch diszipliniert, das andere wild entschlossen. Mjällby blieb seiner ausgeglichenen Linie treu, Ersboda spielte mit offenem Visier und starkem Pressing, sobald sie in Rückstand gerieten. Ein gerechtes Ergebnis also, auch wenn beide Trainer wohl in der Nacht noch von verpassten Chancen träumten. "Wir hätten den Sack zumachen müssen", fluchte Fredericson. "Aber dann wäre der Fußball ja langweilig." Juergen nickte zufrieden: "Ein Punkt zum Start ist besser als ein verlorener Schuh." So bleibt am Ende ein Spiel, das Lust auf mehr macht - und eine Lindström-Familie, die ab jetzt wohl beim Abendessen über Taktik diskutiert. Wenn alle Partien der neuen Saison so laufen, darf man sich in Schweden auf einen langen, unterhaltsamen Fußballfrühling freuen. 11.11.643993 12:43 |
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Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
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