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Wenn 31.734 Zuschauer an einem frostigen Januarabend in Schweden auf die Tribünen strömen, dann wollen sie eines sehen: warmen Offensivfußball. Und genau den servierte Mjällby BK beim 5:1 (2:1) gegen den FC Nauco - heiß, würzig und mit einer Prise Spott für die Gäste, die sich spätestens nach der Pause wie ein Schneemann in der Sonne auflösten. Trainer Lasse Fredericson grinste nach Abpfiff so breit, dass man meinte, er habe gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich habe den Jungs gesagt, spielt einfach Fußball. Den Rest erledigt Necati", lachte er und meinte damit seinen 33-jährigen Linksaußen Necati Adin, der gleich dreimal traf (39., 65., 74.) und sich damit den Spielball sicherte - und wohl auch ein Feierabendbier extra. Doch der Reihe nach: Schon nach 13 Minuten zappelte der Ball erstmals im Netz. Rui Gutierre, der flinke Rechtsaußen, vollendete nach feinem Zuspiel von Patrik Lindström zum 1:0. Das Publikum tobte, und selbst der Stadionsprecher klang überrascht, dass es so früh losging. "Ich dachte, das wäre noch die Aufwärmphase", witzelte ein Fan auf der Haupttribüne. Mjällby drückte weiter, schoss aus allen Lagen (23 Torschüsse insgesamt!) und dominierte mit 55 Prozent Ballbesitz. Doch FC Nauco hielt zunächst wacker dagegen - zumindest bis zur 39. Minute. Da spielte Iban Martins einen butterweichen Pass auf Adin, der aus halblinker Position trocken vollendete. 2:0, und Fredericson klatschte zufrieden in die Hände. Kurz vor der Pause durfte auch der Gast einmal jubeln - oder zumindest höflich lächeln: Rechtsverteidiger Anders Norman traf nach Vorlage von Björn Dahlin zum 2:1 (43.). Trainer Mr. Hawk, stets mit Sonnenbrille, obwohl es Nacht war, kommentierte später trocken: "Ein Tor ist ein Tor. Aber man braucht mehr davon." Nach der Pause brach Mjällby endgültig aus dem Gleichgewicht der ersten Hälfte aus - allerdings im besten Sinne. Patrik Lindström, der Motor im Mittelfeld, traf in der 52. Minute selbst zum 3:1, nachdem er zuvor als Vorlagengeber geglänzt hatte. "Ich wollte eigentlich passen, aber dann dachte ich: Warum nicht mal selbst?", sagte Lindström nach dem Spiel und grinste verschmitzt. Danach begann die Adin-Show, Teil zwei und drei. In der 65. Minute schob er nach feinem Zuspiel des unermüdlichen Herbert Dahlin zum 4:1 ein, und neun Minuten später war das Déjà-vu perfekt: Wieder Dahlin, wieder Adin, wieder Tor. 5:1. Der Routinier hob entschuldigend die Hände, als wolle er sagen: "Tut mir leid, aber irgendwer muss es ja machen." Während Mjällby weiter kombinierte, als gäbe es Punkte für Ästhetik, probierte Nauco verzweifelt, das Loch im Mittelfeld zu stopfen. Mr. Hawk brachte in der 65. Minute gleich drei junge Spieler - Leif Henriksson (18), Harald Lundqvist (19) und Vilhelm Eriksson (17) - und erklärte später: "Manchmal muss man den Sturm mit Wind bekämpfen. Leider war es heute eher Orkan." Der Rest war Schaulaufen. Die Hausherren wechselten spät, gaben dem 17-jährigen Alfred Bengtsson noch ein paar Minuten (86.) und ein paar Ballkontakte. Torwart Arjen Blood blieb weitgehend beschäftigungslos - fünf Schüsse musste er abwehren, die meiste Zeit stand er wie ein Denkmal im Schnee. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 23:5 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe. "Wenn du so viel den Ball hast, kannst du auch mal kreativ werden", meinte Fredericson süffisant. "Und Adin ist heute wohl in die Kunstakademie aufgenommen worden." Mr. Hawk hingegen verschwand nach Schlusspfiff wortlos im Kabinengang - Gerüchten zufolge, um seine Sonnenbrille zu polieren. Im Stadion dagegen wurde gefeiert, als sei der Klassenerhalt geschafft. Fans sangen, Kinder hielten Schilder hoch ("Necati for President!"), und selbst der Platzwart tanzte ein bisschen mit. Zum Schluss lachte Adin in die Mikrofone: "Drei Tore sind schön, aber ehrlich: Die Flanken von Herbert waren so gut, ich konnte gar nicht anders." Vielleicht war das ganze Spiel genau so: Mjällby konnte gar nicht anders, als zu gewinnen. Und FC Nauco? Nun ja, die haben immerhin ein Tor geschossen. Das ist ja auch schon was - wenn man Optimist ist. 27.08.643987 01:19 |
Sprücheklopfer
Es ist wichtig, dass man neunzig Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt.
Lothar Matthäus