El Colombiano
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Milionaros verschenken Sieg in der Nachspielzeit - 2:2 gegen Bucaramanga

Ein lauer Freitagabend in Bogotá, 55.017 Zuschauer im Estadio El Campín, und ein Spiel, das mal wieder alles bot: Spektakel, Drama - und am Ende ein kollektives Kopfschütteln bei den Fans von Les Milionaros. 2:2 hieß es nach 96 turbulenten Minuten gegen UD Bucaramanga, und wer frühzeitig Richtung Parkplatz ging, hat gleich zwei emotionale Wendungen verpasst.

Dabei schien alles nach Plan zu laufen. Die Hausherren, unter Trainer Rodrigo Rodriguez gewohnt offensiv eingestellt, bestimmten die erste Halbzeit mit knapp 49 Prozent Ballbesitz - also so ziemlich ausgeglichen, aber eben die gefährlicheren Szenen. Linksaußen Amaury Pacos prüfte den gegnerischen Keeper gleich mehrfach, doch erst in der 44. Minute platzte der Knoten: Rechtsverteidiger Knut Hjorth (!) rauschte in den Strafraum, legte seinen norwegischen Nachnamen ab und schoss plötzlich wie ein Brasilianer. Nach feiner Vorarbeit von Carsten Schmidt zimmerte er den Ball aus spitzem Winkel in die Maschen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Hjorth nach dem Spiel, "aber dann dachte ich: Ach komm, gucken wir mal, was passiert."

Im zweiten Durchgang drehte sich das Momentum. Papa Ancelotti, ja genau, der Papa Ancelotti (angeblich nicht verwandt, aber ähnlich charmant), hatte seine Bucaramanga-Elf in der Pause offenbar auf Krawall gebürstet. Und siehe da, in der 66. Minute traf Fabio Antonio nach perfektem Zuspiel von Attila Radoki zum 1:1. "Wir haben gesagt: Wenn wir schon da sind, können wir auch Fußball spielen", witzelte der italienisch anmutende Angreifer später mit einem Augenzwinkern.

Doch Milionaros gab nicht auf. Rodriguez brachte in der 75. Minute Antonio Morais für den müde wirkenden Switow, und der Routinier sollte noch eine tragende Rolle spielen - im wahrsten Sinne. Erst kassierte er in der 79. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen ("Ich hab nur den Ball getroffen, der Ball war halt im Bein", rechtfertigte er sich), dann bereitete er in der 90. Minute mit einem butterweichen Pass das 2:1 vor. Ignacio Santos vollendete abgeklärt aus 16 Metern, das Stadion tobte, Rodriguez rannte wie ein Derwisch an der Seitenlinie entlang und schrie: "Das ist Fußball, señores!"

Wäre da nicht diese verflixt lange Nachspielzeit gewesen. Sechs Minuten ließ der Schiedsrichter drauflegen - zu viel, wenn man die Gesichter der Fans sah. In der 96. Minute schlug Bucaramanga noch einmal wild nach vorn, Benyamin Fournier verlängerte einen langen Ball, und Joker Antonio Hermenegildo, gerade erst eingewechselt, drückte das Leder zum 2:2 über die Linie. Die Gäste jubelten, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen.

"Das fühlt sich an wie ein Sieg", meinte Ancelotti senior verschmitzt. "Wir waren tot, aber anscheinend haben wir neun Leben." Rodriguez dagegen sprach von "einem Stich ins Herz" und murmelte, man könne eben nicht alles verteidigen, "wenn die Uhr schon in der Kantine steht".

Statistisch gesehen war das Remis durchaus gerecht. 13 zu 10 Torschüsse für Bucaramanga, ein hauchdünner Vorteil im Ballbesitz (50,8 zu 49,2 Prozent) - und beide Teams mit einer Tacklingquote, die eher an einen Tanzabend erinnerte als an eine Defensivschlacht. "Wir wollten fair bleiben", sagte Milionaros-Kapitän Moutinho trocken, "aber offenbar hat das Schicksal kein Fairplay betrieben."

In Erinnerung bleibt ein Abend voller Emotionen, Gelb-Rot für den ungestümen Bucaramanga-Youngster Joaquin Estevo kurz vor Schluss, ein paar hitzige Wortgefechte an der Linie ("Ich hab nur diskutiert, weil er falsch lag", erklärte Rodriguez mit einem Schulterzucken) - und zwei Teams, die sich nichts schenkten, aber alles gaben.

Am Ende gingen beide Trainer mit gemischten Gefühlen in die Kabine. Papa Ancelotti mit einem zufriedenen "Va bene, ragazzi", Rodrigo Rodriguez mit einem Kopfschütteln und der Erkenntnis, dass Fußball manchmal eben der unberechenbarste aller Götter ist.

Und die Fans? Sie gingen heim mit dem Gefühl, etwas Besonderes gesehen zu haben - ein Spiel, das in den letzten Sekunden noch einmal explodierte. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Verlassen des Stadions seufzte: "Ich wollte eigentlich früh schlafen gehen. Jetzt brauch ich erstmal einen Schnaps."

Ein 2:2, das sich anfühlt wie ein Thriller - mit offenem Ende und der Gewissheit, dass in Kolumbien selbst Nachspielzeiten länger dauern als der Geduldsfaden eines Torwarts.

20.12.643987 21:21
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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