Anpfiff
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Marchals goldener Moment - Essens Teenager schockt Hannover

Ein kühler Januarabend an der Hafenstraße, Flutlicht, 25.523 Zuschauer und ein Teenager, der Geschichte schreibt: RW Essen schlägt Hannover mit 1:0 und feiert den ersten Heimsieg des Jahres. Dass ausgerechnet der 17-jährige Jannis Marchal den Unterschied machte, passte perfekt zu einem Spiel, in dem Mut und jugendliche Unbekümmertheit den Ausschlag gaben.

Von Beginn an war klar: Hannover wollte kontern, Essen wollte arbeiten. Gäste-Trainer Otze Machet hatte seine Elf defensiv eingestellt - "Wir wollten erstmal hinten stabil stehen", sagte er hinterher mit leicht gequältem Lächeln - und das taten sie, zumindest bis zur 33. Minute. Bis dahin war es ein Spiel der halben Chancen und der vollen Zweikämpfe. Alberto Russo prüfte Essens Keeper Tiago Tonel früh (4.), Oliver Bloomfield scheiterte gleich mehrfach (9., 15., 22.) - und jedes Mal war Tonel zur Stelle oder der Ball flog in eine Dimension, in der er vermutlich noch jetzt gesucht wird.

Essen antwortete mit jugendlichem Elan: Der quirlige Corentin Dedobbelaer (19) zog zweimal gefährlich ab (25., 27.), Horst Conrad verpasste knapp (23.). Dann, als sich die Partie gerade in Richtung Pausentee plätscherte, kam der große Moment des Abends. Conrad setzte sich über rechts durch, passte scharf in die Mitte, und Marchal - 17, kaum Bartwuchs, aber schon Torriecher - hielt den Fuß hin. 1:0 in der 33. Minute, Stadion explodiert.

"Ich hab einfach gehofft, dass Horst den Ball reinbringt", grinste Marchal nach dem Spiel, "und dann war er plötzlich da. Ich hab gar nicht viel nachgedacht." Stirling Mos, Essens Trainer, musste lachen: "Das merkt man bei ihm. Denken ist seine zweitliebste Disziplin - nach Tore schießen."

Der Jubel wurde kurz getrübt, als Verteidiger Miguel Oliveira sich im selben Moment verletzte und raus musste. "Ich hab’s im Knie gespürt, aber wenigstens haben wir direkt danach geführt", sagte der Portugiese tapfer mit Eisbeutel auf dem Schoß. Ersatzmann Cristobal Puerta machte seine Sache solide - so solide, wie man das in einem Spiel nennen kann, das mehr von Kampf als von Kombinationskunst lebte.

Nach der Pause erhöhte Hannover den Druck. Mehr Ballbesitz (am Ende 53 Prozent) und eine Portion Verzweiflung führten dazu, dass die Gäste nun tatsächlich nach vorne spielten. Artur Larsson versuchte es aus der Distanz (49.), Leonardo Pietro schoss kurz darauf aus spitzem Winkel (70.), aber Tiago Tonel hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend unüberwindbar zu sein. "Ich hab einfach alles gehalten, was auf mich zukam", sagte er trocken. "Und was daneben ging, war eh kein Problem."

Essen blieb gefährlich über Konter. Marchal hätte in der 61. und 66. Minute sogar erhöhen können, aber diesmal fehlte die Präzision. Dafür sorgte Hannover für Farbe im Spiel: Pietro und Larsson sahen Gelb (59., 76.), weil sie mehr Ball als Gegner wollten - und das in umgekehrter Reihenfolge.

In der Schlussphase rannte Hannover an, jetzt mit vollem Einsatz, Pressing, Gebrüll, allem, was der Trainerkasten hergab. Coach Machet gestikulierte an der Linie, als wolle er persönlich den Ball ins Tor tragen. "Wir haben alles versucht, sogar Fußball gespielt", meinte er nachher sarkastisch. "Aber Essen hat’s clever gemacht."

RW Essen verteidigte leidenschaftlich, blockte Schüsse, klärte kompromisslos. Kapitän Carlos Beto, überall zu finden, fasste es so zusammen: "Manchmal muss man einfach dreckig gewinnen. Heute war so ein Tag." Und als in der 91. Minute sein letzter Schuss noch einmal knapp drüberging, winkte er nur lachend ab: "Ich wollte die Latte testen."

Am Ende blieb es beim 1:0 - ein verdienter Sieg für eine Mannschaft, die mit Herz und harter Arbeit überzeugte. 13 Torschüsse und 51 Prozent gewonnene Zweikämpfe sprechen für sich.

Trainer Mos lobte nach Abpfiff sein junges Team: "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind schöner als jedes Gemälde." Und der junge Held des Abends, Jannis Marchal, verschwand mit einem breiten Grinsen in den Katakomben. Man hörte ihn noch sagen: "Ich glaub, ich krieg morgen schulfrei."

Ein Satz, der in Essen wohl niemandem missfallen dürfte. Denn wenn ein 17-Jähriger den Unterschied macht, darf auch ein ganzer Verein mal einen Tag träumen.

22.02.643987 19:30
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Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
Günter Netzer
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