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Es war eine dieser Nächte, in denen Fußballromantiker und Zyniker gleichermaßen auf ihre Kosten kamen: Malmö IF besiegt Forward SK mit 2:1, und das in einem Spiel, das zunächst nach gepflegtem Durchschnitt aussah - ehe ein gewisser Greger Nelsen in der 95. Minute den Ball und das Publikum in Ekstase versetzte. 12.513 Zuschauer im Malmö-Stadion wurden Zeugen eines Drehbuchs, das manch Produzent in Hollywood wohl abgelehnt hätte: zu kitschig, zu spät, zu schwedisch. Doch der Reihe nach. Forward SK - unter der Leitung von Trainer Anders Holmström, der nach dem Spiel "von einer stabilen Auswärtsleistung" sprach, als hätte er die Uhr in der Kabine stehen lassen - startete besser. Schon in der 10. Minute traf Sigmund Bendtsen nach feinem Zuspiel von Ake Taube zum 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, der Ball wollte rein", grinste Bendtsen danach, während sein Trainer im Hintergrund mit der Stoppuhr fuchtelte. Das frühe Gegentor schüttelte Malmö allerdings erstaunlich schnell ab. Trainer Christoph Kleinschmidt, dessen Mantel nach 17 Minuten bereits so durchnässt war wie sein Notizblock, schrie seine Spieler nach vorn - und prompt fiel der Ausgleich: Harald Kraft, der rechte Mittelfeldmotor, traf nach sehenswerter Kombination über Ivar Abelson zum 1:1. "Ivar hat mir den Ball serviert wie im Training - nur dass er diesmal nicht vorher über den Zaun flog", witzelte Kraft später. Danach entwickelte sich ein offenes Spiel, in dem Forward SK zwar mehr Ballbesitz (54,5 Prozent) verzeichnete, Malmö dafür aber die gefährlicheren Szenen hatte. 12 Torschüsse der Hausherren standen am Ende nur 8 der Gäste gegenüber. Es war kein Leckerbissen, aber ein ehrliches Fußballspiel - mit gelben Karten als Würze: Sigfrid Larsson sah schon in der ersten Minute Gelb, offenbar noch vor dem ersten Ballkontakt. "Ich wollte gleich zeigen, dass ich wach bin", erklärte er trocken. In der zweiten Halbzeit drückte Malmö weiter. Kleinschmidt brachte in der 60. Minute den jungen Malkolm Pettersson für Felix Lundqvist sowie Cesar Pacos für Jakob Anderson - frische Beine, neuer Schwung. Doch zunächst blieb es beim bekannten Muster: viele Angriffe, wenig Ertrag. Ivar Abelson, der bereits Gelb gesehen hatte, drosch in der 88. Minute einen Ball in Richtung Tor, der mehr nach Baseball aussah als nach Fußball. "Ich wollte es spannend machen", grinste er später. Dann kam die Nachspielzeit - und mit ihr der Moment, in dem Geschichte geschrieben wird, zumindest in Malmö. In der 95. Minute flankte Abelson erneut, diesmal allerdings mit chirurgischer Präzision, und Greger Nelsen traf per Volleyschuss zum 2:1. Der Jubel? Eine Mischung aus Erleichterung und ungläubiger Freude. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war", gestand Nelsen. "Ich hab nur gehört, wie Paulo im Tor hinten anfing zu schreien." Forward SK wirkte in diesen letzten Minuten wie eingefroren. Statt eines finalen Angriffs hagelte es noch Gelb für Valter Norman (92.) - sinnbildlich für den Frust eines Teams, das sich lange in Sicherheit gewähnt hatte. Als Schiedsrichter Lennart Borge schließlich abpfiff, lag Kleinschmidt irgendwo zwischen dem Mittelkreis und einer spontanen Umarmung mit seinem Co-Trainer. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrlicher Sieg", bilanzierte der Trainer später. "Wir wollten offensiv bleiben, auch wenn der Puls manchmal anderer Meinung war." Seine Taktik - durchgehend offensiv ausgerichtet, mit ausgewogenem Passspiel und ohne Pressing - hatte sich am Ende ausgezahlt. Forward SK dagegen blieb seiner "balancierten" Spielweise treu - vielleicht ein bisschen zu treu. Mit mehr Mut wäre mehr drin gewesen, doch nach Bendtsens Verletzung in der 84. Minute und seiner Auswechslung für Nicolas Dewitte fehlte der letzte Biss. Ein Fan rief kurz vor Schluss von der Tribüne: "Greger, schreib uns was Schönes!" - und der Stürmer nahm den Auftrag wörtlich. So endete ein Spiel, das alles hatte: frühe Karten, späte Tore, ironische Zitate - und das Gefühl, dass Fußball manchmal eben doch Drehbuch kann. Am Ende stand auf der Anzeigetafel: Malmö IF 2, Forward SK 1. Und irgendwo in Malmö werden sie sich noch lange an diese 95. Minute erinnern - vielleicht nicht wegen der Schönheit des Spiels, aber wegen des Moments, in dem aus einem Punkt plötzlich drei wurden. 06.03.643987 12:00 |
Sprücheklopfer
Ihr könnt euch da ja mal hinstellen, und wenn dann Ribery mit 180 Stundenkilometern an einem vorbeigelaufen kommt, gibt's wenige, die den stoppen können.
Arne Friedrich