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An einem frostigen Januarabend ließ sich Malmö IF von der Kälte nicht beirren. Vor 12.837 Zuschauern im heimischen Stadion besiegte die Mannschaft von Trainer Christoph Kleinschmidt den offensiv ambitionierten Lungskile SK mit 3:1 (2:1) - und das trotz weniger Ballbesitz. Die Gastgeber hatten nur 44 Prozent der Kugel, aber dafür das, was man gemeinhin als "Effizienz" bezeichnet, oder, wie ein älterer Herr im Publikum murmelte: "Die schießen halt, wenn’s Sinn macht." Schon in der 18. Minute setzte Greger Nelsen das erste Ausrufezeichen. Nach feinem Zuspiel von Harald Kraft schob der flinke Linksaußen den Ball eiskalt ins lange Eck - und grinste dabei, als hätte er gerade ein besonders gelungenes Selfie geschossen. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt. Wenn ich zu viel nachdenke, geht’s meistens drüber", erklärte Nelsen später mit einem Schulterzucken. Doch Lungskile reagierte prompt. Der junge Innenverteidiger Anders Bloch, sonst eher für rustikale Klärungsaktionen bekannt, köpfte nach einer Ecke von Edvin Anderson zum 1:1 ein (29.). Für einen Moment sah es so aus, als würde der Gast das Spiel drehen - immerhin hatten sie fast 56 Prozent Ballbesitz und drängten Malmö tief in die eigene Hälfte. Dann kam die 45. Minute, und mit ihr die Szene des Abends: Harald Kraft, der schon das 1:0 vorbereitet hatte, zog aus gut 20 Metern ab, nachdem Nelsen ihm den Ball in den Lauf gelegt hatte. Der Ball rauschte mit einem hübschen Pfeifen ins rechte Eck. Torwart Blum hechtete - und verpasste. 2:1 Malmö, und das Stadion tobte. "Ich dachte erst, der Ball sei schon draußen", lachte Kraft später. "Aber er war halt drin. Auch schön." Nach der Pause stellte Kleinschmidt um, brachte in der 60. Minute drei frische Kräfte: Andres del Rio, Joao de Freitas und Cesar Pacos. Ein mutiger Dreifachwechsel - und er zahlte sich aus. In der 57. Minute (ja, noch vor den Wechseln) hatte Felix Lundqvist bereits das 3:1 erzielt, nach präzisem Pass aus dem Mittelfeld von Ivar Abelson. Danach verteidigte Malmö mit der Ruhe einer Mannschaft, die wusste: hier brennt nichts mehr an. Lungskile versuchte es weiter, kam auch auf 14 Torschüsse - genau so viele wie Malmö -, aber meist landete der Ball in den sicheren Händen von Paulo Conceicao oder knapp neben dem Gehäuse. Der auffällige Jean Piccard vergab zwei gute Chancen (82. und 84. Minute) und fasste sich danach an den Kopf. "Ich wollte zu genau schießen", erklärte er später. Sein Trainer, der namentlich nicht überliefert ist, soll nur trocken gesagt haben: "Zielen ist ja schön, aber treffen wär besser." Die Schlussphase wurde ruppiger: Anders Bloch sah Gelb (75.), kurz darauf auch Malmös junger Verteidiger Sigvard Brun (79.). Joaquin Velazquez holte sich in der Nachspielzeit ebenfalls den gelben Karton ab - vermutlich aus Frust, denn das Spiel war da längst entschieden. Statistisch gesehen war’s ein kurioses Spiel: Lungskile dominierte den Ball, Malmö dominierte das Ergebnis. Die Tackling-Quote war mit 50,07 zu 49,93 Prozent praktisch ausgeglichen - ein Beweis dafür, dass sich beide Teams nichts schenkten. Aber wo Lungskile sich in Schönspielerei verlor, blieb Malmö pragmatisch. "Wir waren heute nicht die Künstler, aber die Handwerker", meinte Trainer Kleinschmidt nach dem Spiel und zupfte zufrieden an seinem Schal. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. "Das war kein Fußball zum Verlieben - aber zum Jubeln", rief ein Anhänger, der offenbar beide Hände voller Hotdogs hatte. Und tatsächlich: Malmö IF spielte schnörkellos, zielstrebig und mit jener nordischen Gelassenheit, die man nur hat, wenn man weiß, dass drei Punkte mehr zählen als 55 Prozent Ballbesitz. Am Ende stand ein 3:1, das klarer wirkte, als es war. Lungskile war nicht chancenlos, aber Malmö hatte die besseren Momente - und nutzte sie. Vielleicht ist das die einfachste Formel des Erfolgs. Oder, wie Harald Kraft es formulierte: "Manchmal reicht’s, wenn man einfach öfter ins Tor trifft." Und damit war alles gesagt. 14.05.643987 21:50 |
Sprücheklopfer
Ich glaube nicht, daß wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre.
Uli Hoeneß