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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott kurz im Stau stand. RSO Mallorca startete am 29. Spieltag der 2. Liga Spanien gegen Bites Sevilla furios, führte früh, hatte mehr Ballbesitz (51 Prozent!) und am Ende doch nur lange Gesichter. 36 000 Zuschauer im sonnendurchweichten Estadio de Son Moix sahen ein 2:3, das sich für die Hausherren wie eine Ohrfeige mit Samthandschuhen anfühlte. Schon nach sechs Minuten bebten die Tribünen: Albert Gutierrez, der bullige Linksaußen mit dem Temperament eines Espresso doppio, versenkte den Ball nach feinem Zuspiel von Aitor Lomban im langen Eck. "Ich hab gar nicht überlegt - und das war wohl das Beste", grinste Gutierrez später, bevor er sich eine kalte Cola gönnte. Sevilla antwortete, wie es sich für Andalusier gehört - mit Stil, Geduld und einer Prise Wahnsinn. Dass Innenverteidiger Jorge Hermenegildo in der 29. Minute nach einer Ecke von Agustin Silva den Ausgleich erzielte, passte ins Bild: Wenn der Abwehrmann trifft, ist irgendetwas in der Matrix verrutscht. "Ich hab’s im Training geübt", behauptete Hermenegildo anschließend süffisant - sein Trainer Hamudi Salman rollte nur mit den Augen. Nach dem Seitenwechsel kam Mallorca wieder mit Feuer zurück. 47. Minute: Juanito Peretz, sonst eher der Mann für den letzten Pass, verwandelte eiskalt, nachdem Vincent Yaguez den Ball quergelegt hatte. 2:1 - das Stadion vibrierte, und der Stadionsprecher überschlug sich fast. Doch dann, ja dann, kam Bites Sevilla wie eine Flamenco-Truppe mit Wut im Bauch. Zuerst traf Guillermo Postiga in der 77. Minute - wieder nach Vorlage des umtriebigen Silva. Zwei Minuten später machte Sergi Rodrigo mit einem trockenen Schuss aus halbrechter Position den Deckel drauf. 2:3. Innerhalb von 180 Sekunden war Mallorcas Traum geplatzt wie ein Luftballon im Sommerwind. Der Rest war ein wilder Mix aus Gelben Karten, verzweifelten Angriffen und einem verletzten Yaguez, der in der 66. Minute humpelnd vom Platz musste. "Er hat sich wohl mehr über den Spielstand als über das Knie geärgert", murmelte ein Betreuer, während Ernesto Henrico eingewechselt wurde. Statistisch gesehen hätte Mallorca das Spiel nicht verlieren müssen: neun Torschüsse, ein Hauch mehr Ballbesitz, ordentlich Passquote. Aber Sevilla war schlicht effizienter - elf Schüsse, davon drei drin. Und das mit einer Mannschaft, die laut Coach Salman "nicht unbedingt für ihre Kaltschnäuzigkeit bekannt" ist. Auf die Frage, ob er sich nun als Aufstiegskandidat sehe, antwortete er: "Fragen Sie mich das nach dem nächsten Spiel. Oder besser: fragen Sie meinen Torjäger Rodrigo - der redet sowieso lieber." RSO-Trainer, der nach dem Spiel wortkarg blieb (vielleicht, weil er wusste, dass Taktikdiskussionen bei 2:3 wenig Charme haben), murmelte nur: "Wir spielen guten Fußball, aber manchmal wie im Training - ohne Tore zählen zu lassen." Seine Spieler schauten betreten auf den Rasen, während die Gäste ausgelassen mit ihren Fans tanzten. Albert Gutierrez, kurz vor Schluss noch Gelb gesehen, war einer der Letzten, die das Feld verließen. "Wir haben’s verschenkt", sagte er. "Zwei Tore müssen reichen. Aber heute… na ja, vielleicht war es zu schön, um wahr zu sein." Bitter, aber lehrreich: Mallorca verliert ein Spiel, das sie eigentlich im Griff hatten, und Sevilla beweist, dass Fußball nicht gerecht, aber gnadenlos unterhaltsam ist. Und irgendwo in der Kabine summte ein Spieler, halb lachend, halb fluchend: "Wenn du die Chancen nicht nutzt…" - der Rest ging im Duschenlärm unter. Vielleicht besser so. Denn nach diesem Spieltag wissen alle: In der 2. Liga Spanien kann ein 2:1 schneller zu einem 2:3 werden, als man "Vamos!" rufen kann. 20.12.643987 17:38 |
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