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Ein lauer Februarabend in Villarreal, 26.886 Zuschauer, Flutlicht, Fangesänge - alles war angerichtet für einen dieser typischen Fußballabende, an denen man entweder Geschichte schreibt oder sie über sich ergehen lässt. Leider für den SC Villarreal traf Letzteres zu. Am Ende stand ein deutliches 1:4 (1:1) gegen ein eiskaltes CD Malaga, das so zielstrebig spielte, als hätte Trainer Thomas Krause persönlich die Tore vor dem Spiel bestellt. Dabei begann alles mit einem Schockmoment: Keine 60 Sekunden waren gespielt, da zappelte der Ball schon im Netz der Gastgeber. Joan Benitez, Malagas quirliger Linksaußen, hatte offenbar beschlossen, die Villarreal-Abwehr gleich im Halbschlaf zu erwischen. Nach einem präzisen Zuspiel von David Grenier schlenzte Benitez den Ball ins rechte Eck - ein Weckruf der unangenehmen Sorte. "Das war nicht der Start, den man sich wünscht", knurrte SC-Coach Marcus Herrmann später. "Ich hatte das Gefühl, einige meiner Jungs standen noch beim Einlaufen." Doch Villarreal reagierte - und wie. In der 15. Minute fand der agile Linksverteidiger Isidoro Marques mit einem mustergültigen Pass seinen Stürmer Mason Cort, der eiskalt zum 1:1 traf. Das Stadion tobte, und Cort ballte die Faust in Richtung der Heimkurve. "Da dachte ich: Jetzt kippt das Ding!", grinste er später. Leider kippte es - nur in die falsche Richtung. Denn nach der Pause kam Malaga wie verwandelt aus der Kabine. Oder besser gesagt: Villarreal blieb wohl noch kurz drin. Innerhalb von zwei Minuten, in der 47. und 48. Minute, fielen zwei Tore, die den Spielverlauf auf den Kopf stellten. Erst war es Silvestre Meira, der nach einer Flanke von Grenier per Direktabnahme traf. Dann Callum Ashton, der Mittelstürmer mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters, der nach einem weiteren Assist von Grenier auf 3:1 erhöhte. Villarreal irrte in dieser Phase über den Platz, als wäre der Ball plötzlich ein Fremdkörper. "Wir haben die Kontrolle verloren - und zwar komplett", gestand Trainer Herrmann selbstkritisch. "Malaga hat uns mit einfachen Mitteln ausgekontert. Drei Pässe, ein Tor. So einfach kann Fußball sein." Malaga ließ es danach gemächlich angehen, ohne die Kontrolle aufzugeben. Der Ballbesitz lag am Ende mit 49 zu 51 Prozent fast ausgeglichen, aber die Gäste wirkten bei jedem Angriff gefährlicher. 13 Torschüsse gaben sie ab, während Villarreal nur acht Mal wirklich gefährlich wurde. Besonders bitter: Callum Ashton legte in der 68. Minute noch einmal nach, nachdem Philip Becker im Mittelfeld den Ball erobert und perfekt in den Lauf gespielt hatte. 4:1 - und die Heimfans begannen, sich mit ironischem Applaus über die eigenen Fehlpässe hinwegzutrösten. "Ich hab irgendwann aufgehört, mitzuzählen", sagte ein Zuschauer mit Schal und Galgenhumor. "Aber schön, dass wir wenigstens beim Ballbesitz gleichauf sind." Malagas Trainer Thomas Krause war nach dem Abpfiff sichtlich zufrieden. "Das war ein erwachsenes Spiel meiner Mannschaft", erklärte er, während er den obligatorischen Kaugummi kaute. "Wir wollten über die Flügel kommen, haben das konsequent durchgezogen - und Grenier war heute einfach überragend." Tatsächlich war der 32-jährige Rechtsaußen an drei Toren direkt beteiligt und dürfte am nächsten Tag mit einem breiten Grinsen in der Kabine gesessen haben. Einziger Wermutstropfen für die Andalusier: Rechtsverteidiger Diego Fontàs sah in der 51. Minute Gelb - und zwar für ein Foul, das in etwa so elegant war wie ein Presslufthammer im Porzellanladen. "Er wollte nur den Ball spielen", verteidigte ihn Krause halbherzig, "aber der Ball war halt schon weg." Villarreal versuchte es bis zum Schluss, kam aber kaum noch zu zwingenden Chancen. Federico Girardi prüfte den Malaga-Keeper Duarte Gimenez in der 85. Minute mit einem Distanzschuss, und kurz vor Schluss donnerte Timon Theotokis den Ball noch einmal aufs Tor - ohne Erfolg. Am Ende blieb den Gastgebern nur der Applaus für den Gegner. "Vielleicht war das heute eine Lektion", meinte Herrmann. "Manchmal muss man verlieren, um zu verstehen, wie man gewinnen kann." Eine klassische Trainerfloskel - aber immerhin ehrlich. Malaga dagegen schleicht sich nach diesem Sieg in der Tabelle nach oben, mit der Selbstverständlichkeit eines Teams, das genau weiß, was es tut. Villarreal hingegen wird sich fragen müssen, ob man wirklich mit "ausgewogener" Taktik bestehen kann, wenn der Gegner einfach schneller, direkter und entschlossener ist. Ein Abend, der lehrt: Wer zu spät aufwacht, verpasst nicht nur den Anpfiff - sondern gleich das ganze Spiel. 15.07.643990 06:56 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll