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Es war ein kalter Februarabend in Magdeburg, aber auf dem Rasen brannte es lichterloh - leider nur auf einer Seite. Vor 56.159 Zuschauern im randvollen Stadion erlebte der 1. Liga-Spieltag Nummer 19 ein Spiel, das für die Gastgeber eher als Lehrstunde in Sachen Effizienz und Kaltschnäuzigkeit endete. Der VfL Stuttgart nahm Magdeburg mit 4:1 auseinander, und das, obwohl die Gastgeber den Ball häufiger hatten. Dabei begann alles so hoffnungsvoll: Magdeburg lief unter Trainer Daniel Stoll mit einer defensiven Grundordnung auf, setzte aber über die Flügel gefährlich Akzente. Nach einigen frühen Warnschüssen durch den quirligen Jan Vencel (4., 13., 16., 18.) lag das 1:0 in der Luft - und fiel dann tatsächlich in der 29. Minute. Jörg Blume, der Mann mit der linken Klebe, traf nach feiner Vorarbeit von Timo Arnold ins lange Eck. Das Stadion tobte, und Stoll ballte die Faust: "Genau so wollten wir sie kriegen - über außen, schnell, direkt!", rief er seinem Co-Trainer zu. Doch die Freude währte kurz. Stuttgart, das zuvor schon durch Gleb Schalimow mehrfach gefährlich geworden war, drehte plötzlich auf. Erst in der 40. Minute, dann gleich wieder in der 44., traf Schalimow doppelt - einmal nach einem präzisen Zuspiel von Ingo Zabaleta, dann nach feiner Vorarbeit des agilen Joshua Rausch. Zwei eiskalte Nadelstiche, die Magdeburg aus dem Tritt brachten. "Wir haben einfach aufgehört, zu glauben", sagte später Magdeburgs Abwehrmann Carl Maniche mit hängendem Kopf. Zur Pause stand es 1:2, und wer dachte, die Hausherren würden mit Wut im Bauch zurückkommen, wurde schnell eines Besseren belehrt. Nur eine Minute nach Wiederanpfiff war es Rausch selbst, der nach Vorlage von Marcio Dominguez zum 3:1 einschob (46.). Der Angriff wirkte einstudiert wie aus dem Lehrbuch - und Magdeburgs Defensive wie aus einem schlechten Traum. Trainer Stoll schrie von der Seitenlinie: "Leute, das war die erste Minute!" Doch seine Mahnung verpuffte. In der 60. Minute setzte Carl Derlei mit dem 4:1 den Schlusspunkt - diesmal bedient von Doppeltorschütze Schalimow, der an diesem Abend einfach überall war. "Wir wollten offensiv bleiben, selbst als wir führten", erklärte VfL-Trainer Venni Mislintat später mit einem Grinsen. "Es bringt ja nichts, sich hinten einzumauern. Wir sind hier, um Spaß zu haben - und Tore zu schießen." Spaß hatten vor allem seine Offensivkräfte: 13 Torschüsse, vier Treffer, drei Gelbe Karten - ein Abend der klaren Kanten. Magdeburg dagegen hatte zwar mehr Ballbesitz (53 Prozent) und kam ebenfalls auf zehn Abschlüsse, aber viel Zählbares sprang dabei nicht heraus. Das lag auch an Stuttgarts Keeper Jaime Oliveira, der in der 71. Minute spektakulär einen Schlenzer von Phillipp Berg aus dem Winkel fischte. "Ich hab den Ball kaum gesehen, aber irgendwie war meine Hand da", grinste der Torwart nach dem Spiel - und wurde mit Applaus in die Kabine verabschiedet. Eine Szene sorgte schon früh für Aufsehen: In der 5. Minute musste Stuttgarts Mittelfeldmann Maxim Tillman verletzt raus, ersetzt von Ingvar Abramson. "Ich hab nur kurz gezwinkert, dann lag er schon am Boden", witzelte Schalimow später. Trotz des Schreckmoments verlor Stuttgart nie den Rhythmus. Die Magdeburger versuchten es weiter über außen - Vencel rackerte, Tomasz Blume suchte Lücken, aber es blieb beim Versuch. "Wir haben uns an der eigenen Defensive die Zähne ausgebissen", seufzte Trainer Stoll. "Vielleicht hätten wir offensiver denken müssen - aber hinterher ist man immer der Philosoph." Kurz vor Schluss wurde es noch einmal ruppig: Drei Gelbe Karten gegen Stuttgart (Costa 24., Vaz 35., Zabaleta 58.) zeigten, dass der Sieg nicht ohne Kratzer errungen wurde. Doch das störte Mislintat wenig: "Wenn’s weh tut, war’s ein gutes Spiel." Als der Schlusspfiff ertönte, sangen die mitgereisten VfL-Fans in der kalten Nacht, während die Magdeburger Spieler ratlos auf den Rasen starrten. Ein Spiel, das nach 30 Minuten noch wie ein Heimsieg roch, endete als bittere Erinnerung daran, dass Fußball manchmal ein grausam ehrlicher Sport ist. Vielleicht tröstet Magdeburg der Gedanke, dass man den Ball immerhin öfter hatte - auch wenn es sich am Ende anfühlte, als hätte man ihn die ganze Zeit nur geliehen. Und während die Stadionlichter erloschen, murmelte ein alter Fan auf der Tribüne: "Früher hätten wir so ein Spiel noch gedreht." Vielleicht. Aber früher war auch der Rasen grüner. 14.01.643991 02:32 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic