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Lyngby verzweifelt an Vardes Mauer: 0:0 der besonderen Sorte

Wer im Lyngby Stadion am Dienstagabend ein Tor erwartete, der wartet vermutlich noch heute. 33.311 Zuschauer sahen ein 0:0 der Sorte "zum Haare raufen" - zumindest, wenn man es mit Lyngby BC hält. 17 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz, zwei Gelbe Karten, ein halbes Dutzend Chancen aus allen Lagen - und trotzdem kein Tor. Varde BK dagegen schoss genau zweimal aufs Tor, hatte aber immerhin den Trost, dass ihr Keeper Magnus Jörgensen einen Abend zum Einrahmen erwischte.

Dabei begann alles durchaus vielversprechend. Schon in der zweiten Minute prüfte Marwin Menzel mit einem satten Linksschuss die Reflexe des Varde-Torwarts. "Ich wollte ihn einfach mal früh testen", grinste Menzel später, "aber der Mann hatte wohl zu viel Kaffee vor dem Spiel." Der Ball klatschte an die Brust von Jörgensen, der sich sichtlich wunderte, warum er überhaupt schon wach sein musste.

Lyngby-Coach Hans Kellershoff hatte seine Elf auf "kontrollierte Offensive" eingestellt - zumindest laut der Taktiktafel. Auf dem Platz wirkte es eher wie "kontrollierte Verzweiflung". Bjarke Juul, der junge Linksaußen mit der Dynamik eines D-Zuges, rannte die rechte Abwehrseite der Gäste schwindlig, traf aber wahlweise den Pfosten, das Fangnetz oder den eigenen Mitspieler. "Ich schwöre, einmal hat der Ball die Linie geküsst!", beteuerte Juul nach dem Spiel - allerdings nur bildlich gesprochen.

Varde BK hingegen spielte, als wäre ein Punkt in Lyngby der größte denkbare Erfolg der Vereinsgeschichte. Die Gäste agierten diszipliniert, tief stehend, mit der taktischen Ausrichtung "Betonmischer im Sechzehner". Ihr Trainer - der sich in der Statistik nicht finden lässt, aber offenbar ein Meister des Minimalismus ist - ließ seine Elf kaum mehr tun, als den Ball dann und wann nach vorn zu dreschen. Einer dieser Befreiungsschläge führte immerhin zum ersten Torschuss der Gäste in der 13. Minute: Ebbe Lund, gelernter Rechtsverteidiger, zog einfach mal ab. Der Ball landete zwar im Stadionumlauf, aber immerhin - ein Lebenszeichen.

Lyngby kombinierte, drückte, rannte - und rannte sich fest. Besonders Youngster Dagfinn Nguyen, 17 Jahre jung und mit der Leichtigkeit eines Straßenfußballers ausgestattet, brachte nach seiner Einwechslung in der 50. Minute frischen Wind. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er hinterher, "aber Spaß macht’s halt mehr, wenn man trifft." Seine drei Abschlüsse in der zweiten Hälfte waren symptomatisch: schön anzuschauen, aber stets einen Tick zu zentral.

Die einzige Spannung entstand zwischendurch durch die Gelben Karten. Erst Bjarke Juul (51.), nachdem er mit einem etwas übermotivierten Tackling das Publikum weckte, dann Verteidiger Jorge Derlei (57.), der offenbar vergessen hatte, dass Grätschen von hinten auch 2026 noch verboten sind. Derlei durfte sich dafür in der 90. Minute wieder auswechseln lassen - offiziell wegen taktischer Umstellung, inoffiziell wohl, um keine zweite Karte zu riskieren.

Varde ließ sich derweil nicht beirren. In der 70. Minute gelang Hjalmar Kristensen tatsächlich der zweite Schuss aufs Tor - ein harmloses Schüsschen, das Lyngbys Keeper Fynn Krueger mit einer Hand auflas, als wäre es ein verlorenes Bonbon. Danach war klar: Wenn hier einer noch treffen würde, dann höchstens der Linienrichter - mit der Fahne.

Die Schlussphase geriet zu einem einzigen Dauerdrücken der Gastgeber. Zwischen Minute 80 und 94 flogen die Bälle im Minutentakt in den Strafraum. Fiedler, Juul, Menzel - alle versuchten es. Selbst Damian Granados haute in der Nachspielzeit noch drauf. Doch Varde-Keeper Jörgensen, inzwischen mit Schweißperlen auf der Stirn und einem Lächeln, das irgendwo zwischen Wahnsinn und Ekstase lag, hielt einfach alles. "Ich dachte irgendwann: Wenn ich schon hier stehe, kann ich auch mal Weltklasse spielen", sagte er lachend.

Hans Kellershoff wirkte nach dem Schlusspfiff erstaunlich gelassen. "Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Wenn man 17 Mal aufs Tor schießt und keiner rein will - tja, dann ist vielleicht der Fußballgott gerade in Varde im Urlaub."

Das Publikum quittierte die Nullnummer mit einer Mischung aus Applaus und resigniertem Raunen. Die Lyngby-Fans wissen, dass ihr Team an diesem Abend alles versucht hatte - nur eben nicht das Tor getroffen. Und während Varde BK jubelnd in die Kabine verschwand, murmelte ein Zuschauer auf der Tribüne trocken: "So sieht’s aus, wenn David gegen Goliath unentschieden spielt - und Goliath den Ball verliert."

Ein Punkt, der für Varde wie ein Sieg schmeckt, und ein 0:0, das für Lyngby BC nach Niederlage klingt. Fußball kann so ungerecht sein - und manchmal so herrlich absurd.

16.03.643994 12:45
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