// Startseite
| Dagbladet Sport |
| +++ Sportzeitung für Dänemark +++ |
|
|
|
Es war ein Montagabend, wie man ihn in Dänemark eigentlich lieber vor dem Kamin verbringt: kalt, windig, und trotzdem fanden sich 27.000 Zuschauer im Roskilde Stadion ein, um zu sehen, ob ihr SC endlich wieder für etwas Wärme sorgen würde. Am Ende hatte allerdings vor allem Lyngby BC warme Herzen - und ein breites Grinsen. Mit einem 3:1 (2:1) verteidigten die Gäste ihren Ruf als effizienteste Kontermannschaft der Liga, während Roskilde zwar den Ball, aber selten den Durchblick hatte. Schon die Anfangsphase versprach Feuer. Keine fünf Minuten waren gespielt, da prüfte Lyngbys Abwehrmann Simon Poulin den Roskilder Keeper Aron Brodersen mit einem Distanzschuss. Nur zwei Minuten später machte es sein junger Teamkollege Bjarke Juul besser: nach feinem Zuspiel von Bodil Graversen schob der 20-Jährige eiskalt zum 0:1 ein. Roskildes Trainer Verti Bogts raufte sich die Haare - und durfte sie kaum wieder ordnen, da sein Kapitän Vidar Davidsen postwendend den Ausgleich erzielte. Eine Minute später, ausgerechnet der erfahrenste Mann auf dem Platz, der 34-Jährige Davidsen, der nach dem Spiel mit einem Lächeln sagte: "Ich wollte nur zeigen, dass wir auch noch wach sind. Leider war das mein einziger Beweis heute." Doch Lyngby ließ sich davon nicht irritieren. In der 22. Minute schlug die rechte Seite doppelt zu: Johann Fuchs flankte, Bodil Graversen verlängerte clever, und Jannick Fiedler drückte den Ball zum 1:2 über die Linie. "Das war wie im Training - nur dass wir dort meistens daneben schießen", grinste Fiedler später. Roskilde hatte statistisch fast gleich viel vom Spiel - 50,5 Prozent Ballbesitz, 9 Torschüsse, genau wie der Gegner -, aber der Unterschied lag in der Zielstrebigkeit. Lyngby schoss, wenn’s passte. Roskilde schoss, wenn’s zu spät war. Und manchmal auch, wenn gar keiner hinsah. Kurz vor der Pause wurde es ruppig: Magnus Munch sah Gelb für ein rustikales Einsteigen, das man höflich als "körperbetont" bezeichnen könnte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", verteidigte er sich später. Schiedsrichter Niels Andersen zeigte ihm stattdessen die Karte - und ein Stirnrunzeln. Nach der Pause kam Roskilde offensiver aus der Kabine, aber Lyngby blieb cool. Trainer Hans Kellershoff hatte sein Team perfekt eingestellt: "Wir wussten, Roskilde würde anlaufen. Wir mussten nur auf unseren Moment warten." Der kam in der 63. Minute. Wieder war es eine Kombination über rechts, wieder Johann Fuchs als Vorbereiter, diesmal fand er Elias Van Ranst, der trocken zum 1:3 einschob. Das Stadion verstummte, außer dem kleinen Gästeblock, der plötzlich klang wie ein Chor mit Megaphon. Roskilde versuchte noch einmal alles. Luke MacNeill, 38 Jahre jung und mit der Erfahrung eines halben Lebens, rannte in der Nachspielzeit noch zwei Mal wütend aufs Tor zu - beide Male scheiterte er knapp. "Ich glaub, der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht war er beleidigt", murmelte er kopfschüttelnd beim Abgang. Das Spiel endete so, wie es begonnen hatte: mit Einsatz und Emotionen. In der 91. Minute verletzte sich Roskildes Routinier Dag Kristiansen unglücklich - ein bitterer Moment, der Trainer Bogts zur improvisierten Einwechslung zwang. "Das passt irgendwie zum Abend", seufzte er nach Abpfiff. Sein Gegenüber Kellershoff hingegen strahlte: "Wir haben gezeigt, dass wir auch auswärts eiskalt sein können. Und manchmal hilft es, wenn man einfach weniger nachdenkt." Die Statistik erzählte am Ende eine ausgeglichene Geschichte, das Ergebnis eine klare. Roskilde spielte, Lyngby traf. Vielleicht der beste Beweis, dass Ballbesitz noch kein Tor schießt. Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte: windig, ungemütlich und mit einem Heimpublikum, das den Kopf schüttelte. Ein älterer Fan auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Wir hatten 50 Prozent Ballbesitz - aber null Prozent Glück." Während die Roskilder Fans also in der Kälte nach Hause stapften, feierten die Lyngby-Spieler ausgelassen ihre drei Torschützen - Juul, Fiedler und Van Ranst - und verspotteten scherzhaft ihren Trainer: "Chef, geben Sie uns frei!" Kellershoff lachte und antwortete trocken: "Nur, wenn ihr nächsten Spieltag wieder so trefft." Ein gerechter Deal - schließlich haben sie an diesem Abend alles getroffen, was zählte. Schlusswort? Roskilde kämpfte tapfer, Lyngby siegte clever. Und irgendwo über dem Stadion pfiff der Wind leise: Effizienz schlägt Ästhetik. Immer. 06.03.643987 17:39 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte