Dagbladet Sport
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Lyngby BC triumphiert 3:1 - ein Abend zwischen Genie, Gelb und Geduld

Es war einer dieser dänischen Winterabende, an denen der Atem gefriert, das Bier dampft und die Fans trotzdem in Scharen kommen: 32.357 Zuschauer drängten sich am 10. Spieltag der 1. Liga Dänemark in Lyngby, um zu sehen, wie ihr BC den Amager BK empfangen würde. Um 20:30 Uhr pfiff der Schiedsrichter an - und das Spiel verwandelte sich schnell in eine Lektion über Effizienz, Geduld und, nun ja, gelegentliche Übermotivation.

Von Beginn an war klar: Amager wollte den Ball, Lyngby wollte die Tore. 56 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 44 für die Hausherren - aber was nützt das schöne Statistikblatt, wenn der Ball nicht ins Netz will? Lyngby schoss 17-mal aufs Tor, Amager zehnmal. Und während Amager den Ball kunstvoll durch die eigenen Reihen schob, schob Lyngby ihn dreimal über die Linie.

Die Geschichte des Spiels begann in der 21. Minute. Ein schneller Angriff über die rechte Seite, John Marshal steckt durch, und Niclas Schultz rauscht heran wie ein verspäteter Zug im Berufsverkehr. Zack - 1:0. "Ich hab nur gehofft, dass ich den Ball sauber treffe", grinste Schultz später. "Und diesmal war das Glück wohl auf meiner Seite." Trainer Hans Kellershoff schlug an der Seitenlinie die Hände über dem Kopf zusammen - angeblich vor Freude, vielleicht aber auch wegen des anschließenden Bierduschen-Versuchs der Ersatzbank.

Elf Minuten später kam der nächste Streich. Dieses Mal war es Innenverteidiger Aslaug Marcussen, der in der 32. Minute bei einer Ecke plötzlich den Stürmer mimte. Nach einer Vorlage von Marwin Menzel donnerte er den Ball aus kurzer Distanz ins Tor - 2:0. "Ich bin eigentlich hinten für Ordnung zuständig", sagte Marcussen mit einem Grinsen, "aber heute dachte ich, ein bisschen Chaos vorne kann auch nicht schaden."

Amager BK versuchte daraufhin, Struktur zurückzugewinnen. Bo Bendixen und Erik Molgaard prüften mehrfach Torhüter Joschua Beier, doch der Lyngby-Keeper hatte offenbar die Ruhe eines Yoga-Lehrers auf Baldrian. In der 38. Minute sah Gudmund Bundgaard dann Gelb - wohl mehr aus Sympathie für Amagers Bemühungen als aus Notwendigkeit.

Nach der Pause änderte sich wenig am Spielverlauf. Amager drückte, Lyngby lauerte. Und in der 62. Minute kam der Konter des Abends: Der gerade eingewechselte Jannick Fiedler startete über rechts, bekam den Ball von - man höre und staune - Innenverteidiger Marcussen, und traf trocken zum 3:0. "Ich war kaum eine Minute auf dem Platz", sagte Fiedler später, "da dachte ich: Warum lange warten?"

Die letzten 30 Minuten waren dann eine Mischung aus Geduldsspiel und Gedränge. Maurice Koch musste in der 66. Minute verletzt raus, Vicente Chalana kam für ihn - und sah sich gleich in einem ruppigen Abnutzungskampf wieder. Caio Nene sammelte in der 77. Minute seine erste Gelbe Karte und schaffte es mit bemerkenswerter Konsequenz, in der 92. Minute auch noch Gelb-Rot zu sehen. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich bis zum Schluss Einsatz bringe", sagte er nach dem Spiel halb schmunzelnd. Trainer Kellershoff kommentierte trocken: "Das war wohl etwas zu viel Einsatz."

Amager kam schließlich in der 89. Minute zu seinem Ehrentreffer, als der erfahrene Tiburtius Nelsen einen Abpraller eiskalt verwertete. Kurzzeitig keimte Hoffnung auf, doch Lyngby spielte die Nachspielzeit mit einer Gelassenheit herunter, die an skandinavische Minimalismus-Philosophie erinnerte.

"Wir haben nicht den schönsten Fußball gespielt", gab Kellershoff zu, "aber dafür den effektivsten." Sein Gegenüber, Amagers Coach, murmelte ins Mikrofon: "Ballbesitz ist halt kein Punktestand."

Statistisch gesehen hätte Amager BK zumindest einen Treffer mehr verdient gehabt, doch Lyngby hatte an diesem Abend einfach die klareren Ideen - und die bessere Laune. Besonders auffällig: die mannschaftliche Geschlossenheit trotz Defensivtaktik. Während die Gäste "balanced" und "kontrolliert" wirkten, zeigte Lyngby, dass man auch mit konservativer Ausrichtung offensiv zustechen kann.

Als die Fans nach dem Abpfiff "Lyngby, Lyngby" über die Tribünen hallen ließen, stand der Endstand fest: 3:1 (2:0). Ein Sieg, der klarer war, als es die Zahlen vermuten ließen - und ein Spiel, das wieder einmal bewies, dass Fußball keine Wissenschaft ist, sondern ein Schauspiel voller Zufälle, Emotionen und leicht übermotivierter Innenverteidiger.

Oder, wie es Aslaug Marcussen am Ende formulierte: "Wenn du hinten sicher stehst und vorne triffst - dann ist das fast schon Poesie."

Und wer wollte ihm da widersprechen?

25.05.643987 04:36
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