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Es war ein kühler Märztabend in Kopenhagen, doch auf dem Rasen des Tingbjerg Ground kochte die Luft. 20.000 Zuschauer sahen am Mittwochabend, wie Brönshöj BK sich an Lyngby BC die Zähne ausbiss - und das trotz 57 Prozent Ballbesitz. Am Ende hieß es 0:2 aus Sicht der Hornets, die zwar den Ball hatten, aber Lyngby die Tore schießen ließ. Schon vor dem Anpfiff schien Brönshöj-Trainer (dessen Name das Protokoll seltsam verschwiegen hält) recht gelassen. "Wir müssen nur unser Spiel spielen", soll er in die Mikrofone gemurmelt haben - was nach 90 Minuten klang wie ein Satz aus der Kategorie *berühmte letzte Worte*. Lyngby, geführt von Coach Hans Kellershoff, kam mit jugendlicher Frische und erstaunlicher Zielstrebigkeit. Gleich in der sechsten Minute prüfte Jannick Fiedler den Brönshöj-Keeper Dag Bentsen mit einem satten Schuss. Zwei Minuten später versuchte es Bjarke Juul, und wieder rauschte der Ball nur knapp am Pfosten vorbei. Es war ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte: ein Abend, an dem Lyngby immer gefährlicher wirkte, obwohl Brönshöj den Ball wie ein Souvenir hortete. Brönshöj hatte durchaus seine Momente. Arne Povlsen, der 33-jährige Dauerläufer auf Rechtsaußen, tauchte mehrfach gefährlich auf, scheiterte aber regelmäßig am glänzend reagierenden Luís Bergantinos im Gästetor. In der 18. Minute zischte ein Schuss von Malte Nissen knapp über die Latte, in der 40. durfte Gunnar Müller aus der Distanz abziehen - wieder nichts. "Wir haben viel Ballbesitz gehabt", sagte Povlsen später mit einem bitteren Lächeln. "Aber Ballbesitz schießt keine Tore. Ich hätte mir vielleicht einfach mal selbst einen Pass spielen sollen." Bis zur Pause blieb es beim 0:0, doch Kellershoff musste nicht viel sagen. "Ich habe den Jungs nur gesagt, sie sollen das Tor treffen, nicht den Zaun", witzelte der Lyngby-Coach später. Offenbar verstand die Mannschaft die Botschaft. Nach Wiederanpfiff nahm Lyngby das Heft in die Hand - und Brönshöj verlor es prompt. In der 58. Minute schickte Mittelfeldmotor Bodil Graversen den wieselflinken Bjarke Juul steil in den Strafraum. Juul blieb eiskalt und schob aus spitzem Winkel zum 0:1 ein. Kaum hatten die Brönshöj-Fans das erste Stöhnen beendet, schlug es erneut ein: Nur eine Minute später legte Juul quer, und Jannick Fiedler traf mit einem trockenen Schuss ins lange Eck. 0:2 - doppelt bestraft in 120 Sekunden. "Da standen wir da wie Touristen auf dem Rathausplatz - und schauten nur zu", knurrte Brönshöjs Kapitän Christer Mathiesen. Lyngby blieb danach gefährlicher, wechselte klug und brachte mit dem 17-jährigen Dagfinn Nguyen frischen Wind. Der Youngster zeigte keine Scheu, feuerte gleich mehrfach aufs Tor und zwang Bentsen zu Glanzparaden. In der 55. Minute kassierte Bendt Karlsen zwar noch Gelb, aber das störte Lyngby wenig. "Das war ein taktisches Foul, und ich fand’s sogar ganz elegant", grinste Karlsen nach Abpfiff. Brönshöj versuchte in der Schlussphase alles, doch selbst mit 57,6 Prozent Ballbesitz und acht Torschüssen reichte es nicht mal zum Ehrentreffer. Lyngby dagegen feuerte aus allen Lagen - 18 Schüsse, zwei Tore, viele Alarmsituationen. Es war ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass Effizienz im Fußball mehr zählt als Ästhetik. Trainer Kellershoff fasste es trocken zusammen: "Wir spielen nicht, um schöne Statistiken zu haben. Wir spielen, um Tore zu machen." Und als er das sagte, grinste er so breit, dass man ihm fast eine Gelbe Karte wegen Überheblichkeit wünschte. Brönshöj-Fans verließen das Stadion mit hängenden Köpfen, während die gut 500 mitgereisten Lyngby-Anhänger sangen, tanzten und den jungen Nguyen auf die Schultern hoben. Der Teenager selbst wirkte verlegen: "Ich hab nur gemacht, was der Trainer gesagt hat - rennen und schießen." Das Spiel endete ohne weitere Treffer, aber mit einem klaren Statement: Lyngby BC ist reifer, abgebrühter und taktisch klüger als die Ballbesitzkünstler aus Brönshöj. Und so blieb den Gastgebern am Ende nur die Erkenntnis, dass Fußball keine Schönheitskonkurrenz ist. Oder, wie Gunnar Müller es in der Kabine formulierte: "Wir hatten die Frisur, sie hatten die Tore." Ein Satz, der alles sagt. 16.03.643994 12:33 |
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Mario Basler