Dagbladet Sport
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Lyngby BC startet furios - Thisted erlebt einen frostigen Ligaauftakt

Ein Abend, der für Thisted mit Trommeln, Fackeln und 24.387 hoffnungsvollen Zuschauern begann, endete mit einer jener stillen Minuten, in denen man selbst den Geräuschpegel eines fallenden Hot-Dogs hören konnte. 0:4 lautete das ernüchternde Ergebnis gegen eiskalt aufspielende Gäste aus Lyngby, die ihrerseits kaum hätten besser in die neue Saison der 1. Liga Dänemark starten können.

Dabei hatte Trainerin Anne Mergel ihre Thisted-Elf vor Anpfiff noch betont ruhig auf das Spiel eingestimmt. "Wir wollten kompakt stehen und dann Nadelstiche setzen", erklärte sie später mit jenem gequälten Lächeln, das man sonst nur von Zahnärzten nach einer missglückten Betäubung kennt. Kompakt stand ihre Mannschaft tatsächlich - nur eben eher in der eigenen Hälfte.

Denn Lyngby BC legte los, als wäre das Spiel eine Dauerwerbesendung für Tempofußball. Bereits in den ersten Viertelstunden prüften Granados, Fiedler und Koch gleich mehrfach den Thisted-Keeper Michel Landry, der allerdings mehr zu tun bekam, als ihm lieb war. Ganze 20 Torschüsse feuerten die Lyngby-Spieler ab - ein Wert, der in Thisted wohl noch als traumatisch in Erinnerung bleiben dürfte.

In der 24. Minute platzte dann der Knoten - oder besser gesagt: der Damm. Bjarke Juul, 21 Jahre jung, zog von links nach innen, spielte einen Doppelpass mit Jannick Fiedler und vollendete trocken ins lange Eck. Nur drei Minuten später war es wieder Juul, diesmal ohne Assist, aber mit derselben kalten Präzision. 0:2 - und Thisted taumelte wie ein Boxer, der sich fragte, ob der Gong schon geklingelt hat.

"Ich hab’ einfach Spaß gehabt da draußen", grinste Juul nach dem Spiel. "Nach dem ersten Treffer wusste ich: Heute geht was." - Es ging tatsächlich noch einiges.

Thisted hatte zwar laut Statistik 56 Prozent Ballbesitz, aber das wirkte wie jener Trostpreis, den niemand haben will. Die heimischen Fans klatschten jeden Pass über fünf Meter artig ab, doch spätestens im letzten Drittel endete die Ballstafette regelmäßig in den Beinen eines Lyngby-Verteidigers oder in den Armen von Keeper Fynn Krueger, der den Abend größtenteils als Zuschauer verbringen durfte.

Im zweiten Durchgang versuchte Thisted, etwas mutiger zu agieren. Jaime Navarro prüfte in der 49. Minute Krueger mit einem beherzten Schuss - einer von nur drei Torschüssen des Heimteams überhaupt. "Wir wollten das Spiel noch drehen", sagte Mergel später, "aber Lyngby hat uns keine Luft gelassen."

Während die Gastgeber zunehmend entnervt wirkten, wechselte Lyngby-Coach Hans Kellershoff nach einer Stunde durch und brachte frische Beine. "Wir wollten das Ding sauber zu Ende spielen", meinte er sachlich, "aber meine Jungs hatten wohl noch Lust auf Tore."

Und die kamen: In der 84. Minute war es Elias Van Ranst, der nach feiner Vorarbeit des 17-jährigen Henrik Carstensen das 0:3 erzielte. Nur vier Minuten später durfte Van Ranst erneut jubeln - diesmal nach einer butterweichen Flanke von Innenverteidiger Jorge Derlei. 0:4, und der letzte Rest Hoffnung auf Seiten Thisteds verdampfte in der kalten Februar-Luft.

Einige Fans verließen da bereits das Stadion, andere blieben trotzig sitzen. "Wir sind Thisted, wir stehen das durch", rief einer aus der Kurve, während ein anderer lakonisch antwortete: "Dann steh wenigstens nicht im Wind."

Am Ende blieb Thisted der moralische Sieg - immerhin hatte man den Ball häufiger gesehen. Doch wenn der Ballbesitz in der Statistik mehr bedeutet als im gegnerischen Strafraum, läuft etwas schief. Die Zweikampfquote von 41,8 Prozent unterstrich, dass Lyngby nicht nur spielstärker, sondern schlicht entschlossener war.

Trainer Kellershoff zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Ein gutes Spiel, ja, aber wir müssen auf dem Boden bleiben. Das war erst der erste Spieltag." - Bodenständig klingt das, aber wenn man vier Tore auswärts erzielt, darf man ruhig leise pfeifen auf Demut.

Für Thisted hingegen dürfte die nächste Trainingswoche lang werden. "Wir müssen das analysieren", sagte Mergel, "und dann wieder aufstehen." Ein Satz, der so alt ist wie der Fußball selbst - und nach einem 0:4 irgendwie immer gleich klingt.

Vielleicht hilft Humor: Ein Fan schrieb auf Twitter, man habe jetzt wenigstens die "beste Tordifferenz der Liga - rückwärts". Sarkasmus als Selbstschutz, wie er im Fußball üblich ist.

Lyngby dagegen startet mit breiter Brust, zwei Doppeltorschützen und einem klaren Statement in die Saison. Wenn sie dieses Tempo halten, könnte man künftig öfter über sie schreiben - vielleicht dann auch über Thisted, aber wohl eher in der Rubrik "Leidensgeschichten".

Und so bleibt vom Auftaktabend in Thisted vor allem ein Satz des jungen Bjarke Juul hängen: "Ich wollte einfach nur Spaß haben." Für Lyngby war’s ein Fest. Für Thisted - ein Albtraum in 90 Minuten.

29.05.643990 23:48
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