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Ein kalter Dezemberabend, Flutlicht, 32.127 Zuschauer - und ein Lyngby BC, das sich gegen den SC Roskilde zu einem 2:1 kämpfte, das knapper klang, als es lange Zeit aussah. Auf dem Papier war es eine klare Sache, auf dem Rasen ein kleines Drama mit ironischem Unterton: Lyngby schießt aus allen Rohren, Roskilde hat den Ball. Und am Ende reicht’s gerade so. Von Beginn an machte Lyngby klar, dass sie das Spiel nicht den Gästen überlassen wollten. Schon in der dritten Minute prüfte Bjarke Juul, der 20-jährige Shootingstar auf dem linken Flügel, den Roskilde-Keeper Björn Juul - Namensvetter, aber kein Verwandter, wie beide später lachend erklärten. "Ich dachte, er ruft mich an, um sich abzustimmen, wer das Tor macht", scherzte der Lyngby-Juul nach dem Spiel. Lyngby kombinierte schnörkellos, direkt und mit einem Offensivdrang, der fast an Übermut grenzte. 20 Torschüsse standen am Ende zu Buche - eine ganze Welle von Versuchen, die meisten von Juul und dem quirligem Rechtsaußen Jannick Fiedler. Roskilde dagegen hatte zwar 57 Prozent Ballbesitz, aber so richtig gefährlich wurde es selten: sechs Torschüsse, davon drei in den letzten zehn Minuten. Das erste Tor fiel in der 43. Minute - und es passte ins Bild. Wieder war es Bjarke Juul, der nach einem Eckball von Innenverteidiger Aslaug Marcussen den Ball per Volley ins Netz drosch. 1:0 für Lyngby, und das Stadion vibrierte. Trainer Hans Kellershoff klatschte an der Seitenlinie wie ein Dirigent, der seine Streicher lobt. "Das war kein Zufall", sagte er nach der Partie. "Bjarke trainiert diese Abschlüsse jede Woche. Meistens in den Himmel, heute mal ins Tor." Kurz darauf folgte der zweite Streich - zumindest dachten das viele Fans, als Fiedler in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch einmal abzog. Der Ball rauschte Zentimeter am Pfosten vorbei, und Roskildes Torwart Björn Juul blickte ihm nur hinterher. Pause. 2:0 stand auf der Anzeigetafel, doch das sollte sich später als Tippfehler herausstellen: Das offizielle Halbzeitergebnis lautete 2:0, aber tatsächlich gab es nur ein Tor - der zweite Treffer fiel nicht. (Die Anzeigetafel-Techniker von Lyngby entschuldigten sich später mit einem Augenzwinkern und einem Freigetränk für die Presse.) Nach der Pause kam Roskilde besser ins Spiel, zumindest im Mittelfeld. Trainer Verti Bogts, sonst eher ein Mann der ruhigen Worte, gestikulierte wild an der Linie. "Wir haben zu brav gespielt", knurrte er später. "Wir hatten den Ball, aber keine Ideen. Das ist wie Kaffee ohne Koffein." Lyngby blieb offensiv, wirkte aber zunehmend nervös, als die Chancen ungenutzt blieben. In der 59. Minute wechselte Kellershoff den jungen Riccardo Del Carretto ein, um die rechte Abwehrseite zu stabilisieren. Eine kluge Entscheidung, denn Roskilde drückte nun - vor allem über die linke Seite mit Hans Vinther, der mit 36 Jahren noch immer Dampf machte. In der 80. Minute war es dann soweit: Vinther flankte butterweich auf den zweiten Pfosten, wo Anders Andreassen lauerte und per Kopf zum 2:1 traf. Der Anschlusstreffer - und plötzlich roch es nach Spannung. Lyngbys Keeper Fynn Krueger brüllte seine Mitspieler zusammen: "Noch zehn Minuten, Männer! Kein Weihnachtsgeschenk mehr!" Roskilde warf alles nach vorn, doch Lyngby hielt stand - auch dank einer Gelben Karte für den übermotivierten Sebastien Duchesne, der in der 86. Minute mit einem rustikalen Einsatz klarmachte, dass hier nichts mehr anbrennt. "Ich hab’ den Ball getroffen. Irgendwo unter dem Gegner", grinste er hinterher. Am Ende blieb es beim 2:1, auch wenn Roskilde in der Nachspielzeit noch zwei Ecken hatte. Der letzte Ball flog hoch in den Lyngby-Himmel, und Schiedsrichter Madsen pfiff ab. Kellershoff streckte die Arme hoch, Bogts schüttelte den Kopf. "Wir haben heute Charakter gezeigt", meinte Lyngbys Matchwinner Bjarke Juul. "Und ein bisschen Glück. Aber das darf man in der Weihnachtszeit ja haben." Sein Trainer ergänzte trocken: "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald ein größeres Tor - oder mehr Geduld." Roskilde fährt mit leeren Händen nach Hause, aber immerhin mit Ballbesitzstatistik und Stil. Lyngby dagegen bleibt dank des Sieges oben dran - und darf weiter vom Aufstieg träumen. Schlusswort? Vielleicht dieses: Fußball ist manchmal kein Spiel der Zahlen, sondern der Nerven. Und an diesem Abend in Lyngby hatten die Blauen die dickeren. 23.02.643987 03:50 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was ihm der Siegtreffer gegen Bayern München bedeutet