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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst Drehbuchautoren als zu kitschig ablehnen würden. 39.150 Zuschauer im Lyngby-Stadion sahen an diesem frostigen Januarabend ein Pokal-Achtelfinale, das alles hatte: ein frühes Feuerwerk, einen jungen Helden aus Fyn, ein Elfmeterschießen zum Haare raufen - und am Ende das bittere Aus für Lyngby BC mit 4:5 (1:1) nach Elfmeterschießen. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Keine fünf Minuten waren gespielt, da ließ Niclas Schultz die Tribünen erbeben. Nach feiner Vorarbeit von Elias Van Ranst jagte der rechte Mittelfeldmann den Ball trocken ins rechte Eck - 1:0! "Ich dachte, wir hätten sie damit gleich eingeschüchtert", meinte Schultz später mit einem gequälten Lächeln. "Aber anscheinend hat Fyn das als Einladung verstanden, länger zu bleiben." Denn der SC Fyn zeigte sich unbeeindruckt. In der 25. Minute tauchte plötzlich Linksverteidiger Bjarne Bisgaard, gerade einmal 20 Jahre jung, vor dem Tor auf - und tunnelte Lyngbys Keeper Fynn Krueger mit einer Abgeklärtheit, die man sonst nur von Spielern mit grauen Schläfen kennt. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bisgaard nach dem Spiel, "und gehofft, dass er nicht stehen bleibt." Er blieb nicht. 1:1 - und von da an begann das große Belagerungsspiel. Lyngby drückte, kombinierte, flankte, suchte und fand das Tor - nur eben nie den Weg hinein. 20 Torschüsse standen am Ende zu Buche, vier davon allein von Van Ranst, der wohl heute noch träumt, wie sein Schuss in der 84. Minute vom Innenpfosten wieder heraus sprang. SC Fyn dagegen kam gerade einmal auf vier Abschlüsse - aber jeder einzelne fühlte sich gefährlich an, wie ein Messerstich in einen überreifen Ballon. Trainer Hans Kellershoff stand derweil an der Seitenlinie, die Hände tief in der Manteltasche vergraben. "Wir wollten geduldig bleiben", murmelte er nach dem Spiel, "aber irgendwann hat man das Gefühl, der Ball will einfach nicht mehr." Spätestens als Marwin Menzel in der 75. Minute gleich zweimal innerhalb von 60 Sekunden an Fyns Keeper Lukas Thuesen scheiterte, ahnte jeder: Das wird ein langer Abend. Und das wurde er. Nach 120 Minuten stand es immer noch 1:1 - der Pokal verlangte Nerven aus Stahl. Elfmeterschießen in Lyngby: Der Moment, in dem Helden geboren oder Trikots anonym bei eBay verkauft werden. Maurice Koch legte für die Gastgeber vor - sicher verwandelt. Elias Van Ranst und Niclas Schultz taten es ihm gleich. Doch dann kam Menzel. Ein tiefer Atemzug, ein kurzer Anlauf - Latte. Man hörte fast das kollektive Stöhnen der Heimfans. Wenig später trat Robert Aagaard an - und jagte den Ball in den Nachthimmel, wo er vermutlich noch immer kreist. "Ich wollte ihn einfach zu gut treffen", sagte Aagaard später kleinlaut, "aber der Ball hatte andere Pläne." SC Fyn hingegen verwandelte kühl: Joshua Beyer, Thomas Clemmensen, Erland Kjargaard und Carlos Pauleta blieben eiskalt. Nur Gull Hermansen scheiterte - aber das reichte, weil Lyngby eben zweimal das Ziel verfehlte. 5:4 für Fyn, das Märchen vom Außenseiter ging weiter. Nach dem letzten Elfmeter sank Lyngbys Torwart Krueger auf die Knie, während Fyns Spieler jubelnd Richtung Gästeblock liefen. "Das ist Fußballromantik pur", meinte Fyn-Trainer - dessen Name die Chronistenpflicht leider verschluckte - mit einem breiten Grinsen. "Wir haben überlebt, weil wir nicht aufgehört haben zu glauben. Und weil Lukas heute einfach ein Teufelskerl war." Statistisch gesehen hatte Lyngby alles im Griff: 56 Prozent Ballbesitz, doppelt so viele gewonnene Zweikämpfe, fünfmal so viele Torschüsse. Aber wie sagte schon der alte Spruch, den Kellershoff in der Pressekonferenz zitierte: "Ballbesitz schießt keine Tore." Diesmal war es bittere Wahrheit. Auf den Rängen klang der Abend mit einer Mischung aus Applaus und Resignation aus. Ein älterer Fan, den man beim Verlassen des Stadions hörte, fasste es wohl am besten zusammen: "Wenn du so spielst und trotzdem rausfliegst, dann hast du wenigstens Stil gehabt." So bleibt Lyngby BC nur die Erkenntnis, dass Schönheit nicht immer belohnt wird - und SC Fyn die süße Genugtuung, als Pokalschreck weiterzuträumen. Und irgendwo in der Kabine summte einer wohl leise: "Ein Pokalabend, an den man sich erinnert - oder lieber vergisst." 11.10.643987 01:13 |
Sprücheklopfer
Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
Otto Rehhagel über Querelen in der Führungsetage des FCK