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Es war ein Dienstagabend, an dem der Fußball in Farum kurzzeitig seinen Verstand verlor - und das Publikum von 34.502 Zuschauern jede Sekunde davon genoss. Nordsjälland unterlag zu Hause gegen Lyngby BC mit 2:3, obwohl die Gastgeber über weite Strecken das Spiel bestimmten. 63 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse, zwei frühe Treffer - und am Ende doch kein Punkt. Fußball kann grausam sein. Schon in der vierten Minute bebte das Stadion, als der 17-jährige Bent Kristensen, der gerade erst seinen Schulabschluss plant, die Kugel nach einer butterweichen Flanke von Innenverteidiger Lennart Albertsen trocken ins Eck jagte. Trainer Kiki Ötzi riss die Arme in die Luft, und man hörte ihn noch auf der Pressetribüne jubeln: "So will ich das sehen - mutig, direkt, frech!" Doch kaum hatte sich der Torjubel gelegt, konterte Lyngby eiskalt. Nur eine Minute später schickte Bodil Graversen den pfeilschnellen Bjarke Juul auf die Reise. Der 22-Jährige ließ Keeper Sergio Makukula keine Chance. 1:1 nach fünf Minuten - und die Partie war endgültig entfesselt. Lyngby, von Coach Hans Kellershoff mit einer offensiven Marschroute ausgestattet, roch Blut. In der zehnten Minute schlug Juul erneut zu, diesmal nach Vorarbeit von Innenverteidiger Louis Herzog. Zwei Tore in sechs Minuten - und der junge Däne grinste später: "Ich dachte, ich träume. Normalerweise dauert’s bei mir 80 Minuten, bis ich wach bin." Nordsjälland ließ sich davon nicht entmutigen. Rechtsaußen Gerritt Schermerhorn, 28 Jahre jung, antwortete in der 16. Minute mit einem satten Schuss nach Vorlage des erst 18-jährigen Olaf Sogaard. 2:2 - und der neutrale Zuschauer hatte längst vergessen, dass das Spiel eigentlich erst begonnen hatte. Die erste Halbzeit war ein wilder Tanz: beidseitig hohes Tempo, Chancen im Minutentakt, aber auch erste Nicklichkeiten. Schon in der ersten Minute hatte Albertsen eine Gelbe Karte gesehen - vermutlich, um zu zeigen, dass er auch wach war. Nach der Pause beruhigte sich das Geschehen kurz, nur um in der 54. Minute wieder zu explodieren. Elias Van Ranst, der erfahrene Mittelstürmer Lyngbys, köpfte nach Flanke des agilen Damian Granados zum 3:2 ein. Es war die Szene, die den Spielverlauf auf den Kopf stellte. Lyngby hatte bis dahin kaum Ballbesitz - ganze 36 Prozent -, doch Effizienz schlägt Ästhetik, wie man sagt. "Wir haben Nordsjälland laufen lassen - absichtlich!", grinste Kellershoff später. "Sollen die sich doch müde kombinieren." Und tatsächlich: Nordsjälland lief, kombinierte, schoss - aber traf nicht mehr. Christoffer Klausen probierte es gleich mehrfach (19., 22., 34., 44., 61., 75. Minute), doch Torhüter Luís Bergantinos hatte einen dieser Abende, an denen selbst flatternde Bananenflanken ihm nur ein müdes Lächeln entlockten. Dann die 79. Minute: Lyngbys Mittelfeldmotor Noah Reimann rauscht in einen Zweikampf, trifft mehr Gegner als Ball - und sieht glatt Rot. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", stammelte er später in der Mixed Zone. Trainer Kellershoff verzog keine Miene: "Er war eben ein bisschen zu sehr da." Mit einem Mann mehr warf Nordsjälland alles nach vorn. Doch Lyngby verteidigte mit Herz, Humor und gelegentlicher Panik. Van Ranst humpelte nach einem Zusammenprall vom Platz (82.), wurde für ihn Harvey Lochiel eingewechselt, der sofort einen Konter startete - und fast das 4:2 erzielte. In den Schlussminuten schien das Spiel in Zeitlupe zu laufen: Gabriel Hoj prüfte in der 89. Minute noch einmal Bergantinos, doch der blieb unbezwingbar. Der Schlusspfiff fühlte sich für Nordsjälland an wie das Ende eines bitteren Witzes. "Wir waren die klar bessere Mannschaft", knurrte Trainer Ötzi hinterher. "Aber leider zählt das nicht auf der Anzeigetafel." Und fügte mit einem gequälten Lächeln hinzu: "Vielleicht beim nächsten Mal, wenn wir statt Toren Punkte fürs Passspiel bekommen." Lyngby hingegen feierte ausgelassen, als hätte man soeben die Meisterschaft gewonnen. Bjarke Juul wurde zum Mann des Abends gewählt, und während er auf dem Rasen mit den Fans Selfies machte, hörte man einen Kollegen murmeln: "Der Junge wird noch teuer." Am Ende stand ein 3:2, das in Erinnerung bleiben wird - nicht wegen taktischer Finesse, sondern wegen blanker Fußballlust. Ein Spiel, das alles hatte: Tore, Karten, Drama, Verletzungen und ein Publikum, das kaum zum Sitzen kam. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Ich wollte eigentlich nur ein ruhiges Spiel sehen. Jetzt brauch ich erst mal ’nen Tee." Und wer weiß - vielleicht war das gar nicht die Niederlage Nordsjällands, sondern der Beginn von Kristensens Legende. 04.05.643994 07:39 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
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