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Es war ein lauer Januarabend in Asunción, aber auf dem Rasen des Estadio de la Luna brannte es schon in der vierten Minute lichterloh: Der 18-jährige Lionel Enriquez von UD 2 de Mayo zündete nach einem feinen Steilpass von Sergi Makukula den Turbo und schob eiskalt zum 0:1 ein. Die 12.500 Zuschauer rieben sich noch die Augen - und der Stadionsprecher war kaum fertig mit der Toransage, als die Gastgeber sich bereits die nächste Ohrfeige abholten: Fast wäre Carl Simao nachgelegt, doch Luna-Torwart Ramon Conceicao roch den Braten. Was dann folgte, war ein Sturmlauf, wie man ihn von Luna America in dieser Saison noch nicht gesehen hatte. "Nach dem Rückstand hat’s bei uns Klick gemacht", grinste Stürmer Humberto Ximenez nach dem Spiel. Klick machte es in der 24. Minute gleich doppelt: Erst schlenzte Ximenez den Ball nach Vorarbeit von Jacinto Pinto humorlos ins lange Eck - Ausgleich! Nur 60 Sekunden später kopierte das Duo die Szene fast in Zeitlupe. Wieder Pinto über links, wieder Ximenez, wieder drin. 2:1, das Stadion tobte. Trainer Nurullah Sahin von 2 de Mayo stand da wie jemand, der gerade erfahren hat, dass seine Kaffeemaschine explodiert ist. "Wir haben zwei Mal denselben Fehler gemacht. Das darf auf diesem Niveau nicht passieren", knurrte er später. Seine Jungs reagierten immerhin mit jugendlichem Trotz: Der blutjunge Tim Lorenz, gerade einmal 18, drosch in der 37. Minute einen Abpraller volley unter die Latte - 3:2, pardon, 3:2? Nein, 3:2 war’s noch nicht, denn zu diesem Zeitpunkt führte Luna America bereits 3:1. Den dritten Treffer hatte Adrian Antonio in der 31. Minute beigesteuert, nach einer butterweichen Hereingabe von Jose Ochoa. "Ich habe einfach den Fuß hingehalten", sagte Antonio bescheiden. "Na ja, und gehofft, dass er nicht ins Parkhaus fliegt." So stand es nach 37 Minuten tatsächlich 3:2 - ein Halbzeitstand, der wie das Ergebnis eines Tischfußballspiels bei Freunden klang: wild, unkontrolliert, aber verdammt unterhaltsam. In der zweiten Halbzeit versuchte UD 2 de Mayo, das Spiel zu beruhigen. Ballbesitz hin oder her - 48 Prozent reichten nicht, um Luna America ernsthaft ins Wanken zu bringen. Während Luna 18 Torschüsse abfeuerte, kamen die Gäste nur auf sechs - und das sagt viel über den Verlauf der Partie. Besonders Ximenez hatte an diesem Abend offenbar ein Dauerabo im gegnerischen Strafraum: Er schoss in der 18., 24., 25., 48., 62., 66., 78., 80. und 93. Minute aufs Tor. Zwischendurch, so witzelte ein Zuschauer, hätte er eigentlich schon ein Treueheft für Torschüsse bekommen sollen. In der 62. Minute wurde das Spiel kurz unterbrochen, als UD-Verteidiger Julio Vazques verletzt vom Platz musste. Trainer Sahin brachte den jungen Anthony Aprigliano, der anschließend tapfer kämpfte, aber den Druck der Luna-Offensive kaum abfedern konnte. "Wir sind jung, wir lernen", meinte Aprigliano nach dem Abpfiff, während er sich ein Eispack auf das Knie drückte. Luna America blieb bis zum Schluss offensiv - laut Taktikdaten mit einer konsequent offensiven Ausrichtung, aber ohne Pressing. "Pressing? Wozu? Wir hatten doch den Ball!", lachte Ximenez in der Mixed Zone. Ganz unrecht hatte er nicht: Mit 51,7 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote von knapp 55 Prozent dominierte sein Team das Geschehen. UD 2 de Mayo versuchte es in den letzten Minuten noch einmal über die Flügel, vor allem über den agilen Arnau Domingos, doch dessen Schüsse verfehlten das Ziel. In der 86. Minute handelte sich Linksverteidiger Carlos Viqueira noch eine Gelbe Karte ein - sinnbildlich für einen Abend, an dem die Gäste oft einen Schritt zu spät kamen. Nach dem Schlusspfiff fiel Luna-Trainer (dessen Name der Verband uns, wie üblich, verschwiegen hat) seinem Matchwinner Ximenez um den Hals. "Das war kein schönes Spiel, aber ein schönes Ergebnis", meinte er trocken. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen, wohl wissend, dass es irgendwann auch mal wieder anders laufen kann. Doch an diesem 3. Spieltag der 1. Liga Paraguay war Luna America einfach das Team mit dem größeren Willen, der besseren Laune - und dem treffsichereren Ximenez. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Drei Tore in einer halben Stunde? Wenn die so weitermachen, muss ich mir neue Nerven kaufen." Und wer weiß - vielleicht auch schon bald ein Ticket für das nächste Heimspiel. 22.02.643987 08:56 |
Sprücheklopfer
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Lothar Matthäus