Canadian Soccer
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London United stolpert, Quebec Blues tanzen - ein Abend voller Ironie und Effizienz

Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 49.431 Zuschauer im London Stadium - und am Ende ein Ergebnis, das die Heimfans frösteln ließ: London United verlor am 28. Spieltag der 1. Liga Kanada mit 1:3 gegen die Quebec Blues. Dabei hatte die Mannschaft von Ron Wiesel eigentlich alles, was man für einen Heimsieg braucht - Ballbesitz, Einsatz, und sogar ein frühes Erfolgserlebnis. Quebec aber hatte etwas, das London fehlte: Zielstrebigkeit und einen gewissen Julien Malfoy.

Der 34-jährige Rechtsaußen der Blues erwischte einen dieser Abende, an denen alles gelang. Schon in der 5. Minute brachte er sein Team nach einem schnellen Angriff über den linken Flügel in Führung. "Ich habe nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste Malfoy nach dem Spiel - was, wenn man seine Präzision sah, kaum glaubwürdig klang. Vorlagegeber Sergio Espinosa schmunzelte daneben: "Das war ein Pass aus der Kategorie ’Bitte verwandel mich’."

London United reagierte prompt. Der junge Mittelfeldmotor Adam Caron, 23 Jahre jung und mit der Ruhe eines alten Haudegens, glich in der 13. Minute aus. Nach schöner Vorarbeit von Vitorino Vidigal schlenzte Caron den Ball ins lange Eck. Das Stadion tobte, Trainer Wiesel ballte die Faust - und murmelte später: "Für diesen Moment lohnen sich die Nächte mit kaltem Instantkaffee und Videostudium." Leider blieb es der einzige Moment, in dem sich seine Arbeit auszahlte.

Denn die Blues, taktisch defensiv eingestellt, aber giftig in jeder Balleroberung, zogen ihr Spiel gnadenlos durch. Trotz nur 44 Prozent Ballbesitz feuerten sie 15 Torschüsse ab - dreimal so viele wie die Gastgeber. Der nächste Wirkungstreffer kam kurz vor der Pause: Joseph Johnstone, der rechte Mittelfeldspieler mit dem eleganten Laufstil eines Stepptänzers, traf in der 39. Minute nach klugem Zuspiel von Christopher Berard zum 2:1. London wankte, die Fans schauten ungläubig - und Quebecs Trainer Lutz Lindemann wirkte, als hätte er gerade ein Schachmatt in vier Zügen angekündigt. "Wir wussten, dass sie kommen würden", sagte er später, "aber wir wussten auch, dass sie gehen müssen, wenn wir sie genug laufen lassen."

Die zweite Halbzeit war ein Musterbeispiel an taktischer Disziplin der Gäste - und an Ideenlosigkeit der Gastgeber. London drückte, kombinierte, zählte Pässe wie Buchhalter, aber echte Gefahr blieb rar. Quebecs Torwart Jerome Leachman musste nur selten eingreifen, während seine Vorderleute das Spiel mit Gelben Karten würzten: Yves Crichton (28.), Polikarp Iwanow (71.), Paul Musgrave (92.) und Linus Wiese (94.) sahen alle Gelb - ein Hinweis darauf, dass "aggressiv" in Lindemanns Taktikmappe kein theoretischer Begriff ist.

London hingegen kassierte zwei harmlose Verwarnungen, die mehr Frust als Härte zeigten. Vincent Lenentine (67.) und Dylan McLeod (73.) griffen beherzt, aber zu spät ein. "Ich wollte nur den Ball", rechtfertigte sich McLeod nach dem Spiel, "aber leider war der Gegner näher dran."

Und dann kam Malfoy wieder. In der 86. Minute, als London alles nach vorne warf, konterten die Blues eiskalt. Wieder war es Espinosa, der den Ball auf den rechten Flügel chipte, wieder war Malfoy da - und wieder zappelte der Ball im Netz. 3:1. Der Rest war Schweigen, zumindest auf den Tribünen. Nur die paar hundert mitgereisten Fans aus Quebec sangen sich durch die Nachspielzeit, während Lindemann auf der Bank stoisch kaute - vermutlich an einem Kaugummi, vielleicht aber auch an einem taktischen Gedanken für das nächste Spiel.

Statistisch gesehen war es ein kurioser Abend: London hatte 56 Prozent Ballbesitz, aber nur fünf Torschüsse. Quebec dagegen schoss 15-mal, gewann mehr Zweikämpfe (54,5 Prozent) und wirkte dabei, als hätten sie das Drehbuch des Spiels schon vorher gelesen. "Wir haben uns an unseren Plan gehalten", sagte Lindemann, "und der hieß: Lass sie spielen, aber nicht treffen."

Ron Wiesel dagegen suchte nach Worten. "Wir wollten mutig auftreten", seufzte er. "Leider waren wir hauptsächlich mutig darin, Chancen zu vergeben." Kapitän Caron versuchte es optimistischer: "Wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können - jetzt müssen wir nur noch gewinnen."

Am Ende blieb das Flutlicht an, die Fans gingen, und irgendwo in der Kabine von London United knarrte eine Tür, als wolle sie sagen: Manchmal ist Ballbesitz eben nur die Illusion von Kontrolle.

Ein Abend für Statistikfreunde, Taktikliebhaber - und für alle, die wissen, dass Effizienz oft lauter spricht als Ästhetik.

09.12.643987 05:18
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