// Startseite
| La Nacion |
| +++ Sportzeitung für Paraguay +++ |
|
|
|
Ein lauer Sommerabend, 42.718 Zuschauer im Estadio Municipal, und am Ende ein einziger Treffer, der die Geschichte des sechsten Spieltags in der 1. Liga Paraguay schrieb: CF Taquari schlägt Atletico Luqueno mit 1:0. Kein Torfestival, keine epische Aufholjagd - aber ein Lehrstück in Geduld, Präzision und, wenn man Trainer Tim Thaler glauben mag, "gesunder Sturheit". Von Beginn an ließ Thalers Mannschaft keinen Zweifel daran, dass sie das Spiel in die Hand nehmen wollte. Ein Ballbesitz von 51 Prozent klingt unscheinbar, aber wer zusah, merkte schnell: Taquari kontrollierte das Tempo. Atletico Luqueno hingegen, taktisch brav "balanced" aufgestellt, schien sich anfangs mehr für geometrische Ordnung als für Spielfreude zu interessieren. "Wir wollten erst mal Stabilität", rechtfertigte Luquenos Coach hinterher auf Nachfrage, während er mit müdem Lächeln nach seiner Wasserflasche griff. Die ersten zwanzig Minuten gehörten trotzdem dem Gast. Sergio Simao, ein Innenverteidiger mit Fernschussambitionen, prüfte in der 19. Minute Keeper Alf Abramson aus der Distanz - und verzog knapp. Eine Minute später versuchte es Xavi Longas, ebenfalls für Luqueno, diesmal flach und gefährlich, doch Abramson tauchte blitzschnell ab. Danach war’s das mit den Offensivversuchen der Gäste. Dann kam die 32. Minute - und mit ihr Lionel Xavier. Der linke Flügelstürmer, 31 Jahre alt, erfahrener als manche Abwehrreihen, bekam einen feinen Pass von Andre Maier. Zwei schnelle Schritte, ein kurzer Blick, ein Schlenzer ins lange Eck. 1:0. Die Arena explodierte, und Xavier rannte jubelnd in Richtung Trainerbank. Später erklärte er: "Andre hat mich gesehen, bevor ich selbst wusste, dass ich da stehe." Maier grinste dazu nur und meinte trocken: "Wenn er den nicht macht, hätte ich ihn selbst angeschrien." Nach dem Führungstreffer blieb Taquari dran. Lionel Hermenegildo, der rechte Außenverteidiger, prüfte kurz vor der Pause den gegnerischen Keeper, der sich mit einer Parade in den Vordergrund spielte. Kurz darauf musste Atletico reagieren - und tat das unfreiwillig: Rechtsverteidiger Alejandro Gil verletzte sich in der 45. Minute und wurde durch Rui Galindo ersetzt. In der Pause wechselte auch Thaler dreifach. "Ich wollte frische Beine, nicht weil die alten schlecht waren, sondern weil ich mich alt fühle, wenn ich keine Wechsel mache", witzelte der Coach später. Andre Maier kam für Ricardo Velez, Carl Barbosa ersetzte Hermenegildo, und Xabier Maniche durfte für Carlos Deco ran. Die zweite Hälfte gehörte wieder Taquari - zumindest statistisch. Insgesamt 13 Schüsse aufs Tor stehen am Ende zu Buche, gegen nur drei von Luqueno. Ricardo Velez und Leah Revivo probierten es mehrfach, doch der zweite Treffer wollte einfach nicht fallen. Besonders spektakulär: In der 76. Minute dribbelte sich Xavier durch drei Verteidiger, nur um dann aus spitzem Winkel über das Stadiondach zu schießen. "Ich wollte die Tauben aufwecken", scherzte er danach. Atletico Luqueno fand offensiv kaum statt. Ein Torschuss von Isidoro da Costa in der 74. Minute - das war’s. Dafür gab es Gelb für Patrik Reimann in der 68. Minute, als er nach verlorenem Zweikampf frustriert den Ball wegschlug. "Das war kein Frust, das war Kunst", meinte Reimann später, doch der Schiedsrichter blieb unbeeindruckt. In der Schlussphase wurde es noch einmal ruppig. Hermenegildo, längst ausgewechselt und auf der Bank, sah in der 89. Minute Gelb wegen unsportlichen Verhaltens - offenbar hatte er dem Linienrichter etwas zur Modenauswahl gesagt. Trainer Thaler nahm’s gelassen: "Er hat Geschmack, was soll ich machen?" Als der Schlusspfiff ertönte, atmete das Stadion auf. Ein knappes 1:0, aber eines mit Charakter. Der Sieg war verdient, das zeigte nicht nur die Torschussbilanz (13:3), sondern auch die Zweikampfquote: 56 Prozent für Taquari. Atletico Luqueno wirkte tapfer, aber zahnlos - als hätten sie vergessen, dass man zum Tore schießen auch schießen muss. "Wir müssen mutiger werden", gestand ein sichtlich frustrierter Luqueno-Kapitän nach dem Spiel. "Manchmal spielen wir, als wäre das Tor radioaktiv." Trainer Thaler hingegen klopfte seinem Matchwinner Xavier auf die Schulter: "Lionel ist heute gelaufen wie ein 20-Jähriger - und getroffen wie ein 31-Jähriger." Ein Satz, der vielleicht das ganze Spiel zusammenfasst: Erwachsen, kontrolliert, manchmal zu vorsichtig - aber erfolgreich. CF Taquari bleibt mit diesem Sieg oben dran, während Atletico Luqueno weiter auf der Suche nach der eigenen Identität durch die Liga taumelt. Und irgendwo zwischen den jubelnden Fans und dem mürrischen Gegner stand Lionel Xavier, grinste in die Kameras und sagte: "Wenn’s sein muss, gewinne ich auch 1:0 - Hauptsache, wir spielen schöner als das Ergebnis klingt." Ein schmaler Sieg, aber einer mit Stil. 17.03.643987 23:24 |
Sprücheklopfer
Die Alte ist trotzdem unheimlich in Ordnung! Ich habe sie kennengelernt, als ihr Zahnarzt mir das Esszimmer neu tapeziert hat. Kerstin merkte sofort, dass ich bei der Behandlung ein bißchen Schiss hatte. Sie hielt mir ganz lieb das Händchen.
Rudi Assauer über seine neue 24-jährige Lebensgefährtin, die als Zahnarzthelferin arbeitet