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Leones beißen sich fest, Santa Cruz trifft dreimal - und lacht zuletzt

Ein lauer Januarabend in Bilbao, 60.224 Zuschauer, Flutlicht über dem San Leones-Stadion, und ein Spiel, das so ziemlich alles hatte - außer defensive Ordnung. Leones Bilbao verlor vor heimischem Publikum mit 2:3 gegen das clevere, auf Konter lauernde CD Santa Cruz. Es war ein Duell zwischen Ballbesitz und Effizienz, zwischen Schönheit und Pragmatismus - kurz: ein Fußballabend, wie ihn Taktikfüchse lieben und Torhüter hassen.

Trainer Ferdinand Mayer von den Leones stand noch lange nach dem Abpfiff auf der Seitenlinie, die Hände in den Taschen vergraben. "Wir hatten über 57 Prozent Ballbesitz, 13 Schüsse aufs Tor - und trotzdem stehen wir mit leeren Händen da", murmelte er später in die Mikrofone. "Manchmal fühlt sich Fußball an wie ein schlechter Witz." Santa-Cruz-Coach Markus Trölsch grinste daneben nur und sagte trocken: "Dann waren wir heute eben die Pointe."

Dabei hatte alles gut begonnen - zumindest für neutrale Zuschauer. In der 18. Minute sprintete Daniel Arnaud, Santa Cruz’ quirliger Linksaußen, in den Strafraum, nachdem Vincent Couto einen butterweichen Pass aus der Tiefe spielte. Arnaud blieb cool, schob den Ball an Keeper Ignacio Vasco vorbei - 0:1. Mayer drehte sich zur Bank und klatschte spöttisch in die Hände: "Wenigstens ist jetzt der Wecker an!"

Bilbao antwortete prompt. Nur zwei Minuten später zimmerte Diego di Catanzaro den Ball nach einer abgefälschten Ecke von Esteban Cercas ins Netz. Das Stadion kochte, Mayer pumpte die Faust, und die Leones witterten Blut. Doch Arnaud hatte andere Pläne. In der 28. Minute legte Juan Olazabal ihm den Ball perfekt in den Lauf - und der 23-Jährige schnürte eiskalt seinen Doppelpack. "Ich hatte noch Sand in den Schuhen vom letzten Strandtraining", witzelte Arnaud nach dem Spiel, "aber der Ball lief wie auf nassem Asphalt."

Zur Pause stand es 1:2, und Bilbao rannte, passte, flankte - aber Santa Cruz lauerte. Trölsch schickte zur zweiten Hälfte frisches Blut aufs Feld: der 21-jährige Jose Ochoa kam für den zweifachen Torschützen Arnaud, "um den Leones noch ein bisschen mehr Kopfzerbrechen zu machen", wie er später süffisant anmerkte.

Mayers Männer spielten weiter mutig über die Flügel - 13 Torschüsse insgesamt, davon viele über die rechte Seite durch den unermüdlichen Aitor Pena. In der 76. Minute wurde Pena schließlich belohnt, als er nach Doppelpass mit Fernando Dominguez die Kugel zum 2:2-Ausgleich ins lange Eck schlenzte. Der Jubel war ohrenbetäubend, Mayer riss die Arme hoch - man spürte, das Spiel könnte kippen.

Doch kaum war der Torschütze wieder in der eigenen Hälfte angekommen, schlug Santa Cruz erneut zu. Zwei Minuten nach dem Ausgleich: eine schnelle Kombination, ein weiter Pass von Innenverteidiger Jose Ramos, Ochoa startet, zieht ab - 2:3. Eiskalt. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", gab Keeper Vasco später zu. "Nur das Netz hat gezuckt - und unser Stadionsprecher hat geweint."

Bilbao versuchte in der Schlussphase alles, brachte mit Bataillard und Morte frische Kräfte für die Abwehr, die jedoch kaum noch gefordert war - Santa Cruz igelte sich clever ein. Die Gäste schossen insgesamt nur neunmal aufs Tor, aber trafen dreimal. Effizienz, thy name is Santa Cruz.

In der Nachspielzeit zirkelte Adrian Cascon, der 17-jährige Hoffnungsträger Bilbaos, noch einen Schuss knapp über die Latte - und hämmerte danach frustriert gegen den Pfosten. "Er wollte nur prüfen, ob der noch stabil ist", kommentierte Mayer zynisch. "War er - leider."

Statistisch gesehen war Bilbao überlegen: mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Schüsse. Doch Santa Cruz zeigte, dass Fußball keine Mathematik ist. "Wir haben einfach das Tor getroffen, das zählt", grinste Trölsch nach dem Abpfiff, während Arnaud, der Mann des Abends, sich ein Selfie mit den mitgereisten Fans gönnte.

Am Ende blieb für die Leones nur der bittere Trost, dass man wenigstens schön verloren hatte. Und vielleicht wäre das Ergebnis anders ausgegangen, hätte der Schiedsrichter in der 85. Minute nicht so auffällig seine Uhr studiert, als Pena im Strafraum fiel. Aber Mayer winkte ab: "Das war kein Elfmeter - das war ein Kunstprojekt."

So geht der 11. Spieltag der 1. Liga Spanien mit einem unterhaltsamen 2:3 zu Ende, das in Bilbao noch für Gesprächsstoff sorgen wird. Und irgendwo in Santa Cruz wird Daniel Arnaud noch immer grinsen.

Oder, wie Trölsch es formulierte: "Manchmal reicht ein Konter mehr, um die ganze Statistik auszuhebeln."

14.05.643987 22:10
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Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
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