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Wenn 46.648 Zuschauer an einem frostigen Jännerabend im Dornbirner Stadion zusammenkommen, um Fußball zu sehen, dann weiß man: Hier brennt die Luft - und heute auch die Flutlichtanlage. Union Dornbirn besiegte Blau-Gelb Wien mit 1:0 und zeigte dabei, dass solide Arbeit, ein Quäntchen Glück und ein gewisser Alexandre Lefebvre manchmal mehr wert sind als Ballbesitzstatistiken und Schönspielerei. Von Beginn an versuchte Blau-Gelb Wien, das Spiel an sich zu reißen. Schon in der ersten Minute prüfte Jorge Exposito den Dornbirner Keeper Uwe Kremer - der junge Torwart, kaum älter als manche Stadionwurst, parierte souverän. "Den musste ich haben, sonst hätte der Trainer mich wohl gleich wieder nach Hause geschickt", grinste Kremer später mit einem Augenzwinkern. Doch danach übernahm Union das Kommando. Die Hausherren spielten, wie es Trainer Olaf Dragon gern sieht: aggressiv, laufstark, und über die Flügel. Matthew Leachman und Ben Pfeiffer rissen auf den Außenbahnen Löcher in die Wiener Hintermannschaft, während im Zentrum Andre Savard und Werner Pohl die Fäden zogen. Allein: Das Tor wollte lange nicht fallen. Chancen gab es reichlich - 15 Torschüsse am Ende sprechen eine klare Sprache, aber bis zur 42. Minute blieb der Torjubel ein ferner Traum. Dann jedoch der Moment des Abends: Leachman zieht links an seinem Gegenspieler vorbei, flankt präzise in den Strafraum, und Alexandre Lefebvre - dieser Mann scheint immer genau dort zu stehen, wo der Ball hinfällt - vollendet trocken ins lange Eck. 1:0! Das Stadion bebte, die Tribünen wackelten, und selbst die Ordner grinsten kurz. "Ich hab einfach gespürt, dass Matthew flankt", erklärte Lefebvre später. "Wir haben das gestern im Training genau so gemacht - naja, fast so. Da hab ich den Ball übers Fangnetz geschossen." Blau-Gelb Wien wirkte im Anschluss konsterniert. Trainer Patrick Jurkovitz gestikulierte wild an der Seitenlinie und rief seinem Team zu: "Mehr Mut, Männer! Wir spielen hier nicht auf Friedhofsruhe!" Doch der Mut blieb in der Kabine. Dornbirn hatte das Spiel weitgehend im Griff, auch wenn die Wiener im zweiten Durchgang mutiger wurden. Salvador Xuarez und der junge Guillermo Assis versuchten es mit Distanzschüssen, doch Kremer blieb die Ruhe selbst. Einziger Aufreger der zweiten Halbzeit: In der 73. Minute sah Wiens Innenverteidiger Fernando Velasquez Gelb, nachdem er Lefebvre etwas zu herzlich in die Bande geschubst hatte. "Ich wollte nur Hallo sagen", meinte Velasquez nach dem Spiel mit einem Grinsen, das eher nach Reue als nach Spaß aussah. Kurz darauf reagierte Jurkovitz mit einem Dreifachwechsel - junge Kräfte wie Mike Maus und Julius Adler kamen, aber der erhoffte Impuls blieb aus. Union Dornbirn hingegen spielte die Partie clever zu Ende. In der 87. Minute hätte Orkut Aslan fast alles klar gemacht, doch sein Schuss zischte um Zentimeter am Pfosten vorbei. Trainer Olaf Dragon blieb trotzdem gelassen: "Ich sag’s immer wieder: Wir schießen lieber ein Tor zu wenig und gewinnen, als zwei zu viel und verlieren." Ein Satz, der nur in Dornbirn wirklich Sinn ergibt. Statistisch betrachtet war das Spiel ausgeglichen - 52 Prozent Ballbesitz für Dornbirn, 48 für Wien. Aber während die Gäste ihre sieben Torschüsse eher als höfliche Anfragen an Kremer verstanden, prüften die Hausherren den Wiener Schlussmann Ricardo Valdes gleich fünfzehnmal. Der hatte am Ende wohl blaue Flecken auf beiden Handschuhen - und trotzdem das Nachsehen. In den letzten Minuten zog sich Dornbirn zurück, brachte in der 91. Minute noch Verteidiger Werner Lopez für den müden Tiago Jordao. "Ich hab den Jungs gesagt: Macht hinten dicht, sonst gibt’s morgen kein Frühstück", verriet Dragon lachend. Und tatsächlich: Lopez blockte in der Nachspielzeit noch einen gefährlichen Schuss von Exposito, bevor Schiedsrichterin Renate Huber die Partie abpfiff. Blau-Gelb Wien wirkte nach dem Schlusspfiff ratlos. "Wir haben nicht schlecht gespielt", meinte Jurkovitz. "Aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb - sonst hätten wir heute sicher gewonnen." Dornbirn dagegen feierte ausgelassen, Lefebvre wurde von den Fans mit Sprechchören bedacht. Und irgendwo in der Kabine soll Uwe Kremer leise gesungen haben: "Nur ein Tor, aber drei Punkte." Union Dornbirn klettert damit in der Tabelle nach oben, während Blau-Gelb Wien weiter nach Form sucht. Vielleicht finden sie sie ja beim nächsten Heimspiel - irgendwo zwischen Mut und Abschluss. Dornbirn jedenfalls fand heute Abend, was sie brauchten: ein Tor, einen Helden und 46.648 glückliche Gesichter. Oder, wie Olaf Dragon es trocken zusammenfasste: "Manchmal ist 1:0 einfach das schönste Ergebnis der Welt." 18.03.643987 07:17 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand