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Ein Freitagabendspiel, Flutlicht, 37.507 Zuschauer - und ein Ergebnis, das keiner so recht wollte, aber alle akzeptieren mussten: Der FC Pforzheim und der SC Saar trennten sich am 21. Spieltag der 1. Liga mit einem 1:1. Ein Spiel, das weniger durch fein ziselierte Taktik als durch pure Emotion in Erinnerung bleiben wird. Schon in der ersten Halbzeit war klar, wer hier das Kommando übernehmen wollte. Pforzheim ließ den Ball laufen, mehr als 58 Prozent Ballbesitz, das roch nach Kontrolle. Aber Saar, von Trainer Peter Wessel offensiv eingestellt und mit ordentlich Pfeffer in den Zweikämpfen, lauerte auf Konter. "Wir wussten, dass Pforzheim gerne den Ball hat. Wir wollten, dass sie ihn behalten - aber an der falschen Stelle", grinste Wessel nach dem Spiel. Und tatsächlich: Schon in der 8. Minute prüfte Benjamin Cabell den jungen Pforzheimer Keeper Gianluigi Donnarumma, der allerdings nichts mit dem berühmten Namensvetter zu tun hat, außer vielleicht der Gelassenheit. "Ich hab den Ball einfach gesehen und gedacht: bitte nicht gleich am Anfang!", sagte der 18-Jährige später und lachte dabei - so, wie nur jemand lachen kann, der gerade einen Punkt gerettet hat. Saar schoss und schoss: Kirchner (15.), Miro (31., 36., 42.) - die Gäste wirkten wie ein Kind im Süßwarenladen, das sich nicht entscheiden kann. Pforzheim dagegen spielte hübsch, aber harmlos. Erst kurz vor der Pause ein Lebenszeichen: Kevin Maier zog aus 20 Metern ab, aber Saar-Keeper Vincent del Olmo lenkte den Ball mit einer Hand über die Latte. Trainer Max Kaufmann reagierte an der Seitenlinie mit einem Gesichtsausdruck zwischen "beeindruckt" und "verzweifelt". Dann kam die 46. Minute - und Nestor Miro, Saars Mittelstürmer mit dem Hang zum Drama. Nach einem klugen Zuspiel von Juanito Ximenes schob er eiskalt ein. 1:0 Saar. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, lag Pforzheim hinten. Die Gästebank jubelte, Wessel sprang in die Arme seines Co-Trainers. "Endlich!", soll er gebrüllt haben, bevor er sich schnell wieder setzte - vielleicht aus Aberglaube. Doch Pforzheim antwortete. Nur zehn Minuten später, 56. Minute: Uwe Bayer, der 33-jährige Mittelfeld-Routinier, spielte einen dieser Pässe, die man nur mit Erfahrung hinbekommt - und Kevin Maier verwandelte trocken zum 1:1. "Ich hab einfach draufgehauen", meinte Maier nach dem Spiel, "und gehofft, dass der Ball diesmal nicht den Parkplatz trifft." Das Stadion tobte, 37.000 Kehlen wie ein einziger Chor. Von da an war es ein offener Schlagabtausch, wobei Saar weiter gefährlicher blieb (13 Torschüsse zu Pforzheims 5). Miro, der schon das 1:0 erzielt hatte, bekam in der 55. Minute noch eine Riesenchance, verzog aber knapp. "Ich wollte’s schön machen, nicht nur reinmachen", murmelte er später entschuldigend. In der 68. Minute holte sich Kevin Maier dann Gelb ab - ein taktisches Foul, wie es im Lehrbuch steht. "Ich hab ihn nur leicht berührt", verteidigte er sich. "Ja, mit beiden Beinen", konterte ein Saar-Spieler lachend im Kabinengang. Die Schlussphase gehörte wieder Saar. Beltrame (73.) und Blanchard (77.) prüften Donnarumma, der mit glänzenden Paraden einen Rückstand verhinderte. Und als Schiedsrichter Müller vier Minuten Nachspielzeit anzeigte, hörte man von der Pforzheimer Bank nur ein kollektives "Oh nein". Doch der junge Keeper hielt, was zu halten war. Trainer Kaufmann war nach dem Abpfiff hin- und hergerissen: "Wir wollten drei Punkte, klar. Aber nach so vielen Saar-Chancen müssen wir den einen feiern." Kollege Wessel sah’s ähnlich - wenn auch mit leichtem Unterton: "Wenn du 13 Mal aufs Tor schießt und nur einmal triffst, dann ist das kein Pech mehr, sondern Kunstfehler." Am Ende blieb ein Remis, das beiden nicht wirklich half, aber niemandem schadete. Pforzheim spielte brav seinen Ballbesitzfußball, Saar war gefährlicher, aggressiver, aber eben nicht kaltschnäuzig genug. Vielleicht war das 1:1 sogar gerecht - so gerecht, wie Fußball eben sein kann, wenn er sich gerade nicht für Gerechtigkeit interessiert. Und während die Fans noch die letzten Bratwürste kauften und Donnarumma Selfies mit Kindern machte, hörte man aus der Sprecherkabine den Satz des Abends: "Beide Teams hätten gewinnen können - aber das wäre dann ja unfair gewesen." So endete ein Spiel, das keiner vergaß, obwohl keiner wirklich gewonnen hatte. 20.05.643993 05:27 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic