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Es war ein nasskalter Februarabend in Wiesbaden, doch die 16.000 Zuschauer im Stadion erlebten am 32. Spieltag der 3. Liga ein Fußballspiel, das ihnen am Ende ordentlich einheizte. 86 Minuten lang kämpften der VfB Wiesbaden und der SV Bremen um jeden Meter - mit viel Einsatz, wenig Glanz und einem Tor, das so spät fiel, dass einige Fans schon Richtung Ausgang schielten. Dann kam Georgios Ninis. Der 32-jährige Rechtsaußen, bislang eher durch unermüdliches Anlaufen als durch Torgefahr aufgefallen, traf in der 86. Minute zum erlösenden 1:0. Nach feiner Vorarbeit von Aitor Tortosa schob Ninis den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck - und das Stadion explodierte. "Ich hab nur gesehen, dass Aitor den Ball perfekt reinlegt. Da musste ich einfach die Augen schließen und hoffen, dass er reingeht", grinste Ninis nach Abpfiff. Bis dahin war es ein Geduldsspiel gewesen, das eher an eine Schachpartie als an ein Spektakel erinnerte. Beide Teams agierten taktisch ausgewogen, mit viel Ballbesitz im Mittelfeld und wenig Risiko. Wiesbaden hatte mit 53 Prozent leicht die Nase vorn, Bremen lauerte auf Konter, die aber meist im Keim erstickt wurden. Schon früh deutete sich an, dass die Hausherren mehr wollten. Jay Lineback prüfte Bremens Keeper Lewis Clancy in der 5. Minute, kurz darauf verzog Ninis knapp. Bremen antwortete durch John Pelletier, dessen Schuss in der 13. Minute jedoch direkt in den Armen von Torhüter William MacLachlan landete. "Das war kein Spiel für Feingeister", meinte Wiesbadens Trainer Abdul-Mannan Aslam später trocken. "Aber wenn man so spät trifft, schmeckt der Sieg doppelt so gut." Die erste Halbzeit blieb torlos, aber nicht ereignislos. Schon nach drei Minuten sah Bremens Innenverteidiger Harald Parent Gelb, nachdem er Oliver Lutz unsanft gebremst hatte - der Auftakt zu einer Partie, in der Zweikämpfe gelegentlich an Wrestling erinnerten. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", rechtfertigte Parent sich nach dem Spiel mit einem Schulterzucken. Nach der Pause erhöhte Wiesbaden den Druck. Lutz schoss in der 46. Minute aus kurzer Distanz, Clancy parierte glänzend. Dann versuchte es Isidoro Rocha, dann wieder Lutz - die Liste der vergebenen Chancen wurde länger als die Stadionbier-Schlange zur Halbzeit. 13 Torschüsse standen am Ende auf Wiesbadens Statistikzettel, Bremen brachte es auf fünf. Die Gäste konnten sich kaum befreien, hielten aber mit Herzblut dagegen. Trainer Jack Schlakowski dirigierte an der Seitenlinie wie ein wütender Dirigent. "Wir haben das ordentlich gemacht, aber wenn du in der 86. Minute so einen kassierst, willst du am liebsten den Rasen fressen", knurrte er später in die Mikrofone. Die Szene des Abends gehörte dann wieder dem Duo Tortosa und Ninis. Tortosa, der auf der rechten Seite kaum müde zu kriegen war, zog an seinem Gegenspieler vorbei, legte clever zurück - und Ninis traf. Keine fünf Sekunden später lag er unter einem Berg jubelnder Mitspieler. "Ich hab kurz gedacht, sie brechen mir die Rippen", lachte der Matchwinner später, "aber das war’s wert." Bremen versuchte in den letzten Minuten, noch einmal alles nach vorn zu werfen, doch außer einem harmlosen Schuss von Berndt Scherer (90.) kam nichts mehr. Wiesbaden brachte das Ergebnis über die Zeit - auch, weil der 17-jährige Innenverteidiger Esteban Eximeno in der Nachspielzeit einen gefährlichen Ball artistisch klärte. Als Schiedsrichter Martin Ziegler abpfiff, reckten die Wiesbadener die Fäuste in den dunklen Himmel. Es war kein Fest für Ästheten, aber ein Sieg der Moral. "Wir haben uns das verdient", sagte Trainer Aslam, "weil wir an uns geglaubt haben, auch als es zäh wurde." Und tatsächlich: Mit 54 Prozent gewonnener Zweikämpfe, leichtem Ballbesitzvorteil und unermüdlichem Einsatz hatte der VfB sich den späten Lohn erarbeitet. Bremen dagegen verließ den Platz mit hängenden Köpfen - und wohl dem Gefühl, dass man sich für 85 ordentliche Minuten nichts kaufen kann. "So ist Fußball", meinte Schlakowski zum Abschied und zog sich die Mütze tiefer ins Gesicht. "Manchmal reicht ein einziger Moment, um dich um den Lohn zu bringen." Bleibt festzuhalten: Wiesbaden gewinnt 1:0, dank eines späten Ninis-Moments, der in Erinnerung bleiben wird - zumindest bis zum nächsten Nieselregen-Spieltag, an dem wieder 16.000 tapfere Fans auf Erlösung warten. 11.04.643990 21:20 |
Sprücheklopfer
2 bis 3 Prozent.
Stefan Effenberg auf die Frage, wieviel Prozent seiner Leistungsfähigkeit er nach einer langen Verletzungspause schon abrufen könne