Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Larissa verliert den Faden - und Kreta das Herzklopfen

Ein kühler Märztag in Larissa, 34.667 Zuschauer im Stadion, Flutlicht, Spannung - und am Ende ein Spiel, das man wohl als griechische Tragikomödie bezeichnen muss. AU Larissa führte gegen OFE Kreta bis zur 81. Minute mit 2:1, sah wie der sichere Sieger aus - und stand nur sieben Minuten später mit leeren Händen da. 2:3 hieß es am Ende, und die Gäste von der Insel tanzten Sirtaki auf dem Rasen, während Larissa konsterniert in die Nacht starrte.

Dabei fing alles so vielversprechend an. Schon in der sechsten Minute rauschte Rechtsverteidiger Simeon Kamaras nach vorn, als hätte er die rechte Außenbahn gemietet. Nach feinem Zuspiel von Jacob Lankford drosch er den Ball humorlos ins rechte Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Kamaras später verschmitzt, "aber wenn der Ball rein will, dann will er eben." Trainer Bernard Dietz ballte die Faust und rief seinem Team zu: "So spielt man Fußball - zumindest fünf Minuten lang!"

Larissa hatte danach Chancen - Tziolis prüfte Kretas Keeper Kian Boutin gleich dreimal (10., 17., 32.), doch der junge Franzose im Tor hielt, als hinge sein Sommerurlaub davon ab. Kreta selbst fand nur langsam ins Spiel, doch ihre offensive Ausrichtung ließ erahnen: Da kommt noch was. Duarte Caneira und Alexandros Eleftherakis schossen zwar früh aufs Tor, aber mehr als ein paar verirrte Bälle in den Larissa-Abendhimmel sprang zunächst nicht heraus.

Kurz vor der Pause sorgten dann die Notizblöcke der Journalisten für erste Kratzer - Gelb für Larissas Franck Benoi nach rustikalem Einsteigen (14.), Gelb auch für Kretas Bruno Sterling (21.). Schiedsrichter Papadopoulos hatte gut zu tun, und man ahnte: Das wird noch ein hitziges Ding.

Nach dem Seitenwechsel brachte Kretas Coach Jeff Johnson gleich dreimal frisches Blut - unter anderem den 27-jährigen Mittelstürmer Fedon Amanatidis. Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich später zeigen sollte. "Ich sagte ihm: Geh raus und mach was Verrücktes", grinste Johnson nach dem Spiel, "und er hat’s tatsächlich getan."

Zunächst aber passierte nichts Verrücktes, sondern etwas Gerechtes: In der 66. Minute glich Guillermo Yanez nach feinem Zuspiel von Amanatidis aus. Die Fans von Kreta schrien es aus sich heraus, als wäre der Klassenerhalt geschafft. Larissas Verteidigung hingegen wirkte kurz wie in der Mittagspause.

Doch die Hausherren zeigten Herz. In der 81. Minute stand wieder Aimilios Tziolis dort, wo man ihn nicht erwarten sollte - am linken Fünfmetereck - und verwandelte nach Vorarbeit des 17-jährigen Mario Minguez zum 2:1. Der Jubel war groß, die Stadionlautsprecher spielten schon den Siegersong, und Trainer Dietz rief seinem Co-Trainer zu: "Jetzt nur noch zehn Minuten mauern!"

Fünf Minuten später war die Mauer eingestürzt. Larissas Benoi sah in der 73. Minute Rot - er hatte sich zu einem Tritt hinreißen lassen, der selbst in einem Rugbyspiel Diskussionen ausgelöst hätte. Danach wurde Kreta stärker, aggressiver, fast schon verzweifelt. Und dann kam der 18-jährige Sami Khedira (nicht verwandt mit dem deutschen Namensvetter, aber offenbar mit ähnlichem Instinkt): In der 86. Minute drückte er nach Vorlage von Minos Theodoridis den Ball zum 2:2 über die Linie. Zwei Minuten später stand er wieder goldrichtig - diesmal ohne Hilfe - und vollendete eiskalt zum 3:2.

"Ich hab einfach nicht nachgedacht", sagte Khedira nach dem Spiel, "vielleicht war das der Schlüssel." Jeff Johnson fiel ihm fast um den Hals: "Das ist der Moment, von dem jeder Trainer träumt - und jeder Verteidiger Albträume bekommt."

Larissa versuchte in der Nachspielzeit noch einmal alles - Savvas Anagnostou und Efstathios Mantzios feuerten zwei verzweifelte Schüsse ab (91., 93.), doch Boutin parierte jeweils glänzend. Auf der Gegenseite musste Yanez nach einem Zusammenprall verletzt raus - ein Wermutstropfen für die euphorischen Kreter.

Die Statistik des Abends zeigt, wie eng es war: 7 Torschüsse Larissa, 8 Kreta, Ballbesitz fast ausgeglichen (49,6 zu 50,4 Prozent). Doch Fußball wird eben nicht in Dezimalstellen gewonnen.

"Wir haben das Spiel verloren, aber nicht den Glauben", meinte Larissa-Coach Dietz nachdenklich. "Vielleicht sollten wir das nächste Mal einfach bei 80 Minuten abpfeifen."

Und so geht ein Abend in Larissa zu Ende, an dem ein 18-Jähriger Geschichte schrieb, ein 33-Jähriger vom Platz flog und 34.667 Zuschauer merkten, dass selbst in Griechenland die Tragödie manchmal die schönste Form des Fußballs ist.

07.07.643993 05:48
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