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Ein Flutlichtspiel, 23.705 Zuschauer, ein kühler Januarabend in Thessalien - und ein einziger, präziser Moment, der alles entschied: AU Larissa schlägt Niki Volos mit 1:0 und feiert damit einen Arbeitssieg, der mehr Schweiß als Glanz versprühte. Trainer Bernard Dietz stand nach Abpfiff mit hochgekrempelten Ärmeln am Spielfeldrand, als wolle er gleich selbst noch ein paar Minuten mitspielen. "Ich hab gesagt: Männer, wenn ihr schon 19 Mal aufs Tor schießt, dann sollte einer wenigstens reingehen", grinste der Coach mit typisch deutschem Pragmatismus. Zum Glück hörte Vitor Ferreira in der 40. Minute auf ihn - zumindest im Nachhinein. Denn Ferreiras Treffer war kein Zufall, sondern das Produkt aus Wille, Übersicht und einem beherzten Antritt. Nach einer butterweichen Hereingabe des 18-jährigen Asterios Leontiou rauschte der Portugiese von links in den Strafraum und hämmerte den Ball flach ins rechte Eck. Torwart Orestis Koudas streckte sich vergeblich, und die Tribüne bebte so, als hätte Larissa eben die Liga gewonnen. "Ich hab nur noch das Tornetz wackeln sehen", sagte Kapitän Guy Dumont später, "und dann war klar: Heute lassen wir hier nichts mehr anbrennen." Dabei hätte die Mannschaft durchaus mehr draus machen können. 19 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache, doch oft war der letzte Pass zu hektisch, der Abschluss zu verspielt. Louis Bloomfield scheiterte gleich dreimal an Koudas, Savvas Anagnostou prüfte die Nerven der Zuschauer mit einem Distanzschuss, der wohl noch immer in der Pinios-Aue gesucht wird. Niki Volos dagegen? Fünf Schüsse aufs Tor - und jeder davon so harmlos, dass Larissas Keeper Javi Ximenes sich wohl mehr über den kalten Wind als über gegnerische Angriffe ärgerte. "Wir haben den Ball, aber keine Idee", murmelte ein sichtlich frustrierter Makis Lymperopoulos nach dem Spiel. Sein Trainer, der schweigsame Finne Heikki Pyykkö, wirkte ratlos: "Wir waren… äh… balanciert", sagte er, als ein Reporter nach der Taktik fragte - wohl wissend, dass "balanciert" in diesem Fall eher "zahnlos" bedeutete. Beide Teams begannen mit ähnlicher taktischer Herangehensweise - ausgewogen, kontrolliert, wenig Risiko. Doch während Larissa nach und nach das Zentrum übernahm und mit kurzen, sicheren Pässen Druck aufbaute, blieben die Gäste erstaunlich passiv. Volos’ Pressing? Nicht existent. Die wenigen Konterversuche endeten meist in den Beinen von Larissas Innenverteidiger Luis de Freitas, der an diesem Abend so souverän wirkte, als hätte er das Spielfeld mit einer Fernbedienung unter Kontrolle. Nach der Pause nahm das Spiel an Tempo zu - allerdings nur auf Larissas Seite. Ferreira, wieder er, prüfte Koudas in der 56. Minute, kurz darauf setzte Bloomfield zwei Schüsse knapp vorbei. Trainer Dietz brüllte von der Seitenlinie: "Jetzt macht doch das Ding zu!" Doch seine Offensivreihe schien eher daran interessiert, die Torstatistik als den Spielstand zu erhöhen. Volos versuchte in der Schlussphase noch einmal, Druck zu machen. Joshua Wyler flankte, Fedon Konstantinou schoss, aber die Bälle flogen stets in jene Sektoren, in denen die Zuschauer lieber Sonnenblumenkerne kauten als den Atem anzuhalten. "Wir wollten noch mal alles reinwerfen", sagte Wyler später mit einem Lächeln, "aber da war einfach nichts mehr zu holen - außer vielleicht der Balljunge, der ständig rennen musste." Als Schiedsrichter Sotiropoulos schließlich abpfiff, ballte Ferreira die Faust, während Dietz den jungen Leontiou umarmte. "Das war sein Pass, nicht mein Tor", lobte der Torschütze den Teenager. Der grinste verlegen und flüsterte: "Ich hab einfach nur draufgehalten." Statistisch betrachtet war der Sieg verdient: 52 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fast viermal so viele Torschüsse wie der Gegner. Doch in Schönheit gestorben wäre Larissa fast trotzdem - zum Glück nur fast. So bleibt am Ende ein knapper, aber verdienter Dreier und die Erkenntnis, dass manchmal ein einziger Treffer reicht, um eine ganze Stadt glücklich zu machen. "Wir sind nicht Barcelona", sagte Dietz zum Abschied, "aber heute waren wir wenigstens Larissa." Und irgendwo in der Nacht über den Dächern von Thessalien sangen die Fans noch lange - vermutlich keine Hymne über Taktik oder Ballbesitz, sondern einfach über das, was zählt: ein Tor mehr als der Gegner. 09.04.643987 05:06 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002