// Startseite
| Diarios de Futbol |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
UD Lanus hat am Samstagabend im Estadio Granate eindrucksvoll demonstriert, dass man auch mit 36 Jahren noch jugendliche Frische versprühen kann. Der 36-jährige Emilio Mocana schoss den Tabellenzweiten der Amerikaliga mit seinem Treffer in der 86. Minute endgültig zum 2:0-Heimsieg über Real San Pedro. Schon vorher hatte Aitor Pelaez (27.) den Torreigen eröffnet - und spätestens da ahnten die 39.005 Zuschauer: Das wird ein langer Abend für die Gäste. Trainer David Sander hatte seine Elf von Beginn an offensiv eingestellt, Flügelspiel, Kurzpass-Kombinationen, Pressing bei Bedarf - das ganze Arsenal. Real San Pedro dagegen wirkte, als hätte man die Anstoßzeit falsch verstanden. Ein einziger Torschuss im gesamten Spiel, und der kam in der 5. Minute von Rechtsverteidiger Vitor de Almeida. Danach: Funkstille. "Wir wollten eigentlich mutig auftreten", murmelte Gästetrainer Esteban Massino nach dem Abpfiff, "aber Lanus hat einfach nicht aufgehört, zu rennen." Mut kann man seiner Mannschaft kaum absprechen - Naivität allerdings schon. Während Lanus 25 Mal aufs Tor schoss, beschäftigten sich die Gäste häufig damit, den Ball aus der eigenen Hälfte zu befördern, meist panisch und selten präzise. Der Beginn war noch harmlos: Schon in der 4. Minute prüfte Silvestre Gomes den Gästekeeper Vicente Nene, der sich in der 29. Minute prompt Gelb abholte - vermutlich aus Frust, weil er bis dahin mehr Anweisungen gebrüllt als Bälle gefangen hatte. Lanus belagerte den Strafraum, und als der 18-jährige Francisco de la Sota in der 27. Minute einen Steilpass von der Mitte auf den startenden Aitor Pelaez durchsteckte, war die Abwehr aus San Pedro nur noch Statist. Pelaez nahm Maß, traf wuchtig - 1:0, verdient und überfällig. "Ich sah nur noch grüne Trikots", grinste Pelaez später. "Also hab ich einfach draufgehalten." Trainer Sander lachte am Spielfeldrand und rief: "Endlich einer, der nicht nachdenkt!" Real San Pedro reagierte mit einem taktischen Kuriosum: In der 20. Minute wechselte Massino gleich doppelt, brachte seinen Reservetorwart Andrew Boyd - allerdings für Rechtsverteidiger de Almeida. "Wir wollten Stabilität aufbauen", erklärte Massino trocken. Stabilität? Eher Chaos. Fortan standen drei Keeper auf dem Spielbericht, aber keiner konnte verhindern, dass Lanus weiter drückte. Im zweiten Durchgang änderte sich das Bild kaum. Lanus kombinierte, Real verteidigte mit Händen und Füßen - manchmal zu wörtlich. Gelb für Adriano Rocha (55.), Gelb auch für Sergio Jorge (54.) und Marc Ramirez (77.) auf Lanus-Seite - das passte ins Bild eines Spiels, das an Intensität nie verlor. Der junge Alexis McAllister, gerade 17 Jahre alt, verzückte das Publikum mit zwei Distanzschüssen (21. und 22. Minute). "Der Junge hat keine Angst", lobte Kapitän Chamberlain, "er schießt, als gäbe es kein Morgen." Und dann kam der Schlussakkord: 86. Minute, der eingewechselte Nico Williams flankt von links butterweich, Emilio Mocana steht goldrichtig und schiebt lässig ein. 2:0, Applaus, Feierlaune. Mocana, sonst eher der bescheidene Haudegen, riss die Arme hoch und rief in Richtung Trainerbank: "Ich bin noch nicht fertig, Boss!" Nach Abpfiff klatschten die Zuschauer minutenlang. Lanus hatte 58,8 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von knapp 60 Prozent und die deutlich besseren Ideen. Real San Pedro hingegen wirkte erschöpft, als wäre das Spiel schon in der Kabine verloren gegangen. "Wir hätten ihnen vielleicht den Ball lassen sollen", meinte Massino süffisant, "dann wären sie irgendwann eingeschlafen." Sein Gegenüber Sander konterte lachend: "Wenn wir so weiterspielen, schlafen hier nur noch die Gegner ein." Taktisch war Lanus fast durchgängig auf Angriff gebürstet, offensiv ausgerichtet, über die Flügel kommend - genau da, wo Pelaez und Mocana ihr Unwesen trieben. Die letzten Minuten ließ Sander seine Jungs das Tempo drosseln, Passspiel kurz, Einsatz schwächer - aber der Sieg war da längst sicher. So bleibt UD Lanus nach dem fünften Gruppenspiel auf Kurs Richtung K.-o.-Runde, während Real San Pedro dringend nach einem Plan B suchen muss - oder wenigstens nach einem zweiten Torschuss. Am Ende des Abends sagte Mocana noch einen Satz, der das Spiel perfekt zusammenfasste: "Manchmal musst du gar nicht jung sein, um frisch zu spielen - du musst nur Lust haben." Und Lust hatte Lanus jede Menge. San Pedro dagegen wohl nur auf den Abpfiff. 07.11.643990 18:00 |
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft