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Kreuzbergs wilder Tanz endet in Norderstedter Jubel - 3:4 im Torrausch

Es war ein lauer Januarabend, der sich für die 59.000 Zuschauer im Kreuzberger Stadion wie ein Sommermärchen anfühlte - zumindest, wenn man Tore liebt. Am Ende stand auf der Anzeigetafel ein 3:4, SC Norderstedt entführte die drei Punkte aus Berlin, während der FC Kreuzberg zwischen Begeisterung und kollektiver Verzweiflung schwankte.

Die Partie begann mit einem Feuerwerk, das mehr mit Emotionen als mit taktischer Disziplin zu tun hatte. Schon in der zweiten Minute prüfte Marcio Perales den Kreuzberger Keeper Arne Henkel - eine erste Duftmarke, die sich später als Vorahnung entpuppen sollte. Kreuzberg presste, wie man es von Trainer Atze Matze kennt: aggressiv, mit offenem Visier und gelegentlicher Missachtung defensiver Grundregeln.

Doch die Gäste aus dem Norden wirkten abgeklärter. In der 26. Minute schlug Adam Richard nach einer butterweichen Vorlage von Billy Lavoie eiskalt zu - 0:1. Der Jubel im Gästeblock, etwa 1.500 Norderstedter waren mitgereist, klang wie ein trotziges "Na, seht ihr!". Kreuzberg antwortete prompt: Nur drei Minuten später knallte Ashton MacQuarrie den Ball nach Zuspiel von Aitor Alvar humorlos unter die Latte - 1:1, und das Stadion vibrierte.

"Da dachte ich: Jetzt drehen wir’s!", grinste MacQuarrie später in der Mixed Zone. Doch Norderstedt hatte andere Pläne. Kurz vor der Pause legten die Gäste doppelt nach: Erst traf Filip Lindstrom (43.), dann Perales nur eine Minute später (44.). "Wir haben uns gegenseitig angeschaut und wussten gar nicht, wer den Ball verloren hatte", seufzte Kreuzbergs Abwehrhüne Noe Quaresma, der sich kurz darauf in der 60. Minute auch noch Gelb abholte - wohl als Symbol für seine Laune.

Mit 1:3 ging’s in die Kabine, und Atze Matze muss dort ein Feuerwerk gezündet haben, das die Pyro in der Fankurve alt aussehen ließ. Denn Kreuzberg kam wütend zurück. Der Ballbesitz lag mit 52 Prozent leicht bei den Berlinern - und diesmal war’s kein sinnloses Hin-und-Her, sondern druckvolles Anrennen.

In der 52. Minute aber schien das Schicksal endgültig entschieden: Marcio Perales, wieder er, traf erneut und machte das 1:4. "Ich hatte einfach Spaß heute", erklärte der 31-Jährige mit einem Lächeln, das zwischen Charme und Überheblichkeit schwankte.

Doch Kreuzberg wäre nicht Kreuzberg, wenn sie nicht noch einmal den Revoluzzer gegeben hätten. MacQuarrie, inzwischen in einen Zustand zwischen Genie und Wahnsinn verfallen, machte in der 57. Minute das 2:4 - Vorlage von Rui Molina, der kurz darauf durch Ignacio Arrieta ersetzt wurde. Und weil’s so schön war, legte MacQuarrie in der 65. Minute noch ein drittes Tor nach - diesmal auf Pass von Wouter van der Elst. 3:4, und plötzlich stand das Stadion Kopf.

"Wir haben’s fast noch gedreht", sagte Trainer Matze später, "aber fast ist im Fußball wie vielleicht beim Lotto - bringt selten was." Seine Mannschaft warf in der Schlussphase alles nach vorne, wechselte sogar den Torwart: Maurizio Squillace kam für Henkel, was der Trainer mit "reiner Psychologie" erklärte.

Die letzten Minuten waren ein einziger Sturmlauf. Ingo Cabrero schoss in der 62. Minute knapp vorbei, Joel Valentine köpfte in der 83. drüber, und MacQuarrie - natürlich er - knallte in der 85. Minute den Ball an den Pfosten. "Ich hätte den Ball wohl mit Liebe statt Wut treffen sollen", sagte er später mit einem bitteren Lächeln.

Norderstedt dagegen zeigte Routine: Trainer André Marsmann brachte in der 89. Minute gleich drei frische Jungs - Buettner, Kühn und Will - und ließ sie das Ergebnis über die Zeit tragen. "Ich wollte, dass sie mal fühlen, wie sich ein Sieg bei 59.000 Zuschauern anfühlt", meinte Marsmann trocken.

Am Ende blieb Kreuzberg trotz leichtem Ballbesitzvorteil und zehn Torschüssen auf der Strecke. Norderstedt hatte fünf mehr, und das machte den Unterschied. Perales, Lindstrom und Richard sorgten für eiskalte Effizienz, während Kreuzbergs Defensive mehr Löcher hatte als ein Berliner U-Bahn-Plan im Streik.

"Wir sind offensiv, leidenschaftlich und - naja - manchmal leichtsinnig", fasste Coach Matze zusammen. Man konnte ihm kaum böse sein. Denn wer so spielt, sorgt zumindest für Gesprächsstoff.

Und so verließen 59.000 Fans das Stadion mit einem Lächeln, einem Seufzer und einem leisen "Was für ein Spiel!". Kreuzberg verliert 3:4, aber gewinnt die Sympathien. Norderstedt nimmt die Punkte - und die Erkenntnis, dass man in Berlin besser keine Sekunde abschaltet.

Vielleicht das schönste Kompliment kam von Perales selbst: "Wenn wir jedes Wochenende so ein Spiel hätten, würde Fußball noch mehr Spaß machen." - Na dann, bis zum Rückspiel.

23.07.643987 07:54
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