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Wenn 54 664 Menschen an einem frostigen Montagabend ins Kreuzberger Stadion pilgern, dann ist das kein Zufall. Der FC Kreuzberg hat sich zum Lieblingskind der Hauptstadt gemausert - und gegen St. Pauli zeigten die Berliner, warum. Mit 3:1 (1:0) fertigten sie die Kiezkicker ab, in einem Spiel, das Wucht, Witz und, na ja, auch ein bisschen Wahnsinn bot. Schon nach drei Minuten war klar, wohin die Reise ging: Kreuzbergs Innenverteidiger Noe Quaresma hielt einfach mal drauf, als wolle er prüfen, ob der Ball bei Kälte schwerer wird. Torwart Walter Linke von St. Pauli klatschte abwehrend in die Luft, der Ball flog drüber, und die Fans sangen sich warm. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir heute nicht auf Ballbesitz spielen, sondern auf Spaß", grinste später Trainer Atze Matze, dem die Mütze trotz Minusgraden ständig verrutschte. Nach einer Viertelstunde hatte Thijmen Van Antwerp bereits zwei Mal gefährlich abgeschlossen, doch erst Adrien Goddaert machte Ernst: In der 29. Minute zog der belgische Rechtsaußen nach Vorarbeit von Quaresma trocken aus 16 Metern ab - 1:0. "Ich hab einfach gedacht: Wenn Noe schießen darf, darf ich auch", lachte Goddaert später. Bis zur Pause blieb Kreuzberg klar tonangebend. 55 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüsse insgesamt sprechen eine deutliche Sprache. St. Pauli kam zwar durch Silvestre Canton und Fernando Alcantara zu Halbchancen, doch Torwart José de Almeida pflückte alles weg, was so halbherzig in seine Richtung segelte. Nach dem Seitenwechsel knisterte die Luft. Kaum war die Uhr auf 48 Minuten gesprungen, da kombinierte sich Kreuzberg traumhaft durchs Zentrum: Kay Röder schickte Rui Molina steil, der Portugiese blieb eiskalt - 2:0. Das Stadion bebte, Bierbecher flogen, und ein älterer Herr auf der Pressetribüne murmelte: "So schön haben die hier seit dem Aufstieg nicht gespielt." St. Pauli aber wäre nicht St. Pauli, wenn sie sich einfach ergeben hätten. Nur sechs Minuten später (54. Minute) meldeten sich die Gäste zurück: Amaury Domínguez legte clever auf Fernando Alcantara ab, der den Ball mit links unter die Latte jagte - 2:1. "Da dachte ich kurz, jetzt kippt’s", gab Kreuzbergs Kapitän Gerard Ganesvoort später zu. Doch Kreuzberg blieb cool. Trainer Matze wechselte in der 65. Minute Wouter van der Elst ein, der das Mittelfeld stabilisierte, während sein Gegenüber Gustav Holzhauer bei Pauli mit Patrik Fuhrmann für frische Beine sorgte. Es half nichts: In der 67. Minute machte Van Antwerp den Deckel drauf. Nach einem perfekten Diagonalball von Rechtsverteidiger Nelson Velazquez nahm der Niederländer Maß und traf flach ins lange Eck - 3:1. "Ich hatte noch den verschossenen Kopfball aus der ersten Halbzeit im Kopf. Also dachte ich: diesmal einfach mit Gefühl", sagte Van Antwerp, während er sich im Kabinengang ein Stück Banane gönnte. Danach wurde’s ruppig. Xabi Mudarra von St. Pauli kassierte erst Gelb (51.), später in der 87. Minute Gelb-Rot, nachdem er erneut zu spät kam - wohl eher am Ball als am Verstand. "Er wollte einfach zu viel zeigen. Das war jugendlicher Überschwang", entschuldigte ihn Coach Holzhauer, der ansonsten mit der Leistung seiner Mannschaft haderte: "Wir hatten gute Phasen, aber Kreuzberg war heute einfach erwachsener." Kurz vor Schluss sah auch Kreuzbergs Ganesvoort Gelb, als er Alcantara robust stoppte - "Kontakt minimal", kommentierte er trocken, während die Zeitlupe das Gegenteil bewies. Als Schiedsrichterin Lara Behrens abpfiff, tanzten die Kreuzberger Spieler im Mittelkreis, während die Fans "Kiezkönige" skandierten. 16 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, und eine Tackling-Quote von 53 Prozent - keine Statistiken zum Schwärmen, aber genug, um St. Pauli auf Distanz zu halten. "Wir sind noch lange kein Titelkandidat", mahnte Atze Matze, "aber wenn wir weiter so Spaß haben, wird’s gefährlich für die anderen." Sein Gegenüber Holzhauer hingegen seufzte: "Manchmal ist Fußball wie ein Hamburger Regen: Du weißt, er kommt, aber du kannst nichts dagegen tun." Und irgendwo auf der Pressetribüne notierte sich ein Kollege: Kreuzberg hat an diesem Abend nicht nur drei Tore geschossen, sondern auch ein Stück Liga-Geschichte geschrieben - mit Humor, Herz und einem Hauch Wahnsinn. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn der FC Kreuzberg so weitermacht, wird’s eng an der Tabellenspitze - und in Berlin bald noch ein paar mehr Fans geben, die montags lieber ins Stadion gehen als Netflix zu schauen. 18.06.643987 17:49 |
Sprücheklopfer
Ich glaube nicht, dass der Verein mir Steine in den Vertrag legt.
Torsten Legat zu evtl. Wechselproblemen mit Eintracht Frankfurt