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Ein Freitagabend in Athen, Flutlicht, 20.000 Zuschauer und das, was man wohl als "Lehrstunde mit Urlaubsflair" bezeichnen darf. OFE Kreta, die Mannschaft von Trainer Jeff Johnson, fegte beim 12. Spieltag der griechischen Superliga über Egealeo FC hinweg wie ein heißer Saharawind - Endstand 0:5 (0:2). Schon in der sechsten Minute war klar, wohin die Reise geht. Der 17-jährige Serafim Kyrgiakos, offenbar noch nicht alt genug, um seinen eigenen Vertrag ohne Eltern zu unterschreiben, tunnelte den verdutzten Leonidas Charisteas im Egealeo-Tor und feierte sein Premierentor in der Liga. "Ich hab einfach draufgehauen, weil Sami mir so schön den Ball hingelegt hat", grinste der Teenager später mit Zahnspange und Pokal in der Hand. Egealeo-Coach - namentlich nicht überliefert, aber an seiner Gesichtsröte gut zu erkennen - versuchte, die Ordnung zu bewahren, doch Kreta spielte, als sei das Spiel ein Trainingskick auf Mykonos. Felipe Jemez, der schlitzohrige Mittelstürmer, verteilte Pässe wie Souvenirs, und als Linksverteidiger Leandros Eleftherakis in der 42. Minute nach einem Doppelpass mit Jemez das 0:2 markierte, rieben sich selbst die Heimfans verwundert die Augen. Ein Verteidiger, der trifft - das hat Seltenheitswert. "Wir wollten einfach Spaß haben", erklärte Kretas Coach Jeff Johnson nach dem Spiel mit einem Schulterzucken. "Und wenn man Spaß hat, fällt der Ball eben fünfmal richtig." Die Zahlen untermauern das: 16 Torschüsse für Kreta, nur 6 für Egealeo. 53 Prozent Ballbesitz für die Gäste, die trotz ihrer offensiven Ausrichtung nie ins Schwitzen kamen. Egealeo versuchte es mit "balanced tactics", was im Ergebnis eher "defensives Chaos" bedeutete. Nach der Pause versuchte Egealeo, sich aufzurichten. Pontikos feuerte zweimal in Richtung Tor, Papadakis prüfte Ersatzkeeper Marios Ioannou in der 47. Minute - doch der junge Kreta-Schlussmann, erst zur Halbzeit eingewechselt, blieb unbeeindruckt. "Ich hatte kaum was zu tun, aber wenn, dann wollte ich aussehen wie ein Held", scherzte Ioannou später. Ab der 75. Minute brach das Heimteam vollends auseinander. Innenverteidiger Kylon Panagoulias, bereits verwarnt, ließ sich zu einem unnötigen Foul hinreißen - Gelb-Rot. Egealeo nun in Unterzahl, Kreta mit Lust am Kombinieren. Es folgte das, was man in Griechenland wohl ein "Festival der Freude" nennt: Theodoridis (84.), der eingewechselte David Block (87.) und schließlich Sami Khedira (89.) ließen das Ergebnis in die Höhe schnellen. Khedira, gerade mal 19, erklärte mit einem schelmischen Lächeln: "Markos hat mir den Ball hingelegt, und ich dachte, ich bedanke mich artig - mit einem Tor." Die Fans von Kreta sangen schon vor Abpfiff von der Meisterschaft, während die Anhänger von Egealeo nur noch um Nachsicht baten. Auf der Tribüne kommentierte ein älterer Herr im Egealeo-Schal trocken: "Fünf Tore, keine Chance - wenigstens war das Wetter schön." Taktisch war das Ganze eine einseitige Angelegenheit. Während Egealeo bis zum Schluss auf "balanced" setzte, spielte Kreta von Beginn an offensiv, aggressiv, aber nie überheblich. Johnsons Mannschaft wirkte eingespielt, zielstrebig - und gefährlich aus jeder Position. Selbst Innenverteidiger Bruno Sterling, der in der 95. Minute noch Gelb sah, hatte zuvor einen Torschuss verzeichnet. Beim Abpfiff stand es 0:5, aber gefühlt hätte es zweistellig ausgehen können. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft dennoch mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Hoffnung. "Wir müssen das als Weckruf sehen", sagte Egealeos Kapitän Papadakis hinterher. "Ab jetzt zählt jeder Zweikampf doppelt." Seine Tacklingquote von 45 Prozent ließ allerdings Raum für Verbesserungen. Kreta dagegen blickt nach oben - fünf Tore, fünf verschiedene Schützen, fünf Gründe zum Feiern. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen sich benehmen", lachte Johnson. "Aber anscheinend verstehen sie unter Benehmen, den Gegner auseinanderzunehmen." Und so endete ein Abend, der in Egealeo wohl noch lange nachhallen wird. Kreta zeigte, wie man modernen Fußball spielt - jung, frech, effizient. Egealeo zeigte, dass man auch ohne Ballbesitz 90 Minuten lang hoffen kann. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Wenn das so weitergeht, sollte Egealeo vielleicht Volleyball probieren." Ein bisschen hart - aber nach diesem 0:5 durchaus nachvollziehbar. 18.03.643994 19:52 |
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Torsten Legat