Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Kretas Geduldsprobe endet mit Erlösung in Minute 62

Ein lauer Freitagabend auf Kreta, 35.977 Zuschauer im OFE-Stadion, ein Spiel zwischen Sonne, Staub und Nerven: OFE Kreta gewinnt am 27. Spieltag der 1. Liga Griechenland mit 1:0 gegen Ilisiakos - und das nach einem zähen Ringen, das weniger an ein Fußballfest, mehr an eine Geduldsprüfung erinnerte.

Beide Mannschaften begannen mit klarer Rollenverteilung: Kreta wollte, Ilisiakos ließ. Trainer Jeff Johnson hatte seine Elf offensiv ausgerichtet - "Wir wollten von Anfang an Druck machen, auch wenn’s manchmal wie ein Gedrängel auf dem Jahrmarkt aussah", grinste er später. Und tatsächlich: Schon nach einer Minute versuchte Felipe Jemez sein Glück, ein erster Warnschuss, den Ilisiakos-Keeper Antonio Cunha aber gelassen aus der Luft pflückte.

Die Gäste aus Athen, trainiert von Karim Benzema, setzten auf kontrollierte Defensive und gelegentliche Gegenangriffe. "Wir hatten den Plan, Ruhe reinzubringen. Leider haben die Jungs das etwas zu wörtlich genommen", knurrte Benzema nach der Partie. Acht Torschüsse, etwas Ballbesitz - Ilisiakos blieb harmlos, während Kreta anrannte, verzweifelte und schließlich erlöst wurde.

Die erste Halbzeit war eine Parade des Beinahe. Blagoj Karaslawow scheiterte gleich mehrfach (7., 17., 50., 56., 60.), der junge David Block prüfte den Torwart, und Ktesias Salpingidis zirkelte Bälle, die nur knapp das Ziel verfehlten. Das Publikum raunte, pfiff, seufzte - und hatte spätestens zur Pause das Gefühl, dass das Tor heute nur mit göttlicher Hilfe fallen würde.

Dazu kam Pech: In der 44. Minute verletzte sich Stürmer Felipe Jemez bei einem Sprintduell. "Ich hab nur den Schmerz gehört, nicht gespürt", erzählte er später halb lachend, halb fluchend. Für ihn kam Fedon Amanatidis, der prompt versuchte, den Druck hochzuhalten. Gleichzeitig brachte Johnson den 17-jährigen Marius Herlovsen für den erfahrenen Fernando Longas - ein riskanter, aber später gefeierter Schachzug.

Und dann kam die 62. Minute, in der alles zusammenfiel, was vorher nur angedeutet worden war: Duarte Caneira, der flinke Rechtsaußen mit dem Temperament eines Espresso-Doppels, zog nach feiner Vorarbeit von Linksverteidiger Markos Kirastas ab - und diesmal zappelte der Ball tatsächlich im Netz. Cunha streckte sich vergebens, die Tribünen explodierten. "Ich hab einfach gehofft, dass keiner abseits ruft", grinste Caneira später mit Gelber Karte in der Tasche - die bekam er 15 Minuten danach für ein etwas zu leidenschaftliches Tackling.

Nach dem Tor zog sich Kreta keineswegs zurück. 19 Torschüsse insgesamt - die Gastgeber blieben offensiv, fast trotzig, als wollten sie beweisen, dass sie auch 2:0 oder 3:0 könnten, wenn Fortuna nicht so launisch wäre. Ilisiakos kam zwar noch zu ein paar Abschlüssen, vor allem durch Miguel Mocana (79., 89.), aber Torwart Kian Boutin hielt stand. Die Defensive um Bruno Sterling und den jungen Herlovsen wirkte stabil, auch wenn letzterer in der 66. Minute Gelb sah - wohl eher aus jugendlichem Übermut denn aus Bosheit.

In den Schlussminuten wurde das Spiel ruppiger. Roger Lessard von Ilisiakos holte sich ebenfalls Gelb ab, während Benzema an der Seitenlinie gestikulierte, als wolle er persönlich einwechseln. "Manchmal ist es besser, selbst noch mal die Schuhe zu schnüren", murmelte er nach Abpfiff, nur halb im Scherz.

Statistisch hatte Kreta leicht die Nase vorn: 52,6 Prozent Ballbesitz, 54,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe - keine erdrückende, aber eine solide Überlegenheit. Der Sieg war verdient, auch wenn ein zweites Tor den Puls des Publikums sicher beruhigt hätte.

Der Abpfiff kam wie eine Befreiung. Die Spieler fielen sich in die Arme, Johnson umarmte sogar den Balljungen. "Vielleicht war’s kein Spektakel, aber wir haben Charakter gezeigt", sagte er mit einem zufriedenen Grinsen. Caneira, der Held des Abends, verschwand kurz darauf mit einem Eisbeutel auf dem Knie - und einem breiten Lächeln.

Ilisiakos hingegen musste mit leeren Händen abreisen. "Wir haben zu spät geschnallt, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist", meinte Verteidiger Marinos Antoniou, der in der 36. Minute Gelb gesehen hatte, lakonisch.

So bleibt ein Abend, an dem Kreta wieder einmal bewies, dass Geduld, Einsatz und ein Hauch Glück manchmal genug sind, um ein ganzes Stadion glücklich zu machen.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions brummte: "Ein Tor reicht, wenn’s das richtige ist." Und diesmal war’s genau das.

18.07.643993 19:33
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