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Livadia, 19. Januar 2026 - Ein lauer Abend, 25.360 Zuschauer, ein Spiel, das alles hatte - außer Tore für die Gastgeber. Livadia FC unterlag im eigenen Stadion OFE Kreta mit 0:1, und das Ergebnis fasst die Stimmung in der Stadt treffender zusammen als jedes Gedicht: Ernüchterung mit einem Spritzer "Wie konnte das passieren?". Das goldene Tor fiel bereits in der 24. Minute. Guillermo Yanez, der flinke Linksaußen der Gäste, setzte sich nach einem scharf geschlagenen Pass von Innenverteidiger Bruno Sterling auf der linken Seite durch, zog in den Strafraum und vollendete eiskalt ins rechte Eck. Livadias Keeper Josef Anderson streckte sich vergeblich - so sehr, dass man ihm am liebsten den Sprung in die Nationalmannschaft attestieren wollte, wäre der Ball nicht trotzdem im Netz gelandet. Danach passierte auf der Anzeigetafel nichts mehr - auf dem Rasen hingegen jede Menge. Livadia rannte und rannte, als hätten sie vergessen, dass Fußball auch aus Zielen besteht. Neun Torschüsse verbuchte das Team von Jorge Jesus, doch keiner fand seinen Weg ins Glück. Kreta war mit zehn Abschlüssen nur minimal aktiver, aber eben effizienter. "Wir haben gut angefangen, aber dann hat uns dieses frühe Gegentor den Stecker gezogen", knurrte Livadia-Coach Jorge Jesus nach dem Spiel. "Wir wollten offensiv bleiben, aber am Ende fehlte uns die Präzision. Und vielleicht auch ein kleines Wunder." Die Zuschauer sahen in der ersten Hälfte ein lebhaftes, manchmal wildes Spiel. Serge Bettencourt prüfte Kretas Torhüter Kian Boutin in der zweiten Minute - der parierte mit einem Reflex, der sogar die gegnerischen Fans kurz klatschen ließ. Wenig später ballerte Miguel Gallego aus 20 Metern knapp drüber, und Leonardo Guardia probierte es aus der Distanz - das Leder rauschte haarscharf vorbei. OFE Kreta hingegen spielte mit typisch mediterraner Geduld. Der Ballbesitz - 56 Prozent - sprach für die Gäste, die das Geschehen weitgehend kontrollierten. Besonders auffällig: Blagoj Karaslawow, der rechte Flügel, schoss zwischen Minute 32 und 57 gefühlt jedes Mal aufs Tor, wenn er den Ball sah. Kein Treffer, aber jede Menge Unterhaltung. "Ich dachte irgendwann, er hat eine Wette am Laufen, wer die Latte öfter trifft", witzelte später ein Zuschauer auf der Tribüne. Kurz vor der Pause wurde es ruppig: Kretas Mittelfeldmann Niklas Reiter sah Gelb, nachdem er Leonardo Guardia unsanft stoppte. In der zweiten Halbzeit revanchierten sich Livadias Außenverteidiger Caio Assis (55.) und Dimas Quixano (69.) ebenfalls mit Gelb - offenbar ein Abend für Fans der Kartenstatistik. Die zweite Halbzeit begann mit kuriosen Wechseln: Kreta-Coach Jeff Johnson brachte gleich drei neue Spieler zur Pause - darunter den jungen Keeper Marios Ioannou, der den bis dahin fehlerfreien Boutin ersetzte. "Kian hatte eine kleine Blessur am Knöchel", erklärte Johnson. "Und außerdem wollte ich Marios zeigen, wie sich ein Sieg anfühlt." Der 20-Jährige bestand seine Feuertaufe souverän, auch wenn Livadias Stürmer Miguel Gallego und später sein Ersatz David Bertran alles versuchten. In der 73. Minute hatte Karl Lehmann die größte Chance zum Ausgleich - sein Schuss aus spitzem Winkel klatschte jedoch an den Außenpfosten. Trainer Jesus vergrub daraufhin das Gesicht in den Händen, während neben ihm der vierte Offizielle verlegen auf die Uhr schaute. "Wir hätten noch eine Stunde spielen können, ohne zu treffen", seufzte Mittelfeldmann Leonardo Guardia. "Aber wenigstens haben wir gezeigt, dass wir rennen können." Kreta nahm die drei Punkte letztlich mit einer Routine, die man sonst nur von Mannschaften kennt, die keine Lust auf Dramatik haben. Ihr Coach Jeff Johnson grinste nach dem Abpfiff breit: "Ein Tor reicht, wenn man das richtige macht. Wir wollten kontrollieren, nicht glänzen." Statistisch gesehen war Kreta das etwas reifere Team - mehr Ballbesitz, etwas bessere Zweikampfquote (51,5 Prozent), taktisch diszipliniert und mit einer Prise Glück gesegnet. Livadia dagegen kämpfte tapfer, stellte in der Schlussphase auf volles Pressing um und warf alles nach vorn - inklusive der Ersatzspieler, die an der Seitenlinie so laut anfeuerten, dass man kurz dachte, sie würden gleich selbst eingewechselt. Am Ende blieb es beim 0:1. Ein Ergebnis, das nüchtern aussieht, aber eine ganze Geschichte erzählt - von verpassten Chancen, einem eiskalten Yanez und einem Publikum, das trotz allem bis zum Schluss sang. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn wir das nächste Mal so spielen, müssen wir nur noch das Tor treffen. So einfach ist Fußball - theoretisch." Und da hatte er wohl recht. 15.08.643987 11:06 |
Sprücheklopfer
Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler