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Es war ein Abend auf Kreta, an dem selbst die Götter vom Olymp kurz innehielten. 35.995 Zuschauer im Stadion von Heraklion erlebten, wie OFE Kreta am 21. Spieltag der 1. Liga Griechenlands einen 7:1‑Orkan über Thessaloniki fegte. Trainer Jeff Johnson grinste nach Schlusspfiff nur trocken: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben - ich wusste nicht, dass sie es so wörtlich nehmen." Schon nach 60 Sekunden war der Spaß für die Gäste vorbei. Felipe Jemez, Kretas 23‑jähriger Mittelstürmer, nutzte die erste Unsicherheit in der Abwehr und drosch den Ball aus zwölf Metern in die Maschen. Thessalonikis Keeper Leonidas Spyropoulos sah den Ball wohl nur auf dem Weg zurück ins Netz. "Da war ich noch am Sortieren meiner Handschuhe", murmelte er später mit einem gequälten Lächeln. Und Kreta hatte noch lange nicht genug. In der 15. Minute legte Jemez nach - nach feiner Vorarbeit von Minos Theodoridis. Drei Minuten später das déjà‑vu: Theodoridis erneut der Vorlagengeber, Jemez erneut eiskalt. 3:0 nach nicht einmal zwanzig Minuten - und der Abend roch bereits nach griechischem Triumphzug. Das 4:0 folgte in der 25. Minute durch Guillermo Yanez, der eine Flanke von Duarte Caneira volley nahm. Spätestens da schwante Gästecoach Johnas Heun, dass dieser Abend kein Lehrfilm über Defensivorganisation werden würde. "Ich habe in der Pause die Taktiktafel umgedreht", sagte er später, "aber auch auf der Rückseite stand leider 4:0." Die Statistik sprach dabei eine fast unverschämte Sprache: 51 Prozent Ballbesitz für Kreta, 21 Torschüsse gegenüber nur sechs der Gäste. Thessaloniki rannte, kämpfte, grätschte - und kassierte. Lefteris Kirastas holte sich in der 48. Minute eine Gelbe Karte ab, wohl mehr aus Frust als Notwendigkeit. Nach der Pause ging das Schauspiel weiter. Wieder Yanez, diesmal in der 50. Minute, nach einem mustergültigen Pass des Rechtsverteidigers Fernando Longas - 5:0. Drei Minuten später das 6:0, erneut Yanez, diesmal mit Vorlage von Ktesias Salpingidis. Der Mann war überall, schien das Spielfeld als persönliche Spielwiese zu betrachten. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", gab Yanez lachend zu, "aber meine Mutter wird die Wiederholung wohl drei Mal schauen." Ein kleiner Trostmoment für die Gäste: Aris Pappas erzielte in der 57. Minute nach einem Pass von Hemming Kofod den Ehrentreffer. Der Jubel klang wie ein Aufatmen - endlich war man nicht mehr punktlos auf der Anzeigetafel. Doch Kreta antwortete eiskalt: Nur eine Minute später stellte Yanez mit seinem vierten Treffer des Abends den 7:1‑Endstand her. Gelbe Karten für Salpingidis, Markos Kirastas und Longas blieben Randnotizen in einem Spiel, das eher an ein Torfestival erinnerte als an ein Ligaduell. Die Zuschauer sangen, tanzten, und selbst die Ersatzspieler grinsten beim Aufwärmen. Trainer Johnson wirkte nach Abpfiff fast verlegen. "Wir trainieren eigentlich auf Ballkontrolle und Geduld. Heute haben die Jungs offenbar beschlossen, beides zu überspringen." Sein Gegenüber Heun fasste es pragmatisch zusammen: "Manchmal ist Fußball wie ein Sturm - du kannst nur hoffen, dass dein Dach hält." Auch die Zahlen untermauerten den Eindruck: Kretas Offensive wirbelte mit 21 Abschlüssen durch die Reihen, während Thessaloniki trotz 48 Prozent Ballbesitz kaum Gefahr erzeugte. Die Abwehr der Gäste wirkte überfordert, das Mittelfeld fahrig, und das Pressing blieb - laut Statistik - nur im Ansatz vorhanden. Der überragende Mann des Abends, Guillermo Yanez, stand nach dem Schlusspfiff mit einem breiten Grinsen in der Mixed Zone: "Vier Tore sind schön, aber ehrlich - Jemez hat mir heute fast den Spaß verdorben, er wollte ja auch alle machen." Neben ihm lachte Jemez: "Ich hab ihn gelassen, ich bin ja ein guter Mitspieler." Kreta feiert damit einen Kantersieg, der in den Fanforen wohl noch tagelang für Gesprächsstoff sorgen wird. Thessaloniki dagegen muss sich neu sortieren - und vielleicht die nächste Einheit damit beginnen, dass man beim Anpfiff einfach mal wach ist. Oder wie ein älterer Fan auf der Tribüne mit breitem Grinsen sagte: "Das war kein Fußballspiel - das war ein Tanz auf dem Vulkan. Und Kreta hat den Rhythmus bestimmt." 19.09.643987 11:17 |
Sprücheklopfer
Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler