Athlitiki Icho
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Kreta überrollt Livadia: 7:0-Demonstration der Fußballkunst

Manchmal ist Fußball wie ein Orkan - und Livadia FC stand am Samstagabend mitten im Auge des Sturms. 25.777 Zuschauer im heimischen Stadion erlebten am 20. Spieltag der 1. Liga Griechenlands eine Lehrstunde, die sie so schnell nicht vergessen werden. OFE Kreta fegte mit 7:0 über die Gastgeber hinweg, als wollten sie allen beweisen, dass man auch auf Kunstrasen Kunst erschaffen kann.

Es begann, wie es in schlechten Träumen beginnt: Kaum hatte Schiedsrichter Papadakis um 20:30 Uhr angepfiffen, flog der Ball schon in Richtung Livadia-Tor. In der ersten Minute traf Manuel Da Cru nach Vorlage von Jose Couto - und das Publikum raunte noch, als David Block acht Minuten später das zweite Tor nachlegte. "Ich dachte, ich hätte noch Zeit für einen Kaffee", murmelte ein verdutzter Livadia-Fan auf der Tribüne. Hatte er nicht.

Block spielte sich in einen Rausch, wie ihn sonst nur Teenager auf Musikfestivals erleben. In der 20. und 24. Minute schnürte der 19-Jährige einen lupenreinen Hattrick. Nach 24 Minuten stand es 0:4 - und man konnte die Gesichter der Livadia-Verteidiger lesen wie ein offenes Buch: "Wie ist das passiert?"

Trainer Jorge Jesus wirkte an der Seitenlinie seltsam gefasst. "Wir wollten offensiv spielen", sagte er später. "Aber offenbar hat Kreta dasselbe vorgehabt - nur besser." Der Ballbesitz sprach mit 40 zu 60 Prozent eine klare Sprache, ebenso die Torschüsse: 1 für Livadia, 22 für Kreta.

Nach der Pause, als man meinen konnte, Kreta würde einen Gang zurückschalten, legte Guillermo Yanez in der 56. Minute das fünfte Tor nach - vorbereitet vom 18-jährigen Dimas Oliveira, der an diesem Abend lief, passte und grinste, als hätte er die Sonne Kretas persönlich im Schuh. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte Oliveira danach. "Und Tore machen ist eben auch Spaß."

Zehn Minuten später durfte Vyron Stephanopoulos ran, ebenfalls nach Vorlage von Oliveira - 0:6. Der Stadionsprecher hatte Mühe, die Namen noch mit der nötigen Begeisterung zu verlesen, und selbst die Kreta-Fans im Gästeblock begannen, Mitleid zu zeigen. Fast.

In der 95. Minute schließlich krönte Oliveira seine Gala-Leistung mit dem siebten Treffer, assistiert vom rechten Außenverteidiger Theagenis Lekkas. Das Publikum pfiff, einige applaudierten tapfer. Die Anzeigetafel flimmerte: 0:7.

Zwischendrin gab es auch menschliche Momente. Kretas Torhüter Marios Ioannou musste in der 42. Minute verletzt vom Platz, wurde aber von Ersatzkeeper Kian Boutin würdig vertreten - auch wenn dieser kaum etwas zu tun bekam. Bei Livadia traf es in der 80. Minute den jungen Matthew Winston, der humpelnd ausgewechselt wurde. "Ich wollte wenigstens einmal am Ball sein, bevor ich raus musste", witzelte der 17-Jährige später mit bitterem Lächeln.

Kretas Trainer Jeff Johnson, in bester Laune, fasste das Geschehen trocken zusammen: "Wir haben offensiv gespielt. Und dann offensiv weitergespielt. Und irgendwann war das Ergebnis eben offensiv." Selbst der gelbverwarnt Jose Couto konnte darüber lachen: "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch verteidigen kann - hat nicht ganz geklappt."

Was bleibt für Livadia? Ein Albtraum in sieben Akten, aber auch eine Gelegenheit, die jungen Spieler wachsen zu lassen. Fast die halbe Startelf war unter 20 - und gegen eine derart entfesselte Offensive wie die von Kreta hätte wohl selbst ein routinierteres Team alt ausgesehen.

Ein Reporter fragte Jorge Jesus, was er in der Kabine gesagt habe. "Ich habe die Jungs daran erinnert, dass auch ein 0:7 nur drei Punkte kostet", antwortete er mit einem Achselzucken. "Und dass wir nächste Woche wieder antreten."

Vielleicht ist das die wahre Lektion dieses Abends: Zwischen Ernüchterung und Ironie liegt manchmal nur ein Pfiff. Livadia FC wird sich neu sortieren müssen - Kreta dagegen darf träumen. Von der Meisterschaft, vom Europapokal, oder einfach davon, dass jeder Schuss auch nächste Woche wieder so sitzt.

Ein Fan fasste die Stimmung nach Abpfiff zusammen: "Wir kamen, um ein Spiel zu sehen - und bekamen eine Oper." Und tatsächlich: Es war ein Drama mit allem, was dazugehört - Helden, Opfer, Pathos. Nur das Happy End, das blieb ganz klar auf der Insel Kreta.

16.01.643991 11:18
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Ja gut, der arbeitet von morgens bis abends. Ja gut, sowas nennt man im Volksmund glaube ich Alcoholic.
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