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Wenn 35.329 Zuschauer im Heraklion-Stadion aufstehen, dann nicht, weil sie frieren - sondern weil OFE Kreta Fußball zelebriert. Am 7. Spieltag der griechischen Superliga ließen die Männer von Trainer Jeff Johnson dem Gast Kastoria FC keine Chance und gewannen 3:0 (2:0). Drei Tore, drei Torschützen, und eine Mannschaft, die an diesem Abend aussah, als hätte sie den Ballbesitz erfunden. Von Beginn an machte Kreta klar, dass es hier nur eine Richtung geben würde. Schon nach wenigen Minuten kam Guillermo Yanez gefährlich über links, flankte scharf - und setzte gleich ein Zeichen: "Wir wollten sie gar nicht atmen lassen", grinste der Flügelflitzer später. Kastoria hingegen wirkte, als hätte man den Bus vorm Stadion geparkt und die Handbremse vergessen. Die Gäste begannen verhalten, versuchten es mit kontrolliertem Aufbau und "sicherem Abschlussverhalten" - so stand es zumindest im Taktikplan. In der Praxis bedeutete das: drei harmlose Schüsse in den ersten 20 Minuten, die Keeper Kian Boutin eher als Aufwärmübung dankte. In der 26. Minute war es dann soweit: Ktesias Salpingidis, Kreta-Motor im Mittelfeld, nahm nach Vorarbeit von Joel Anderson Maß - und hämmerte den Ball aus 18 Metern zum 1:0 unter die Latte. Das Stadion bebte. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Joel hat mich angeschaut, und ich wusste: jetzt oder nie", sagte Salpingidis nach dem Spiel mit einem Lächeln, das mehr Selbstvertrauen ausstrahlte als so mancher Torwart. Kastoria reagierte - oder versuchte es zumindest. Eine Gelbe Karte für Tiago Vaz (24.) war das kämpferischste Signal des Teams von Coach Greg Vlachopoulos. Der verzweifelte an der Seitenlinie, gestikulierte wild und rief einmal sogar: "Lauf! Irgendwer!", was die Fans auf der Tribüne mit einem sarkastischen Applaus quittierten. Noch vor der Pause traf Christopher Lineback zum 2:0 (43.), nach sehenswerter Vorarbeit des jungen Rechtsverteidigers Theagenis Lekkas. Lineback, ohnehin in Galaform, drehte jubelnd ab und zeigte mit beiden Händen auf den Himmel. "Das war Teamarbeit", meinte er später bescheiden - und grinste dann: "Aber das Tor war schon schön, oder?" Zur Halbzeit hatte Kreta fast 54 Prozent Ballbesitz, 10 Schüsse aufs Tor und ein Publikum, das sich die Hände wundklatschte. Johnson wechselte dennoch dreifach: Torwartwechsel, frischer Rechtsverteidiger, junger Oliveira kam - ein Zeichen, dass er seine Bank liebt wie andere ihren Espresso. Kastoria kam zwar mit mehr Mut aus der Kabine, aber weniger Idee. Der 18-jährige Marios Donis versuchte es aus der Distanz (64.), Daniele Lorusso hatte später eine Halbchance (88.), doch Marios Ioannou - der eingewechselte Kreta-Keeper - hielt alles, was auf ihn zuflog. "Ich wollte zeigen, dass ich mehr bin als die Nummer zwei", sagte der 22-Jährige nach dem Abpfiff. Mission erfüllt. In der 78. Minute machte Felipe Jemez endgültig den Deckel drauf. Nach schönem Pass von Salpingidis stand er goldrichtig und schob überlegt zum 3:0 ein. "Ich hab kurz überlegt, ob ich’s mit der Hacke mache", scherzte der Mexikaner hinterher, "aber dann fiel mir ein, dass der Trainer mich sonst grillt." Das letzte Aufbäumen Kastorias bestand aus zwei eher verzweifelten Distanzversuchen in der Nachspielzeit. Vlachopoulos verschränkte die Arme, schaute auf die Uhr - und wirkte, als würde er lieber schon im Mannschaftsbus sitzen. Statistisch gesehen war’s eine klare Angelegenheit: 16:6 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Kreta. Offensiv, aggressiv, spielfreudig - wie es ihre Taktik versprach. Kastoria dagegen blieb brav, fast höflich. Kein Pressing, keine Überraschung, kein Tor. Trainer Jeff Johnson brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "Wir wollten das Publikum unterhalten - und das haben wir. Wenn meine Jungs so weitermachen, brauchen wir bald größere Tribünen." Sein Gegenüber Vlachopoulos dagegen murmelte nur: "Manchmal ist Fußball einfach ungerecht. Heute war er ehrlich." Ein Satz, der besser kaum passen könnte. Denn an diesem Abend war Kreta schlicht eine Klasse besser - und Kastoria nur der Gast auf einer Insel, die Fußball feiert, als wäre es Sommer. Und so ging ein lauer Abend mit drei Toren, einem Lächeln und viel Applaus zu Ende. Kreta tanzt weiter oben mit - Kastoria dagegen hat jetzt eine Woche Zeit, um zu üben, was Pressing bedeutet. 19.01.643994 22:59 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic