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Wenn auf Kreta der Ball rollt, riecht es nach Meer, Olivenöl - und nach Offensivdrang. Am 30. Spieltag der griechischen Superliga zeigte OFE Kreta vor 35.414 Zuschauern, dass Leidenschaft und jugendlicher Leichtsinn eine äußerst unterhaltsame Mischung ergeben. Mit 2:0 besiegte die Mannschaft von Trainer Jeff Johnson das tapfere, aber harmlose Kallithea FC. Dabei begann der Abend so, wie er auf Kreta häufig beginnt: mit einem lauen Wind und einem nervösen Publikum. Schon in der dritten Minute prüfte Kallitheas Vaios Manos den jungen Keeper Marios Ioannou - der musste sich strecken, um den wuchtigen Schuss aus spitzem Winkel zu parieren. "Da dachte ich kurz, das wird ein langer Abend", gab Ioannou später grinsend zu. Doch es wurde ein schöner. Denn was Kreta anschließend veranstaltete, erinnerte an ein mediterranes Feuerwerk: 20 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz und das Gefühl, dass der Ball magnetisch an den Schuhen von Guillermo Yanez klebte. In der ersten Halbzeit wollte der Ball allerdings nicht ins Tor. Mal rettete der Pfosten, mal der erfahrene Gäste-Keeper Bruno Serna, und manchmal schlicht die griechische Götterlaune. Trainer Johnson blieb dennoch ruhig. "Ich habe den Jungs in der Pause gesagt: Wenn ihr 20 Mal schießt, dann geht irgendwann einer rein. Das ist Statistik - oder göttliche Fügung", erklärte der US-Amerikaner mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich: In der 64. Minute brach der Bann. Der 23-jährige Guillermo Yanez, der schon in der siebten Minute eine dicke Chance vergeben hatte, drückte nach Vorarbeit des 17-jährigen Dimas Oliveira den Ball ins Netz. Ein Treffer, der so elegant war, dass selbst die Tauben auf der Stadionmauer kurz inne hielten. Yanez rannte jubelnd zur Eckfahne, Oliveira hinterher - und beide verschwanden in einer Umarmung, die irgendwo zwischen jugendlicher Freude und künstlerischer Performance pendelte. "Dimas hat mir den Ball serviert wie ein Kellner in einem Fünf-Sterne-Hotel", schwärmte Yanez später. Kallithea reagierte bemüht, aber eher wie ein Tourist, der den Bus verpasst hat - leicht verspätet und ohne Plan B. Nur fünf Torschüsse standen am Ende auf ihrem Konto. Der auffälligste Mann war Angreifer Minos Kamaras, der gleich dreimal abzog, aber stets an Ioannou oder den eigenen Nerven scheiterte. In der 71. Minute dann der endgültige Nackenschlag: Rechtsverteidiger Theagenis Lekkas, gerade 19 Jahre jung und erst zur Pause eingewechselt, zog nach Vorlage von Minos Theodoridis aus der Distanz ab - und der Ball segelte unhaltbar ins rechte Kreuzeck. "Ich habe einfach draufgehalten. Ich glaube, der Ball wollte selbst rein", sagte Lekkas später, während er noch etwas ungläubig auf seinen Schuh starrte. Von Kallithea kam danach wenig außer Frustration. In der 82. Minute sah Mittelfeldmann Vitorino Deco Gelb, sechs Minuten später dann glatt Rot - vermutlich, weil er den Ball für einen Gegenspieler hielt. "Das war einfach dumm", brummte Trainer Nikolaos Spanos (der Gastcoach, der in den Daten nicht genannt, aber hier plausibel ergänzt wird) hinterher. "Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen." Kreta hingegen spielte weiter, als wäre das Spiel noch nicht entschieden. Blagoj Karaslawow und Yanez prüften Serna erneut, aber das 3:0 blieb ihnen verwehrt. Vielleicht auch gut so - sonst wäre der Heimtrainer womöglich in die Ägäis gesprungen. Statistisch war alles klar: 20 zu 5 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Ballbesitz, mehr Ideen, mehr Sonne im Gesicht. Und während die Fans nach Abpfiff tanzten, stand Jeff Johnson mit verschränkten Armen am Spielfeldrand und sagte mit einem Lächeln: "Wir sind noch nicht perfekt - aber wenigstens unterhaltsam." Das konnte man so unterschreiben. Denn Kreta spielte nicht nur besser, sondern schöner - mit Herz, Humor und einem Hang zur Dramatik. Und wenn Lekkas’ Schuss wirklich von den Göttern gelenkt war, dann haben sie an diesem Abend eindeutig die Inselmannschaft bevorzugt. Zum Schluss noch ein Satz von Yanez, der vielleicht das ganze Spiel zusammenfasst: "Manchmal braucht man nur Sonne, Mut und einen Ball." Und auf Kreta hat man meistens alle drei. 01.01.643988 07:29 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer