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Es war 20:30 Uhr in der Ioniktos-Arena, die Flutlichter glühten, 16.000 Zuschauer schwenkten blau-weiße Fahnen, und für ein paar Minuten schien alles möglich. Fünf Minuten später allerdings nicht mehr. Denn OFE Kreta kam nicht, um Sonne zu tanken - sie kamen, um Tore zu schießen. Und das taten sie in einer Konsequenz, die selbst der Stadion-DJ irgendwann mit einem resignierten "Schon wieder?" kommentierte. Bereits in der 2. Minute schlug Blagoj Karaslawow zu. Der rechte Flügelstürmer, offenbar mit Espresso intravenös versorgt, vollendete nach Vorarbeit von Guillermo Yanez eiskalt - Ioniktos-Keeper Ilias Tziolis sah aus, als hätte er den Ball nur am Rauschen erkannt. "Ich dachte, der Spielball sei noch im Aufwärmen", murmelte Tziolis später mit Galgenhumor. Zwei Minuten später tat Karaslawow das, was gute Gäste eben tun: Er schenkte noch einmal ein. Fernando Longas hatte über rechts Maß genommen, Karaslawow hielt einfach den Fuß hin - 0:2 nach vier Minuten. Trainer Serkan Recber stand da mit verschränkten Armen, als wolle er den Rasen hypnotisieren. "Wir wollten offensiv beginnen", erklärte er später. "Leider war das auch Kreta’s Plan." Und Kreta spielte weiter wie im Rausch. In der 8. Minute durfte auch Minos Theodoridis jubeln. Nach einer Ecke von Bruno Sterling nahm er den Ball volley - ein Strich ins Glück. 0:3, und die Heimfans überlegten ernsthaft, ob sie sich stattdessen am Imbissstand anstellen sollten. Aber Ioniktos wäre nicht Ioniktos, wenn sie nicht wenigstens ein bisschen Chaos stiften könnten. In der 27. Minute passierte das, was man in der Fachsprache "ein Lebenszeichen" nennt: Tomasz Runge, 19, traf nach feinem Zuspiel von Alexander Anderson zum 1:3. Das Stadion atmete auf, und selbst Recber klatschte kurz. "Da war plötzlich Energie in der Mannschaft", sagte er. "Leider hat sie sich schnell wieder verflüchtigt." Denn Kreta ließ sich weder beeindrucken noch beirren. 23 Torschüsse insgesamt - das ist kein Fußball, das ist Artillerie. Ioniktos kam auf ganze zwei. Man kann es positiv sehen: eine beeindruckende Effizienz im Vermeiden von Chancen. Die zweite Halbzeit begann mit einem Hoffnungsschimmer, der sich schnell als Glühwürmchen entpuppte. Kreta-Coach Jeff Johnson wechselte zur Pause den jungen Marius Herlovsen (17) ein - "Wir wollten ihm zeigen, wie Auswärtssiege riechen", grinste Johnson später. Und in der 54. Minute war der Drops endgültig gelutscht: Ktesias Salpingidis zog aus 20 Metern ab, der Ball küsste die Latte und landete im Netz - 1:4. Markos Kirastas hatte den Angriff eingeleitet, Salpingidis bedankte sich mit einem Schuss, der vermutlich bis heute durch die Ioniktos-Tribüne hallt. "Das war so ein Moment, in dem du einfach weißt: Heute kannst du auch mit verbundenen Augen treffen", sagte Salpingidis lachend. Sein Trainer nickte zufrieden: "Wir haben offensiv gespielt, aggressiv, mutig - und Blagoj war einfach on fire." Blagoj Karaslawow, der Doppeltorschütze, winkte nach dem Spiel in die Kameras, als wäre das alles Routine. "Ich wollte eigentlich dreimal treffen", grinste er, "aber ich hab den Busfahrer schon warten sehen." Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: 53,8 Prozent Ballbesitz für Kreta, 58,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 23 Abschlüsse - das war Dominanz in Zahlen. Ioniktos dagegen wirkte, als hätten sie in der Kabine das falsche Drehbuch gelesen. Am Ende saßen die Heimspieler auf dem Rasen, während Kreta vor der Gästekurve tanzte. "Das war Lehrstoff", gab Recber zu. "Manchmal ist der Gegner einfach eine Klasse besser. Oder zwei." Jeff Johnson nahm es locker: "Wir haben früh Druck gemacht, und Ioniktos hat uns den Platz gelassen. Das war nett von ihnen." Und die Fans? Sie applaudierten trotzdem. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Stolz, vielleicht auch, weil der Schlusspfiff endlich kam. Als die Stadionlautsprecher "Schönen Abend noch!" verkündeten, nickte ein älterer Fan und meinte trocken: "Der war schön - aber für Kreta." Ein Abend also, an dem Ioniktos FC tapfer kämpfte, Kreta zauberte und die Anzeigetafel am Ende ehrlich war: 1:4. Ein Ergebnis, das so klar war, dass selbst der Linienrichter beim Abpfiff lächelte. Und wer weiß - vielleicht kommt Ioniktos beim nächsten Mal zehn Minuten später aufs Feld. Dann steht’s wenigstens noch 0:0. 22.05.643993 01:38 |
Sprücheklopfer
Ja gut, der arbeitet von morgens bis abends. Ja gut, sowas nennt man im Volksmund glaube ich Alcoholic.
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