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Ein lauer Januarabend in Tripolis, 34.778 Zuschauer im Stadion, die Lichter gleißen, die Lautsprecher dröhnen - und am Ende tanzt OFE Kreta auf dem Rasen, als wäre es ein Strandfest in Chania. 4:2 gewinnen die Gäste am 5. Spieltag der griechischen Superliga bei Astra Tripolis und zeigen dabei, dass Offensive eben doch die beste Verteidigung ist. Die Partie begann, wie sie endete: mit Kreta im Vorwärtsgang. Schon in der 12. Minute setzte Minos Theodoridis den ersten Stich. Nach einem Einwurf von Bruno Sterling zog der flinke Linksaußen einfach mal ab. Astra-Torwart Hartmut Breuer streckte sich, aber der Ball zischte ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Theodoridis später, "aber manchmal hört der Ball einfach auf dich." Doch Tripolis antwortete: In der 21. Minute, mitten in der kretischen Euphorie, tauchte Vincent Corona auf der rechten Seite auf, ließ seinen Gegenspieler aussteigen und traf trocken zum 1:1. Das Stadion jubelte, Trainer Kostas Karagounis sprang mit einem Satz an die Seitenlinie und brüllte: "So spielt man Fußball!". Leider hielt die Freude nur kurz. Kreta war an diesem Abend schlicht zu zielstrebig. Manuel Da Cru (31.) und Felipe Jemez (40.) schraubten das Ergebnis noch vor der Pause auf 3:1. Besonders Jemez, der 23-jährige Mittelstürmer, zeigte eine Spielfreude, die an eine Mischung aus jugendlichem Leichtsinn und südamerikanischem Straßenfußball erinnerte. "Felipe war überall", schwärmte sein Trainer Jeff Johnson. "Wenn er noch Kaffee kochen könnte, würde er das auch machen." Zur Pause herrschte auf der Tribüne gemischte Stimmung. Die Fans von Astra knabberten an ihren Sonnenblumenkernen, während die Kretaner im Gästeblock sangen, als hätten sie das Meer im Rücken. Nach dem Seitenwechsel zeigte sich Tripolis bemüht. Der erfahrene Hugo da Costa verkürzte in der 56. Minute nach schöner Vorarbeit von Dylan Malfoy auf 2:3. Ein klassisches Stürmertor - aus der Drehung, aus dem Nichts, und plötzlich war wieder Spannung im Spiel. "Ich dachte, jetzt kippt es", seufzte Kretas Verteidiger Agemar Corcoles später. Doch nur zwei Minuten danach köpfte Bruno Sterling, ausgerechnet der Innenverteidiger, nach einer Ecke von Niklas Reiter das 4:2 für Kreta. Das war der endgültige Dämpfer. Astra rannte, kämpfte, biss - aber der Ball wollte nicht mehr ins Tor. 11 Torschüsse, 43 Prozent Ballbesitz, zwei Gelbe Karten (Vincenzo in der 38., Sisinis in der 70.) und jede Menge Frust. Karagounis war nach Abpfiff sichtlich bedient: "Wir haben gut angefangen, dann aber aufgehört, als es interessant wurde." Ein Satz, der in Tripolis wohl noch länger nachhallen wird. Kreta dagegen spielte die Schlussphase souverän herunter. 18 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, eine bemerkenswerte Offensivlust - und ein Trainer, der nach dem Spiel zur Freude aller die Statistik kommentierte: "Ich weiß gar nicht, was Ballbesitz ist. Wir wollten nur Tore." In der 86. Minute hätte Felipe Jemez beinahe noch das 5:2 erzielt - doch diesmal war Breuer zur Stelle. Kurz darauf wechselte Karagounis zum letzten Mal: Jean Poulin kam für den müden Henry Menard. Zu spät, um das Spiel zu drehen, aber immerhin sorgte der junge Franzose für einen kurzen Energieschub auf der linken Seite. Nach dem Schlusspfiff umarmten sich die Spieler beider Teams. Der Rasen war zertrampelt, die Flutlichter spiegelten sich in den Pfützen, und irgendwo auf der Tribüne rief ein Kind: "Papa, warum hat Astra verloren?" - "Weil Kreta schneller gedacht hat", antwortete der Vater trocken. OFE Kreta bleibt mit diesem Auswärtssieg weiter oben dran, während Astra Tripolis in der Tabelle abrutscht. "Wir müssen wieder lernen, hässlich zu gewinnen", meinte Kapitän Miguel Nani, der an diesem Abend mehr gelaufen war als jeder andere. Vielleicht war es einfach ein Abend, an dem Sonne auf Sturm traf - und die Sonne lachte länger. Ein sarkastisches Schlusswort gefällig? Astra Tripolis spielte, als ob sie das Meer vermissten. Kreta brachte es gleich mit. 06.03.643987 10:07 |
Sprücheklopfer
Mark Hughes ist ein typich briticher Stürmer. Weder Fich noch Fleich.
Jupp Heynckes