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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob das Heimteam überhaupt wusste, dass ein Spiel angesetzt war. Egealeo FC lud am Freitagabend zum 34. Spieltag der 1. Liga Griechenlands - und OFE Kreta kam, sah und zerlegte. 0:5 hieß es am Ende, und das war noch schmeichelhaft. 20.000 Zuschauer im Stadion von Athen hatten sich auf eine enge Partie eingestellt, schließlich lag Egealeo in der Tabelle nicht weit hinter Kreta. Doch schon nach wenigen Minuten ahnte man, dass das hier keine klassische "Heimstärke"-Geschichte werden würde. Bereits in der zweiten Minute rauschte Karolos Lekkas in den ersten Zweikampf - und in die erste Gelbe Karte. "Das war ein Zeichen, dass wir wach sind", meinte er später mit einem tapferen Grinsen. Leider war es das letzte Zeichen, das Egealeo an diesem Abend setzte. Kreta spielte von Beginn an wie ein Team, das Urlaub schon gebucht hat, aber vorher noch schnell drei Punkte mitnimmt. Blagoj Karaslawow prüfte Egealeos Keeper Leonidas Charisteas gleich dreimal in den ersten acht Minuten. Charisteas wischte die Bälle noch über die Latte, aber die Sturmflut rollte weiter. In der 37. Minute brach schließlich der Damm: Guillermo Yanez, der flinke Linksaußen Kretas, vollendete nach feiner Vorarbeit von Ktesias Salpingidis zum 0:1. Ein Treffer, so präzise wie unausweichlich. "Das war genau so einlaufen, wie wir es im Training üben - nur dass es da nie klappt", grinste Yanez nach dem Spiel. Egealeo, mit knapp 49 Prozent Ballbesitz immerhin rechnerisch beteiligt, fand offensiv kaum statt. Zwei Schüsse aufs Tor in 90 Minuten sind ein Wert, der selbst Statistikfreunde deprimiert. Der beste Versuch kam kurz vor der Pause von Athinagoras Sisinis - eine harmlose Bogenlampe, die Kreta-Keeper Kian Boutin eher als freundlichen Gruß verstand. Nach der Pause ging alles ganz schnell. Felipe Jemez erhöhte in der 49. Minute auf 0:2, nach Zuspiel von Minos Theodoridis. Nur vier Minuten später revanchierte sich Theodoridis mit einem satten Schuss aus 18 Metern - 0:3, und das Stadion schwieg. "Da war der Stecker raus", kommentierte Egealeos Innenverteidiger Luis Seiler, der sich in der 64. Minute auch noch Gelb abholte. "Wir wollten kompakt stehen, aber am Ende standen wir uns nur selbst im Weg." Trainer Jeff Johnson von OFE Kreta ließ seine Offensive nach Belieben kombinieren. Selbst der verletzungsbedingte Ausfall von Linksverteidiger Markos Kirastas (66. Minute) bremste den Spielfluss nicht. Joel Anderson kam, sah - und sah Guillermo Yanez in Topform. In der 68. Minute schnürte Yanez seinen Doppelpack, diesmal nach Vorlage von Theodoridis. 0:4, und die Egealeo-Fans begannen, sich das Spiel schönzureden: "Vielleicht lernen sie ja was fürs nächste Mal", hörte man auf der Tribüne. Als die Nachspielzeit lief, hatten viele Zuschauer den Ausgang längst akzeptiert. Doch Christopher Lineback, der eingewechselte Rechtsaußen, hatte offenbar noch Lust auf Statistikpflege: In der 92. Minute drosch er den Ball nach Pass von Fernando Longas ins Netz - 0:5. Ein Treffer, der das Spiel auch numerisch abrundete: 18 Torschüsse für Kreta, zwei für Egealeo - das nennt man dann wohl "Leistungsnachweis". "Wir wollten zeigen, dass wir mehr können als Konter", sagte Trainer Johnson nach dem Spiel. "Heute haben wir den Ball laufen lassen - und manchmal auch den Gegner." In der Tat wirkte Kretas Spiel leichtfüßig und zielstrebig, während Egealeo trotz ausgeglichener Ballbesitzwerte wie ein Team ohne Plan agierte. Heimcoach - der Name war an diesem Abend ohnehin kaum zu hören - verließ wortlos den Innenraum. Ein Betreuer versuchte, das Geschehen positiv zu deuten: "Manchmal braucht es so ein Spiel, um zu wissen, wo man steht." Die Antwort dürfte lauten: ziemlich weit unten. So bleibt von diesem Abend vor allem ein Eindruck: OFE Kreta ist in bestechender Form, während Egealeo dringend einen Neustart braucht - oder einen Exorzisten für die Abwehrreihe. Und während die Fans von Kreta auf den Rängen tanzten, starrten die Gastgeber ins Leere. Fußball kann grausam sein - aber manchmal auch einfach ehrlich. 07.10.643993 20:01 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme