Athlitiki Icho
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Kreta tanzt den Piräus - 3:0 und eine kleine Fußball-Gala im Inselstil

Wenn auf Kreta der Ball rollt, dann riecht es nicht nur nach Meer und Olivenöl, sondern manchmal auch nach Sensation. Am Freitagabend verwandelte OFE Kreta den 5. Spieltag der 1. Liga Griechenland in ein kleines Fußballfest - und Piräus FC durfte sich dabei fühlen wie ein Tourist, der versehentlich im falschen Bus gelandet ist. 31.984 Zuschauer sahen ein 3:0, das so klar war wie das Wasser an der Südküste der Insel.

Von Beginn an machten die Männer von Trainer Jeff Johnson klar, dass sie diesmal keine Geduld für taktisches Schachspiel hatten. OFE Kreta startete offensiv, aggressiv, mit dem Motto: "Warum warten, wenn man gleich draufhalten kann?" Schon in der ersten Minute prüfte Ktesias Salpingidis den Torwart von Piräus mit einem satten Schuss. Es sollte der Auftakt zu einer ganzen Serie von Angriffen sein - 20 Torschüsse insgesamt, ein Wert, den man sonst eher aus Videospielen kennt.

Piräus dagegen? Zwei Schüsse aufs Tor. Zwei! In 90 Minuten. "Wir wollten sicher spielen", murmelte Gäste-Trainer nach dem Spiel, "aber sicher heißt nicht, dass man gar nichts macht." Seine Spieler nickten betreten - vielleicht zu höflich, um zu widersprechen.

Das erste Tor fiel in der 35. Minute und war so schön, dass selbst die Möwen über dem Stadion kurz innehielten. Der 20-jährige David Block, ein Stürmer mit mehr Mut als Bartwuchs, schloss eine perfekte Kombination über Minos Theodoridis ab. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Block später. "Ich dachte, der Ball fliegt raus, aber er hat wohl entschieden, dass er lieber Geschichte schreibt." 1:0 - und Kreta jubelte.

Kurz vor der Pause dann der einzige kleine Makel: Rechtsverteidiger Fernando Longas sah Gelb, nachdem er es zu gut mit der "starken Aggressivität" seines Trainers gemeint hatte. "Ich wollte nur den Ball", beteuerte er, "aber der Ball wollte nicht mich."

Zur zweiten Halbzeit wechselte Johnson doppelt. Unter anderem kam der 17-jährige Serafim Kyrgiakos - und der Teenager sollte in den folgenden Minuten zeigen, dass er kein gewöhnlicher Nachwuchsspieler ist. "Ich hatte noch Mathehausaufgaben offen", witzelte er nach dem Spiel, "aber das hier war wichtiger."

In der 71. Minute legte Kyrgiakos uneigennützig quer auf Jose Couto, der den Ball mit Schmackes ins Netz drosch - 2:0. Keine zwei Minuten später das nächste Highlight: Duarte Caneira flankte punktgenau auf Fedon Amanatidis, der per Kopf zum 3:0 traf. Zwei Tore in einer Minute - und die Fans sangen Lieder, die man vermutlich bis nach Heraklion hörte.

Piräus war zu diesem Zeitpunkt nur noch Statist im Spiel. Ihre Defensive wirkte, als hätte sie schon beim Einlaufen beschlossen, dass der Ball heute einfach zu schnell ist. Torwart Christiano Ziganda schimpfte lautstark über seine Vorderleute, während OFE Kreta weiter angriff, als wolle man noch den vierten Treffer erzwingen. "Ich musste sie bremsen", lachte Trainer Johnson später. "Man kann ja nicht jedes Spiel in ein Trainingslager verwandeln."

Statistisch war das Ganze eine Machtdemonstration: 53,7 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, eine Zweikampfquote von fast 60 Prozent, und eben jene 20 Torschüsse, die den Unterschied machten. Piräus brachte es auf zwei halbherzige Versuche - einer davon in der 47. Minute, der andere in der 54., beide so harmlos, dass Torwart Kian Boutin sich vermutlich mehr über die Sonne als über den Ball ärgerte.

Nach Abpfiff tanzte die Mannschaft im Kreis, während das Publikum "OFE, OFE" rief. Jeff Johnson strahlte wie ein Mann, der weiß, dass seine Offensive gerade den Turbo gefunden hat. "Das war kein Zufall", sagte er. "Wir trainieren seit Wochen daran, sofort Druck zu machen. Heute hat man gesehen, was passiert, wenn alle an einem Strang ziehen - und wenn dieser Strang Richtung Tor verläuft."

Piräus-Coach dagegen fand kaum Worte. "Wir waren wohl gedanklich noch auf der Fähre", murmelte er. Und tatsächlich: Während Kreta Fußball zelebrierte, wirkte Piräus, als kämpfe es gegen den Wellengang.

So bleibt am Ende ein Spiel, das mehr als nur drei Punkte brachte - es war eine Ansage. OFE Kreta zeigt, dass auf dieser Insel nicht nur Götter und Mythen leben, sondern auch eine Mannschaft, die Fußball mit Leidenschaft spielt. Und wenn man den jungen Kyrgiakos so lachen sieht, glaubt man ihm aufs Wort, wenn er sagt: "Das war der schönste Abend meines Lebens - bisher."

Vielleicht sollte Piräus beim nächsten Mal lieber mit Sonnencreme und Rettungsring anreisen. Gegen diese Welle von Kreta half nämlich keine Taktik der Welt.

28.12.643993 01:07
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In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler
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