Athlitiki Icho
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Kreta tanzt, Chaidari taumelt - OFE fegt mit 6:2 über den FC hinweg

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball Geschichten schreibt, die Trainer in Pressekonferenzen lieber verschweigen würden. 27.000 Zuschauer im Stadion von Chaidari sahen ein Spektakel, das man höflich als "Lehrstunde" bezeichnen könnte - weniger höflich als "charmante Demontage". OFE Kreta gewann beim heimischen Chaidari FC mit 6:2 (4:2) und zeigte dabei eine Offensivfreude, die selbst die griechische Sonne erröten ließ.

Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da hallte schon der erste Jubel durchs Stadion - allerdings von den rund 500 mitgereisten Kreta-Fans. In der dritten Minute schlug Felipe Jemez eiskalt zu. Nach einem Pass des quirlig-unkontrollierbaren Duarte Caneira stand der Mittelstürmer goldrichtig und schob den Ball flach ins Eck. "Ich dachte, der Ball sei zu weit", grinste Jemez später, "aber dann war er halt im Tor. Auch gut."

Chaidari wirkte überrascht, beinahe beleidigt. Doch statt einer Antwort kassierten sie nur 14 Minuten später das 0:2: Ktesias Salpingidis vollendete einen sehenswerten Angriff über denselben Caneira. "Zweimal derselbe Spielzug - das ist fast schon Kunst", murmelte ein Fan auf der Haupttribüne, während er resigniert in seine Sonnenblume biss.

Nach 23 Minuten wurde das Ganze zum Albtraum in Blau: Guillermo Yanez, der linke Flügelstürmer der Kretaner, traf nach Vorlage von Blagoj Karaslawow zum 0:3. Die Defensive von Chaidari stand da wie eine Touristen-Gruppe vor dem Akropolis-Museum - interessiert, aber unbeweglich.

Doch mitten in dieses Offensivgewitter hinein meldete sich Chaidari kurz zurück. In der 30. Minute fasste sich Kassandros Giannopoulos, der Routinier im Sturm, ein Herz und drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Adrianos Pappas unter die Latte. Das Stadion atmete auf. "Da war kurz wieder Leben", sagte Giannopoulos später, "leider nur kurz." Denn kaum sechs Minuten später stellte Karaslawow den alten Abstand wieder her - 1:4.

Immerhin: Noch vor der Pause durfte auch Archondis Damanakis jubeln. In der 39. Minute traf der 34-Jährige nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Anaximenis Kampantais zum 2:4-Pausenstand. Hoffnung? Ein bisschen. Sarkasmus? Viel.

Zur zweiten Halbzeit brachte Kretas Trainer Jeff Johnson drei frische, teilweise pubertierende Kräfte: den 17-jährigen Alexandros Eleftherakis, den gleichaltrigen Marius Herlovsen und den 19-jährigen David Block. "Wir wollten Energie reinbringen", erklärte Johnson nach dem Spiel. "Und die Jungs haben geliefert - und dabei wahrscheinlich noch ihre Hausaufgaben verschoben."

Tatsächlich war es der jugendliche Eleftherakis, der in der 64. Minute nach Querpass von Manuel Da Cru zum 5:2 traf. Ein 17-Jähriger, der vor 27.000 Zuschauern so cool abschließt, als würde er im Pausenhof Elfmeter schießen - das hatte Stil.

Spätestens nach der Gelb-Roten Karte für Chaidaris Rechtsverteidiger Kleanthes Fyssas (71.) war das Spiel endgültig entschieden. "Er hat ihn ja nicht getroffen, nur fast", verteidigte ihn Giannopoulos mit einem Schmunzeln. Der Schiedsrichter sah das anders.

Den Schlusspunkt setzte - wer sonst - Blagoj Karaslawow in der 89. Minute. Sein zweiter Treffer des Abends, vorbereitet von, richtig: Duarte Caneira. 6:2, und die Fans von OFE Kreta sangen sich in Ekstase.

Statistisch betrachtet war das Ergebnis so deutlich wie verdient: 16 Torschüsse für die Gäste, nur 7 für die Hausherren, 53 Prozent Ballbesitz für Kreta - und eine Zweikampfquote, die Chaidari-Trainer, nun ja, nicht in den Lebenslauf schreiben wird (46 Prozent). "Wir haben nicht nur das Spiel verloren, sondern auch unseren Orientierungssinn", soll ein Spieler in der Kabine gemurmelt haben.

OFE-Coach Johnson lobte seine Mannschaft: "Wir wollten offensiv spielen, egal was passiert. Das ist unsere DNA." Eine DNA, die wohl aus purer Spielfreude besteht. Auf der anderen Seite stapfte Chaidaris Team wortlos vom Feld. Nur Giannopoulos blieb kurz stehen und sagte in Richtung der Heimfans: "Wir schulden euch eine Reaktion. Und ein paar neue Abwehrübungen."

Ein Zuschauer fasste es treffend zusammen: "Kreta hat getanzt, und Chaidari hat zugeschaut." Mehr muss man über diese 90 Minuten nicht wissen.

Und wenn man ganz genau hinhörte, konnte man im Abendwind über Athen ein leises, kaum hörbares "Opa!" vernehmen - diesmal allerdings nicht zum Feiern.

22.08.643993 12:53
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Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund
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